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| 18:32 Uhr

LKA-Ermittlungen in Bad Liebenwerda
Pfandbetrug bei Mineralquellen: Überprüfung sichergestellter Dokumente läuft

Im großen Stil soll mit Pfandflaschen unter anderem der Marke Bad Liebenwerda betrogen worden sein. Das Landeskriminalamt wertet zurzeit sichergestellte Dokumente und Dateien aus.
Im großen Stil soll mit Pfandflaschen unter anderem der Marke Bad Liebenwerda betrogen worden sein. Das Landeskriminalamt wertet zurzeit sichergestellte Dokumente und Dateien aus. FOTO: Frank Hammerschmidt
Bad Liebenwerda. Der vermutete Pfandbetrug bei den Mineralquellen Bad Liebenwerda stellt die ermittelnden Behörden vor große Herausforderungen. Von Frank Claus

Haben Mitarbeiter der Bad Liebenwerdaer Mineralquellen GmbH (Elbe-Elster) bei der Leergut-Annahme im großen Stil betrogen und darüber hinaus über Jahre auch noch mit dem illegalen Verkauf von Mineralwasser und Schorlen in die eigene Tasche gewirtschaftet?

Dieser Frage versucht die Staatsanwaltschaft Cottbus in Zusammenarbeit mit dem brandenburgischen Landeskriminalamt (LKA) auf den Grund zu gehen. Ermittelt werde, so Oberstaatsanwältin Petra Hertwig bereits im Sommer, gegen sieben Personen. Dabei soll es sich um sechs Mitarbeiter der Mineralquellen GmbH, denen im Dezember des vergangenen Jahres fristlos gekündigt worden sei, und einen Getränkehändler aus Sachsen handeln.

Zweien der sechs Mitarbeiter sei in den Gesprächen in der Firma vor der Kündigung vorgeworfen worden, das Unternehmen so jeweils um eine Dreiviertel Million Euro betrogen zu haben. Den Übrigen werde demnach Betrug in Höhe von je 50 000 Euro vorgeworfen. Bernhard Brocher, der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Cottbus, spricht von „zunächst hochgerechneten Zahlen“, die nun im Zuge der Ermittlungen überprüft würden.

Was so simpel klingt, ist eine Sisyphusarbeit. Denn die vorgeworfenen Straftaten sollen sich über Jahre erstreckt haben. Oberstaatsanwältin Petra Hertwig will sich zum Ermittlungsstand nicht näher äußern, sagt aber, dass Spezialisten des LKA nun alle gesicherten Dokumente und Computereintragungen überprüfen würden. Alle aufgedeckten Unregelmäßigkeiten müssten dann auch noch beweissicher Personen zugeordnet werden können. Auch auf die Frage, ob es bereits Vernehmungen gegeben habe, blockt die Staatsanwältin ab, sagt aber: Man könne erst dann mögliche Beschuldigte vernehmen, „wenn wir ihnen etwas vorzuwerfen haben“. Für sie stünde deshalb zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt noch nicht fest, ob „es zur Anklageerhebung kommt oder ob wir das Verfahren einstellen.“

Sicher ist, dass es Anfang Juli bereits eine Hausdurchsuchung gab. Diesen Fakt hat der Leitende Oberstaatsanwalt bestätigt und erklärt: „Dabei wurden Geschäftspapiere gefunden, die nun ausgewertet werden.“

Mineralquellen-Geschäftsführer Christian Schindel hat die Ermittlungen im Unternehmen ebenfalls bestätigt, trotz mehrfacher Nachfrage die Nennung weiterer Details „im Hinblick auf die fortlaufende Ermittlungsarbeit der Staatsanwaltschaft“ jedoch abgelehnt.

Im Unternehmen haben die Vorfälle scheinbar zu unterschiedlichen Reaktionen geführt. Da war einerseits von großer Überraschung die Rede, andererseits hieß es aber auch aus Mitarbeiterkreisen, dass Vorgesetzte auf mögliche Unregelmäßigkeiten im Lagerbereich schon vor längerer Zeit hingewiesen worden seien. Die Betriebsleitung ließ dazu verlauten, dass die internen Prozesse im Unternehmen ständig überprüft würden, es allerdings auch schwer sei, gegen alles Vorkehrungen zu treffen.

Doch wie lassen sich bei der Pfand­abrechnung und dem Verkauf von Mineralwasser angeblich Summen in Millionenhöhe erschleichen?

Wenn Getränkehändler ihr Leergut abgeben würden, werde die Menge zunächst handschriftlich auf speziell vorbereiteten Formularen erfasst. Schon da könne betrogen werden, indem die aufgeschriebene Menge höher geschrieben werde als die tatsächlich angelieferte. Der Differenzbetrag wechsle als Bargeld im vereinbarten Verhältnis zwischen Getränkehändler und Mineralquellen-Mitarbeiter bei diesem „Deal“. Weil die gefälschte, höhere Menge danach im Computersystem erfasst werde, erhalte der Getränkehändler den vollständigen Betrag später erstattet.

Noch größer wäre freilich der Schaden, wenn befüllte Getränkekisten unrechtmäßig den Betrieb verlassen hätten. Eine Beispielrechnung: Kauft ein Kunde im Handel eine Kiste Bad Liebenwerdaer Medium, kostet diese 5,99 Euro plus 3,30 Pfand. Nimmt er noch die preisgünstigere Marke Adello dazu, muss er weitere 3,99 Euro plus 3,30 Euro bezahlen. Macht für zwei Kisten Wasser 16,58 Euro!

Zum Verständnis: Bei den Bad Liebenwerdaer Mineralquellen werden jährlich etwa 200 Millionen Flaschen Mineralwässer und Süßgetränke in 0,5-, 0,7-, 1,0- und 1,5-Liter-Flaschen abgefüllt. Ein großer Teil wird in Trägerkisten transportiert.