Von Frank Claus

Gegen 14.45 Uhr hat das Berliner Auktionshaus Karhausen die Nummer 58, die Siedlung „Alwine“ aufgerufen. Wenig später steht fest: Die „Alwine“ ist für 140 000 Euro über den Tisch gegangen. Nach Aussage eines Sprechers des Auktionshauses habe ein Anbieter, der per Telefon sein Interesse bekundet hat, den Zuschlag erhalten. Er war der einzige Bieter. Uebigau-Wahrenbrücks Bürgermeister Andreas Claus, der mit Domsdorfs Ortsvorsteher Peter Kroll die Auktion verfolgt hat, ist gerade von Medienleuten umringt und muss Interviews geben. Gleich soll es auch eine Pressekonferenz geben. Fernsehstationen wollen in ihren Abendsendungen bereits heute berichten. Er hatte vor dem Aufruf der Nummer 58 von Matthias Knake vom Auktionshaus Karhausen erfahren, dass auch ein schriftliches Angebot vorgelegen habe. Das Angebot sei mit der Angebotssumme von 125 000 Euro und den Worten „zum Wohle der Bürger“ versehen. Das Auditorium in der Friedrichstraße war gut besetzt, so der Bürgermeister. Sechs Kamerateams hätten ihre Technik aufgebaut - alle warteten auf die Versteigerung der einstigen Bergarbeitersiedlung „Alwine“, die bundesweit für Schlagzeilen sorgt nachdem die Bild-Zeitung ganzseitig getitelt hatte: Ein Dorf wird versteigert.

15 Einwohner wohnen noch dort. Versteigert werden heute vom Auktionshaus Karhausen in der Berliner Friedrichstraße fünf Doppelhaushälften, ein Ein- und zwei Mehrfamilienhäuser mit den Hausnummern 100 sowie 102 bis 106. Allesamt sind im „umfassend modernisierungs- und sanierungsbedürftigen Zustand“, heißt es im Katalog für die Winterauktion. Dazu kommen noch zwei große Nebengebäude sowie etwa zehn Schuppen und Garagen. Das Ganze steht auf knapp 17 000 Quadratmeter Fläche. Im Versteigerungs-Katalog, dort wird die „Alwine“ als „Siedlung mit Dorfcharakter“ bezeichnet, sind 125 000 Euro als Mindestgebot angegeben.

Bürgermeister Andreas Claus habe gegenüber dem Auktionshaus auch erklärt, dass die Stadt ein „gemeindliches Vorverkaufsrecht“ prüfe. Das hänge unter anderem vom Ergebnis der Auktion ab und werde mit den Stadtverordneten im Vorfeld besprochen. Mit dem Auktionshaus sei vereinbart, dass die Stadt in der nächsten Woche den Name des Bieters erfahre, um dann mit ihm in persönlichen Kontakt treten zu können. So lange bleibt unklar, ob die Person mit dem schriftlich abgegebenen Angebot nun auch die war, die telefonisch im Preis nachlegte.