ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:12 Uhr

Ortsumfahrungen zu wenig genutzt
Lenken Navis mehr Autos nach Bad Liebenwerda?

 Drei Beispiele der Verkehrsführung in Bad Liebenwerda mittels googlemaps. In zwei Fällen werden Kraftfahrer durch die Berliner und Bahnhofstraße und damit mitten durch die Stadt geführt. Nur einmal wird die Nutzung der Ortsumfahrungen empfohlen. Der Landesbetrieb Straßenwesen und die Stadt als Straßenträger haben darauf nur begrenzten Einfluss  – zum Beispiel durch die Schaffung von Routenwiderständen.
Drei Beispiele der Verkehrsführung in Bad Liebenwerda mittels googlemaps. In zwei Fällen werden Kraftfahrer durch die Berliner und Bahnhofstraße und damit mitten durch die Stadt geführt. Nur einmal wird die Nutzung der Ortsumfahrungen empfohlen. Der Landesbetrieb Straßenwesen und die Stadt als Straßenträger haben darauf nur begrenzten Einfluss  – zum Beispiel durch die Schaffung von Routenwiderständen. FOTO: LR / Screenshot googlemaps
Bad Liebenwerda. Auf einigen Straßen von Bad Liebenwerda ist nach Freigabe der B-183-Ortsumfahrung mehr Verkehr als vorher. Wie kann das sein? Unter Verdacht für eine Mitschuld an dieser Entwicklung sind Navigationssysteme.

Diese Nachricht hat aufhorchen lassen in Bad Liebenwerda. Auf einigen Straßen in der Stadt ist nach Freigabe der B-183-Ortsumfahrung mehr Verkehr als vorher gezählt worden. Betroffen sind vor allem die Berliner und Bahnhofstraße, aber auch in der Dresdner-, der Riesaer und Torgauer Straße hat der Verkehr nicht wie erhofft abgenommen.

Wenngleich die Auswertung aller 29 Kamerazählstellen ergeben hat, dass der Lkw-Verkehr deutlich zurückgegangen ist. Vermutet wird, dass ein gewichtiger Teil der Zunahme des Verkehrs der gewachsenen Attraktivität der Innenstadt „anzulasten“ ist. Rösselpark, medizinische Angebote, Kliniken, Dienstleistungen, Gastronomie- und Kulturangebote, Einzelhandel werden da genannt. Bewiesen ist das nicht. Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider hat deshalb empfohlen, Kraftfahrer-Befragungen durchzuführen.

Mit Sicherheit aber haben Navigationssysteme einen Einfluss auf das Verkehrsverhalten der Kraftfahrer. Drei Beispiele untermauern das:

 das zeigt googlemaps für die Verbindung Oschätzchen- Herzberg - Weg führt über die Ortsumfahrungen B 183 und B 101
das zeigt googlemaps für die Verbindung Oschätzchen- Herzberg - Weg führt über die Ortsumfahrungen B 183 und B 101 FOTO: LR / Screenshot googlemaps

Kraftfahrer aus Richtung Finsterwalde, Maasdorf, die nach Torgau und Riesa wollen, werden nicht etwa auf die B-101- und B-183-Ortsumfahrungen geführt, sondern mitten durch die Innenstadt und damit durch die Bahnhofstraße gelenkt.

Kraftfahrer aus Richtung Herzberg und Winkel, die nach Riesa wollen, werden ebenso geführt.

 das zeigt googlemaps für die Verbindung Winkel-Riesa - Weg führt durch die Innenstadt
das zeigt googlemaps für die Verbindung Winkel-Riesa - Weg führt durch die Innenstadt FOTO: LR / Screenshot

Kraftfahrer, die aus Richtung Riesa und Oschätzchen kommen, werden allerdings auf die B-183 und B-101-Umfahrung gelenkt, um nach Herzberg zu kommen.

 Steffen Kleiner während der Freigabe der B-183-Ortsumfahrung.
Steffen Kleiner während der Freigabe der B-183-Ortsumfahrung. FOTO: LR / Frank Claus

Und noch eine Vermutung scheint ein wenig entkräftet. Der Verkehr aus Richtung Mühlberg und Lausitz, der nach Herzberg möchte, wird wie vielfach angenommen, gar nicht an Bad Liebenwerda vorbeigeführt. Diesen Kraftfahrern empfiehlt zum Beispiel googlemaps entweder über Wahrenbrück oder über Falkenberg zu fahren. Dass zusätzlich zu den Hinweisen auf den Verkehrstafeln jetzt auch die Richtung zur B 101 angezeigt wird, dürfte unterstützend wirken.

Doch wie kommen die Informationen überhaupt ins Navi und wie beeinflussbar sind sie? Steffen Kleiner, Dezernatsleiter im Landesbetrieb Straßenwesen, klärt auf: „Im Grunde genommen gibt es in Deutschland nur noch zwei, drei bedeutende Navigationsunternehmen. Die holen sich sehr frühzeitig Informationen, erfahren vermutlich aus bestätigten Bundesverkehrswegeplänen und Planungsportals mehr über den Neubau von Straßen. Die Unternehmen wenden sich schon ein bis zwei Jahre vorher an uns und wollen nähere Details zur Streckenführung und Länge wissen. Wir stellen diese Daten auch zur Verfügung.“ Danach komme es auf die Herstellerfirmen an, wie schnell das aktuelle Material in den Fahrzeugen eingebaut wird.

Kann der Landesbetrieb dargestellte Linienführungen im Navi beeinflussen, also im Fall Bad Liebenwerda möglichst viele auf die Ortsumfahrungen leiten lassen? Steffen Kleiner: „Im Grunde genommen nicht. Jede öffentlich gewidmete Straße ist benutzbar.“

Das Navi sei bestrebt, dem Nutzer die schnellste Variante anzugeben. „Die einzige Möglichkeit, Streckenführungen zu beeinflussen, sind Routenwiderstände“, sagt Steffen Kleiner. Dazu zähle alles, was den Verkehrsfluss ausbremse und damit die Fahrt über diese Trasse verlangsame und unattraktiver mache.

Deshalb sei es richtig, dass sich Bad Liebenwerda nun nach den gewonnen Erkenntnissen nach Freigabe der B-183-Ortsumfahrung noch mal sehr sorgfältig mit der Innenstadt-Verkehrsführung beschäftige. Nach Erfahrungen Steffen Kleiners mache es wenig Sinn, bestimmte Straßen für Lkw zu sperren und mit dem Schild Anlieger- und Lieferverkehr frei zu versehen. „Heute hat jeder ein Anliegen.“ Die Umsetzung müsste konsequent kontrolliert werden. Und da wäre die nächste Baustelle aufgemacht: Personal.