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Unsere Misere wird kaum verändert

Zu den Beiträgen "Japaner auf dem Weg zum Fleischergesellen" (LR vom 2. August) und "Der Schulstart in Sachsen wird holprig" (LR vom 4. August): Horst Paulick, Elsterwerda

Ein Japaner will, nach erfolgreichem Studium, noch den Fleischerberuf erlernen. Sogar bei uns. Eine Sache, die mit viel Aufwand und sichtbarem Stolz bei uns zelebriert wird. Warum eigentlich? Und wenn schon, dann eher zu Ehren des Japaners, weniger für unsere Ämter, Behörden oder Betriebe. Unsere Misere, die der Bundesrepublik, wird dadurch kaum verändert bzw. beseitigt. Die Vielzahl bei uns nicht besetzter Lehrstellen, die Anzahl junger Leute, die ohne Nachweis erfolgreicher Schulbildung durchs Leben zu schreiten hat - die werden kaum geringer werden in Zukunft.

Was also sollen solche Schau-Nummern bezwecken? Was wir brauchen, sehr dringend sogar mittlerweile, ist eine vernünftige Schul- und Ausbildungspolitik. Dafür müssen auch vorrangig Gelder zur Verfügung stehen, müssen auch genügend ausgebildete Lehrer, verantwortungsbewusste Eltern sowie geordnete Bedingungen vorhanden sein.

Dass dem nicht so ist, bezeugte der Bericht über den Schuljahresbeginn in Sachsen. Zwar konnten fast alle geforderten Lehrerstellen besetzt werden. Aber erneut mit einem Großteil Nichtausgebildeter dafür, wobei, da fasst man sich schon an den Kopf, deren Anteil gar von 48 auf 52 Prozent gestiegen ist. Was soll, was kann denn dabei rauskommen? Übrigens, Anfang August das Schuljahr beginnen zu lassen, auch ein Ergebnis, besser Unding, moderner Pädagogik!

Vielleicht hätte man den Japaner, an dessen positiver Einstellung, wie bei fast allen aus Fernost, ich kaum Zweifel hege, für eine solche Position gewinnen können. Dazu aber noch viel mehr.