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| 20:26 Uhr

Unwetter fegte über den Süden von Elbe-Elster
Prösener vermuten einen „Baby-Tornado“

Prösen/Elsterwerda . Das Unwetter am Mittwochnachmittag hat in der Röderlandgemeinde Schäden angerichtet. Regenflut in Elsterwerda.

Von Andreas Richter und Manfred Feller

Während sich der Norden des Elbe-Elster-Kreises am Mittwochnachmittag weiterhin sonnte, ging in Teilen des Süden zeitweise die Welt unter. Stürmische Winde, Starkregen und Hagel fegten über das Land. Schnell standen die ersten Straßen unter Wasser, wie die Schillerstraße und die Unterführung am Bahnhof in Elsterwerda.

In Prösen staunte Thomas Richter am Mittwochabend. Nachbars Trampolin war über die Straße in seinen Garten „geflogen“.
In Prösen staunte Thomas Richter am Mittwochabend. Nachbars Trampolin war über die Straße in seinen Garten „geflogen“. FOTO: Andreas Richter

Doch über Prösen, aus Sachsen kommend, schien sich etwas noch Böseres zusammenzubrauen. Augenzeugen berichten, dass die bedrohliche Wolkenformation aussah, wie mindestens ein sich bildender Tornado. Der Prösener Steffen Richter beobachtete, wie sich in einiger Entfernung zum Dorf über einem Feld „eine schwarze Wand mit kleinen Wirbeln aufbaute, die von Blitz und Donner begleitet wurde“. Angesichts dieser Unwetterkulisse habe er sich sofort in Sicherheit gebracht.

Ein anderer Einwohner, Thomas Richter, wollte nach dem Unwetter seinen Augen nicht trauen. Das Trampolin vom Nachbarn war über die Straße etwa 50 Meter weit durch die Luft gewirbelt worden und auf seinem Anwesen gelandet. Ansonsten hätten sich die Schäden in Grenzen gehalten.

Auch auf dem Anwesen von Klaus Neuperti in Prösen hatte der Sturm gewütet und Bäume teils stark beschädigt.
Auch auf dem Anwesen von Klaus Neuperti in Prösen hatte der Sturm gewütet und Bäume teils stark beschädigt. FOTO: Andreas Richter

Anders bei Klaus Neuperti in Prösen. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, steckt ihm der Schreck am späten Mittwochabend noch in den Gliedern. Weil der Sturm aus Richtung Westen kam, blieben auf der entgegengesetzten Seite des Hauses Fenster angekippt, denn es war ja zuvor unerträglich heiß. „Die Hagelkörner wurden durch die halb geöffneten Fenster bis in die Küche geschleudert“, so der Rentner. In seinem Garten wurden Bäume teilentwurzelt oder waren gebrochen. Der Terrassentisch ist während des Unwetters über das Nebengebäude geflogen, nach etwa 100 Metern auf ein Nachbargrundstück gefallen und geborsten.

Auf diesem Foto, aufgenommen am frühen Mittwochabend, sieht es so aus, als wenn sich mehrere Tornados nebeneinander bilden wollen. Es waren laut Deutschem Wetterdienst „nur“ Gewitterfallböen ohne Verwirbelungen, jedoch mit starkem Wind, Regen und Hagel.
Auf diesem Foto, aufgenommen am frühen Mittwochabend, sieht es so aus, als wenn sich mehrere Tornados nebeneinander bilden wollen. Es waren laut Deutschem Wetterdienst „nur“ Gewitterfallböen ohne Verwirbelungen, jedoch mit starkem Wind, Regen und Hagel. FOTO: Andreas Richter

Der Sturm soll in Prösen hauptsächlich durch die Großenhainer Straße gefegt sein.

Was war dieses Wettphänomen nun wirklich? So eine Art Baby-Tornado? Oder doch nur etwas stärkerer Wind? Andreas Friedrich, Tornadofachmann beim Deutschen Wetterdienst, hat nach dem Ansehen der Bilder eine Erklärung. Demnach treten derartige Wetterextreme, Gewitterfallbö genannt, plötzlich auf. In Deutschland würden sie jährlich bis zu 100-mal registriert. In Prösen handelte es sich wahrscheinlich um eine solche Erscheinung. Die Auswirkungen seien ähnlich dem eines Tornados. Es entstünden aber keine Verwirbelungen. In Verbindung mit Regen und Hagel werde der durch unterschiedlich geartete Luftschichten hervorgerufene Abwind auf mehr als 200 km/h beschleunigt. Dieser richtet dann am Boden - wie in Prösen geschehen - unter Umständen lokal begrenzte, aber manchmal verheerende Schäden an.

Die Leitstelle Lausitz musste wegen des Unwetters am Mittwoch zwischen 17.17 und 19.45 Uhr einige Feuerwehren alarmieren. Auf der B 101 zwischen Elsterwerda und Prösen war ein Ast auf die Straße gefallen und in Prösen ein Baum in eine Oberleitung. Ein umgestürzter Baum lag auch im Kiefernweg in Biehla. Wieder einmal stand die Unterführung am Bahnhof in Elsterwerda unter Wasser. Nach 18 Uhr stürzte ein Baum auf die Bundesstraße 169 zwischen Plessa und Kahla, ebenso im Bereich Mittelhäuser in Hohenleipisch und in der Fichtestraße in Elsterwerda. In der Burgstraße der Stadt hatte das herausschießende Wasser einen Gullydeckel herausgehoben. Dieser verkantete und bildete eine Gefahr für Fahrzeuge.

Bei Döllingen krachte ein halber Obstbaum auf die Straße.
Bei Döllingen krachte ein halber Obstbaum auf die Straße. FOTO: Veit Rösler

Veit Rösler aus Hohenleipisch teilt mit, dass es in dem Ort viele kleine Schäden bis hin zu herabgefallenen Dachziegeln gegeben hat. Einen Holzhaufen fand Gastwirt Heinz Krausch vor seinem Haus. Der Sturm hatte von einem Baum etwa 20 große Äste gebrochen.