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Unverändert: Nächste Abfahrt – Getreidefeld!

Dunkle Gewitterwolken und starker Wind ziehrn am 25.06.2016 über die Landschaft an einem Windenergiepark und Getreidefeld nahe Sieversdorf (Brandenburg). Foto: Patrick Pleul/dpa (ACHTUNG: Aufnahme mit langer Belichtungszeit) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Dunkle Gewitterwolken und starker Wind ziehrn am 25.06.2016 über die Landschaft an einem Windenergiepark und Getreidefeld nahe Sieversdorf (Brandenburg). Foto: Patrick Pleul/dpa (ACHTUNG: Aufnahme mit langer Belichtungszeit) +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
Elsterwerda/Riesa. Die Sachsen kommen beim seit Jahren geforderten Ausbau der B 169 von Riesa (Landkreis Meißen) in Richtung Döbeln nicht voran. Und das, obwohl die Piste wieder im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans, der im Dezember beschlossen werden soll, eingeordnet ist. Jetzt bekommen sie erneut Rückendeckung aus Elbe-Elster. Frank Claus

Zugegeben, ganz stimmt die Überschrift aus dem Juni 2014 jetzt nicht mehr: Die ausgebaute B 169 bei Seerhausen in Sachsen endet nicht im Getreidefeld, sondern angesichts der Jahreszeit auf dem Acker. Aber die Kernaussage stimmt: Die B 169 schlängelt sich hinter Seerhausen noch immer durch kurvenreiche Orte bis zur A 14 bei Döbeln. Bis zur A-4-Auffahrt Hainichen ist sie dann teilweise schon komfortabler ausgebaut. Die Sachsen machen mit einer neuen Aktion, bei der 1500 Karten verschickt werden sollen, jetzt wieder Druck. In der Sächsischen Zeitung (SZ) begründet

Kurt Hähnichen vom Wirtschaftsforum Riesa: "Wir wollen den Politikern zeigen, dass wir nicht locker lassen!" Und deshalb stehen nun nicht nur Staatssekretäre als Adressaten auf den blauen Karten, die "Gebt endlich Gas!" für den Weiterbau der B 169 und den Bau der Ortsumfahrung Strehla fordern. Auch die regionalen Bundestagsabgeordneten Thomas de Maiziere (CDU) und Susann Rüthrich (SPD) sollen Post aus Riesa bekommen, Ministerpräsident Tillich (CDU) und Kanzlerin Merkel (CDU) sowieso.

Riesas Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) gibt in der SZ auch seinen Parteifreunden in Berlin eine Botschaft mit auf den Weg. "Derzeit entsteht der Eindruck, dass man auf Bundesebene unbürokratisch Probleme löst, ohne dass man dabei Rücksicht auf Kosten nimmt." Beim lange versprochenen Bau der B 169 gehe es längst darum, ob man noch Vertrauen in die Politik haben könne - oder ob die Politikverdrossenheit weiter wächst.

Bei Matthias Mückel vom Wirtschaftsforum ist sie jedenfalls ein ganzes Stück gediehen. "Das ist mittlerweile eine unendliche Geschichte. Die Wahl 2017 ist schon die dritte Bundestagswahl, bei der wir für die B 169 kämpfen. Es ist schon fünf nach zwölf, um das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen."

Rückendeckung aus Elbe-Elster bekommen die Sachsen auf jeden Fall. Weil die Brandenburger gleiche Sorgen haben: Auch um den geplanten Ausbau der B 169 zwischen der Autobahnauffahrt Ruhland und Elsterwerda kämpft die Region seit vielen Jahren.

Elsterwerdas Bürgermeister Dieter Herrchen (parteilos): "Wir ringen seit mehr als 20 Jahren im Verbund mit den Anrainerkommunen und den Unternehmen um die Umsetzung des Bundesverkehrswegeplanes und den Ausbau der B 169. Wenn wir von der Anbindung der B 169 an Autobahnen sprechen, dann ist Ruhland in gleichem Atemzug zu nennen wie Döbeln und Hainichen. Das ist die Trasse auf der der Straßen-Güterverkehr vorrangig bewegt wird. Die B 169 ist ein brandenburgisch-sächsisches Gemeinschaftsvorhaben. Deshalb erfährt jede diesbezügliche und zielorientierte Bestrebung die vollste Unterstützung der Stadt Elsterwerda."

Gerd Widule, Geschäftsführer der Reiss Büromöbel GmbH in Bad Liebenwerda sagt: "Der Ausbau ist für uns enorm wichtig. 110 bis 120 Lkw verlassen wöchentlich unseren Betrieb, wir verladen 2000 Kubikmeter Möbel pro Woche. Die Logistikkosten, dazu gehört auch die Zeit, die die Lkw auf der Straße liegen, schlagen 1:1 auf das Betriebsergebnis durch." Der Büromöbelchef sieht noch einen anderen Aspekt: "Schnelle Verbindungen sind wichtig, um gute Fach- und Führungskräfte an uns zu binden. Wir haben gerade wieder einen geeigneten Kandidaten aus Chemnitz. Der zögert, weil er die Fahrtzeit nach Bad Liebenwerda sieht."

Uwe Bucken, Werkleiter der ODW Frischprodukte GmbH in Elsterwerda: "Der Ausbau der B 169/B 101 ist für uns seit der Übernahme im Jahr 2010 ein permanentes Thema. Die verkehrstechnische Anbindung ist und bleibt auch in der Zukunft ein entscheidender Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg unseres Unternehmens. Die Entfernungen zu den nächstgelegenen Autobahnen etwa 30 Kilometer in Richtung Norden (Ruhland) und etwa 60 Kilometer in Richtung Süden (Döbeln) lassen ein zügiges Erreichen der Autobahnen nicht zu, und stellen eine erhebliche Beeinträchtigung unseres Güterverkehrs dar."

Hartmut Keil, Cheflogistiker der Mineralquellen GmbH Bad Liebenwerda: "Der Ausbau der B 169, an der viele unserer Stammkunden liegen, ist sehr wichtig, da wir etwa 30 Prozent unseres Absatzes in Sachsen erzielen."