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| 20:42 Uhr

Vor der Bildung der ersten Verbandsgemeinde in Brandenburg
Paukenschlag: Andreas Claus geht von Bord

         Diese vier Städte wollen am Freitag, 22. März, den Beschluss zur Bildung der ersten Verbandsgemeinde in Brandenburg fassen. Wirksam werden soll die Verbandsgemeinde Liebenwerda zum 1. Januar 2020.
Diese vier Städte wollen am Freitag, 22. März, den Beschluss zur Bildung der ersten Verbandsgemeinde in Brandenburg fassen. Wirksam werden soll die Verbandsgemeinde Liebenwerda zum 1. Januar 2020. FOTO: PicItUp, Gizele/shutterstock.com / Montage: Janetzko/lr
Bad Liebenwerda. Überraschung vor der Verbandsgemeinde-Eheschließung am Freitag: Der Bürgermeister aus Uebigau-Wahrenbrück scheidet aus. Zwei Amtsinhaber liebäugeln mit dem Chefsessel. Von Sylvia Kunze und Frank Claus

Es ist soweit: Am Freitag, 22. März, sollen ab 18 Uhr die „Hochzeitsglocken“ läuten. Als „Standesamt“ haben sich die vier Städte Bad Liebenwerda, Falkenberg, Mühlberg und Uebigau-Wahrenbrück das Bürgerhaus in Bad Liebenwerda ausgewählt.

Dort wollen sie in einer gemeinsamen, für jedermann öffentlichen Stadtverordnetenversammlung die Fusion zur „Verbandsgemeinde Liebenwerda“ ab 1. Januar 2020 beschließen. Ehrengast ist Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).

Bürgermeister Andreas Claus geht von Bord

Doch die Zeremonie wird überlagert von einem Paukenschlag. Andreas Claus (parteilos), seit dem Jahr 2003 Bürgermeister in Uebigau-Wahrenbrück und engagierter Kämpfer für die Verbandsgemeindebildung, geht aus gesundheitlichen Gründen von Bord. Das hat er an den vergangenen zwei Tagen der Bürgermeisterkollegin Hannelore Brendel aus Mühlberg und den zwei Bürgermeisterkollegen aus Falkenberg (Herold Quick) und Bad Liebenwerda (Thomas Richter) mitgeteilt.

Dass diese Entscheidung kurz vor der beabsichtigten Verbandsgemeinde-Eheschließung öffentlich wird, liege an der auf Donnerstag, 21. März, 12 Uhr, festgelegten Abgabefrist der Unterlagen für die Bürgermeisterwahl.

 Sie haben seit 2013 für die Bildung der Verbandsgemeinde Liebenwerda gemeinsam gekämpft. Andreas Claus (l.) geht im August als einer von vier jetzigen Bürgermeistern von Bord. Thomas Richter, Hannelore Brendel und Herold Quick wollen auch in der neuen Verbandsgemeinde Liebenwerda in Führungspositionen bleiben.
Sie haben seit 2013 für die Bildung der Verbandsgemeinde Liebenwerda gemeinsam gekämpft. Andreas Claus (l.) geht im August als einer von vier jetzigen Bürgermeistern von Bord. Thomas Richter, Hannelore Brendel und Herold Quick wollen auch in der neuen Verbandsgemeinde Liebenwerda in Führungspositionen bleiben. FOTO: Rico Meißner

„Ich habe meine Unterlagen nicht abgegeben und werde also auch nicht erneut für das Bürgermeisteramt kandidieren“, sagt Andreas Claus. Er habe seine persönliche Entscheidung vorher nicht bekanntgeben wollen, um in den Prozess der Vorbereitung der Verbandsgemeindebildung keine Unruhe zu bringen. Seine Amtszeit endet am 13. August 2019.

Zwei Bürgermeisterbewerber für Uebigau-Wahrenbrück.

Für die Wahl des neuen hauptamtlichen Bürgermeisters der Stadt Uebigau-Wahrenbrück liegen laut Wahlleiter Roland Schrey zwei Bewerbungen vor: Thomas Lehmann (CDU) und Delf Gerlach (FDP). Beide haben auch erst am Donnerstag erfahren, dass der Amtsinhaber nicht mehr kandidieren wird.

