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| 16:43 Uhr

Güterschiff kollidiert mit Elbfähre Belgern
Knapp an der Katastrophe vorbei

Gierseilfähre mit Schubschiff kollidiert FOTO: LR / Frank Claus
Belgern. Auf der Elbe bei Belgern ist ein Güterschiff mit einer Fähre kollidiert. Offenbar hat der Kapitän des tschechischen Frachter drei Fehler auf einmal gemacht. Menschen, die den Fluß überqueren wollen, müssen nun ausweichen. Von Frank Claus

Knapp an der Katastrophe vorbei geschrammt: „Da wird dir ganz anders, wenn plötzlich ein drei Meter hoher Schiffsrumpf auf dich zukommt“, ist Fährmann Werner Ruben in Gedanken an den Vorfall immer noch fassungslos. Immerhin zwei Pkw, die Insassen und er selbst waren zum Zeitpunkt des Crashs auf der Fähre.

Was ist passiert? Ein tschechischer Schubleichter, wie die Güterschiffe genannt werden, ist am Sonntag gegen 10 Uhr mit der Elbefähre Belgern kollidiert. Die Fähre befand sich von der Tauschwitzer Seite auf der Überfahrt ans Elbufer Belgern, als der aus Richtung Torgau talabwärts fahrende Verband die Fähre im vorderen Bereich erwischte.

Die Fähre wurde durch den Aufprall seitlich weggeschoben. Zum Glück. Nicht auszudenken, wenn sich die Fähre nur Bruchteile von Sekunden später bereits in der Flussmitte befunden und der Leichter die Fähre frontal erwischt hätte.

„Das hätte uns unter Wasser gedrückt“, ist der Fährmann, viele Jahre als Schiffsführer beim Schifffahrtsamt in Dresden angestellt, überzeugt.

Fähre in Belgern nach Unfall außer Betrieb genommen

So blieben aber alle unverletzt. Der Schaden an der 30-Tonnen-Fähre, die der Stadt Belgern gehört und dessen Pächter seit Beginn des vergangenen Jahres Werner Ruben ist, scheint auf den ersten Blick nicht so groß. Das täuscht aber.

Massive Eindellungen am Schanzkleid, das ist die seitliche Schürze an der Auf- und Abfahrrampe, an der Pollerbank (die Poller dienen zum Festmachen der Fähre) und die defekte Hydraulikpumpe für die Rampe, aus der Öl auf das Fährdeck (nicht ins Wasser) lief, zeugen davon, welche Kräfte beim Aufprall gewirkt haben müssen.

Roland Siering, Leiter der Außenstelle des Schifffahrtsamtes Dresden in Torgau, sagt, dass die Fähre außer Betrieb genommen werden musste. Die Schiffsuntersuchungskommission sei zur Aufnahme des Schadens angefordert worden. Gut möglich, dass durch den Aufprall die Fährkonstruktion verzogen wurde.

Wasserschutzpolizei ermittelt nach Fährunfall bei Belgern

Wie ein Sprecher der Bereitschaftspolizei Leipzig, zuständig für die Elbe in diesem Abschnitt, erklärte, habe die Wasserschutzpolizei Riesa am Sonntag die Ermittlungen aufgenommen und dabei sowohl die Besatzung des tschechischen Verbandes als auch den Fährmann angehört. Zudem gebe ein auf Youtube veröffentlichtes Video vom Unfallhergang weitere Aufschlüsse.

Darauf ist gut zu vernehmen, dass der Steuermann des Schubschiffes erst nach dem Aufprall die Maschinen stoppte und die Rückwärtsbewegung einleitete. „Erst nach dem Aufprall stiegen schwarze Rauchwolken, die dieser Vorgang erzeugt, aus der Esse“, so der Fährmann.

Zur Unfallursache will sich die Polizei gegenwärtig nicht äußern, erklärte aber, dass es keine Erkenntnisse zum Genuss von Alkohol gebe. Der Schubverband TR 30 habe nach Aufnahme aller Daten seine Fahrt fortsetzen können.

Schubverband hat in Belgern vermutlich drei Fehler gemacht

Informationen des einstigen Fährbetreibers zufolge, der heute als Aushilfe in Spitzenzeiten zur Verfügung steht und der sofort mit dem Fährmann in Verbindung getreten ist, habe der tschechische Schubverband mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrere Fehler gemacht. Er habe sich demnach nicht ordnungsgemäß über Funk gemeldet, kein Schallsignal gegeben und sei bei der Kollision auch wesentlich zu schnell gewesen.

Eine Bestätigung für diese Schilderungen von offizieller Seite gibt es bislang nicht. Dass es weder eine Funkansprache noch ein Schallsignal gegeben habe, könnten, so der Fährmann, auch die Zeugen auf der Fähre bestätigen. Ansonsten sei er angehalten, sich nicht zu äußern.

Eike Petzold, Bürgermeisterin der Stadt Belgern-Schildau und Eignerin der Fähre, erklärte, dass der Unfall sich in der touristischen Hochzeit nun besonders auswirke. „Aber wichtig ist, es gibt keine Verletzten“, sagte sie. Die Fähre sei versichert. Nun warte man die Ergebnisse der Untersuchung ab.

Die Fähre werde vor allem von Rad-, Motorrad- und Autofahrern, aber auch von Lkw der Bauwirtschaft und aus dem Handwerk genutzt  – in der Zuckerrübenkampagne bislang auch von den Rüben-Lkw.

Die nächstmöglichen Elbquerungen sind die Brücke in Mühlberg 14 Kilometer südlich von Belgern oder die Torgauer Elbbrücke 23 Kilometer nördlich der Fährstelle.

Gierseilfähre mit Schubschiff kollidiert FOTO: LR / Frank Claus