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| 18:23 Uhr

Streit geht in die nächste Runde
Weg zur Plessaer Reithalle freigesägt

Im Streit zwischen Verpächter und Reitverein in Plessa um den Zugang zur Reithalle musste am Mittwoch auf richterlichen Beschluss eine Absperrkette durchgesägt werden. Vereinsvorsitzender Günter Kamenz (M.) und Trainerin Margit Strehlow helfen dem bestellten Schlosser.
Im Streit zwischen Verpächter und Reitverein in Plessa um den Zugang zur Reithalle musste am Mittwoch auf richterlichen Beschluss eine Absperrkette durchgesägt werden. Vereinsvorsitzender Günter Kamenz (M.) und Trainerin Margit Strehlow helfen dem bestellten Schlosser. FOTO: Veit Rösler
Plessa. Richterlicher Beschluss wurde am Mittwoch in Plessa vollzogen. Am Donnerstag findet eine Vor-Ort-Gerichtsverhandlung an der Elstermühle statt. Von Manfred Feller und Veit Rösler

Auch wenn die sechs Pferde des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Plessa vor etwa vier Wochen evakuiert worden sind, ist am Mittwochvormittag ein richterlicher Beschluss zum Öffnen des Weges zur Reithalle auf dem Mühlengelände durchgesetzt worden. Dies erfolgte in Abwesenheit der Eigentümer. Bolzenschneider, Brechstange, Notstromaggregat mit Winkelschleifer, eine schlichte Eisensäge oder ein bestellter Schlosser? Die Frage nach der effektiven Lösung zum Durchtrennen der Kette war bald beantwortet. Um 9 Uhr wurde die Einstweilige Verfügung im Beisein einer Gerichtsvollzieherin vom Amtsgericht Bad Liebenwerda durchgesetzt.

Dies sei nach Ansicht des Eigentümerpaares, das von der RUNDSCHAU angefragt worden ist, nicht erforderlich gewesen. In der E-Mail-Antwort heißt es: „Die Öffnung war nicht notwendig, da es noch andere Zuwegungen gibt.“ Die Vollstreckung war auf Antrag des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Plessa zustande gekommen. Im April dieses Jahres hatte dieser plötzlich in der Einfahrt eine versperrende Eisenkette und ein Schloss vorgefunden. Als die Reiterinnen ihre Pferde auf die Koppel bringen wollten, waren beide Toröffnungen jeweils mit Schloss und Kette versperrt. Kein Durchgang mehr für Pferde, Autos und Traktoren.

Nachdem bereits seit Monaten ein Streit zwischen Verpächter und Pächter um die Nutzung der Reithalle und die Höhe der zu zahlenden Pacht tobt, hatte der neue Eigentümer des Mühlengeländes Michael Ponath offenbar während der Reitstunde Ketten anbringen lassen. Für Trainerin Margit Strehlow und den Vereinsvorsitzenden der Plessaer Reiter Günter Kamenz ein unhaltbarer Zustand. Immerhin bliebe bei einem Unfall auf dem Gelände der Reithalle oder auf dem Reitplatz dem Rettungsdienst die Zufahrt versperrt, so argumentierten sie seinerzeit.

Die Polizei wurde hinzugezogen. Bei den Verhandlungen zwischen den Beamten der Elsterwerdaer Wache, Michael Ponath und Bürgermeister Gottfried Heinicke wurde zunächst die Sachlage geklärt. „Generell darf der Eigentümer nach der Grundstückssicherungspflicht sein Anwesen sichern“, hieß es seitens der Polizei.

Nach einem mehrmonatigen Streit war im September des vergangenen Jahres den Reitern der Strom in der Reithalle abgestellt worden. Der alte Pachtvertrag war zuvor zum 31. Juli gekündigt worden. Dieser sei jedoch nicht rechtskräftig gewesen, so Günter Kamenz. Die ursprünglich vereinbarte alte Pacht und die Nebenkosten würden vom Reitverein auch weiterhin pünktlich gezahlt. Die Pacht sei ortsüblich. Derzeit laufe eine Räumungsklage gegen den Verein.

„Mit viel Herzblut und Eigenmitteln haben die Plessaer Reiter mit ihren Angehörigen die Halle ausgebaut und modernisiert. Wir haben das Gebäude seit 18 Jahren genutzt. Am Ortsrand von Plessa bietet das große Gelände für einen Reitverein optimale Bedingungen, zumal hier bei den Mühlenfesten auch gleich noch Reitsportveranstaltungen präsentiert werden konnten“, blickt Günter Kamenz zurück.

Auch der Eigentümer hat seinen Standpunkt. Während einer der zurückliegenden Streitphasen erwähnte er, dass an dem Gebäude in den 1990er-Jahren letztmalig erhaltende Arbeiten ausgeführt worden seien. „Da sind Reparaturen und Wartungsarbeiten ganz normal, und die kosten eben nun mal in der heutigen Zeit mehr Geld“, hatte Michael Ponath hinsichtlich seiner Vorstellungen von einer Pacht einst entgegengehalten.

Der andauernde Streit zehrt an den Nerven der rund 50 Mitglieder des Ländlichen Reit- und Fahrvereins in Plessa. Darunter sind 30 Kinder und Jugendliche. Die sechs Pferde, sie gehören Günter Kamenz, wurden vor Wochen umgesetzt. „Sie stehen auf einer anderen Weide“, sagt er. „Wir werden uns perspektivisch auf unser Grundstück in der Deliusstraße zurückziehen. Eine Halle für unsere Reitschüler wird es dann nicht mehr geben“, bedauert er.

Zunächst findet der richterlich angeordnete Kettenschnitt vom Mittwoch eine Fortsetzung. Am Donnerstag wird während einer Vor-Ort-Gerichtsverhandlung die Sachlage noch einmal mit den Streitparteien erörtert und womöglich ein Urteil gefällt. Günter Kamenz setzt nicht nur wenig Hoffnung in diesen Termin, sondern sieht auch die Zukunft des Vereins skeptisch.