 In der künftigen Verbandsgemeinde Liebenwerda ist diese Aufgabenverteilung vorgesehen.
In der künftigen Verbandsgemeinde Liebenwerda ist diese Aufgabenverteilung vorgesehen. FOTO: LR / Katrin Janetzko

Doch haben beide im Fall ihrer Wahl auch Interesse, der erste Bürgermeister der neuen Verbandsgemeinde Liebenwerda zu werden? Der Uebigauer Thomas Lehmann sagt: „Ich denke, Herold Quick ist die gesetzte Person. Das habe ich immer mit unterstützt. Deshalb stellt sich diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt für mich nicht.“

Er glaubt, dass es am Freitag eine mehrheitliche Zustimmung zum Zusammengehen der vier Städte gibt – sieht eher die Gefahr, dass die Abstimmung an der Beschlussfähigkeit scheitern könnte. Er hat dabei im Blick, dass es insbesondere bei Sitzungen in Uebigau-Wahrenbrück um die Anwesenheit in letzter Zeit eher schlecht bestellt war. Immer wieder hätten viele Abgeordnete gefehlt.

Delf Gerlach, ebenfalls aus Uebigau, geht als zweiter Bewerber um das Bürgermeisteramt in Uebigau-Wahrenbrück ins Rennen und will alles Schritt für Schritt angehen. Soll heißen: Gedanken um den Platz auf dem Chefsessel der zukünftigen Verbandsgemeinde macht er sich aktuell nicht.

„Das ist im Moment für mich kein Thema. Erst einmal gilt es, die Bürgermeisterwahl zu gewinnen – und am Freitag bei der gemeinsamen Sitzung der Stadtverordnetenversammlungen den Startschuss für die Verbandsgemeinde ab 1. Januar 2020 zu geben. Ich habe die Hoffnung, dass wir das auch beschließen.“

Claus’ Entscheidung löst Bedauern und Verständnis aus

In der Runde der drei anderen hauptamtlichen Bürgermeisterkollegen hat die Entscheidung von Andreas Claus Bedauern, aber Verständnis ausgelöst. Sowohl Hannelore Brendel als auch Herold Quick und Thomas Richter erklärten, dass „die Gesundheit Vorrang“ habe.

Und wie sehen sie selber ihre Ambitionen auf das Amt des ersten Amtsgemeindebürgermeisters? Hannelore Brendel aus Mühlberg sagt klar: „Ich stehe für dieses verantwortungsvolle Amt nicht zur Verfügung.“ Bis zum 1. Januar 2020 muss sie trotzdem noch mal ran. Die Vereinbarungen in der Kurstadtregion sehen einen zweijährigen Wechsel an der Spitze des Kooperationsrates bis zur Bildung der Verbandsgemeinde vor.

Verbandsgemeindevertretung paritätisch festgelegt

Die erste Verbandsgemeindevertretung, die sich aus 28 gewählten Vertretern der jetzigen Stadtverordnetenversammlungen plus neuem Bürgermeister zusammensetzt, wählt auch den ersten neuen Verbandsgemeindebürgermeister. Die Sitze in der Verbandsgemeindevertretung seien nicht nach Einwohnerzahl, sondern paritätisch festgelegt worden, um allen Städten gleiches Mitspracherecht einzuräumen.

So darf Bad Liebenwerda acht, Falkenberg und Uebigau-Wahrenbrück je sieben und Mühlberg sechs Sitze belegen. Der erste Verbandsgemeindebürgermeister bleibt solange im Amt, bis dessen jetzige Amtszeit endet. Danach wählt das Volk neu.

Falkenbergs Stadtchef legt sich noch nicht fest

Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter (CDU), dessen Amtszeit im September 2020 endet, will sich um den ersten Chefsessel bewerben und sich „vorausgesetzt, ich bleibe gesund“, auch der ersten Wahl durch das Volk nach Ablauf seiner jetzigen Amtszeit stellen. „Wir haben so viel geschafft. Und es ist noch einiges zu tun“, sagt er.

Dennoch möchte er es nicht auf eine Kampfabstimmung mit Herold Quick (parteilos) aus Falkenberg ankommen lassen. „Wir werden uns beide vorher in die Augen schauen“, meint er. Falkenbergs Stadtchef legt sich noch nicht fest. „Ich habe Ambitionen, mich aber noch nicht endgültig entschieden.“ Am Ende werde sein Gesundheitszustand den Ausschlag geben, sagt er. Herold Quicks dritte Amtszeit (acht Jahre) hat im Januar 2018 begonnen.

     Sie haben seit 2013 für die Bildung der Verbandsgemeinde gemeinsam gekämpft. Andreas Claus (l.) geht im August als einer von vier jetzigen Bürgermeistern von Bord. Thomas Richter, Hannelore Brendel und Herold Quick wollen auch in der neuen Verbandsgemeinde Liebenwerda in Führungspositionen bleiben.
Sie haben seit 2013 für die Bildung der Verbandsgemeinde gemeinsam gekämpft. Andreas Claus (l.) geht im August als einer von vier jetzigen Bürgermeistern von Bord. Thomas Richter, Hannelore Brendel und Herold Quick wollen auch in der neuen Verbandsgemeinde Liebenwerda in Führungspositionen bleiben. FOTO: Rico Meißner