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| 18:01 Uhr

Absatzeinbruch und hohe Kosten
Gärtnereien in Not

Marita Leske aus der Beutersitzer Gärtnerei: „Die Gewächshäuser sind noch voll mit Stiefmütterchen und Primeln.“
Marita Leske aus der Beutersitzer Gärtnerei: „Die Gewächshäuser sind noch voll mit Stiefmütterchen und Primeln.“ FOTO: Frank Claus / LR
Elbe-Elster. Langanhaltende Kälte beschert Betrieben in Elbe-Elster Umsatzeinbrüche und hohe Kosten. Von Frank Claus

Hat denn diese Kälte gar kein Ende? Den Gartenbaubetrieben stehen die Haare zu Berge, wenn das Gespräch darauf kommt. Die seit Wochen andauernden tiefen Nachttemperaturen, wenig Sonne und der Umstand, dass die Quecksilbersäule auf dem Thermometer auch tagsüber an der Null-Grad-Marke verharrt, führt zu enormen Umsatzeinbrüchen und hohen Kosten. Die Gewächshäuser stehen voll mit Primeln, Hornveilchen und Stiefmütterchen. Damit nicht genug. Gleichzeitig nehmen die Heizungen einen tiefen Schluck aus den Tanks.

Stephan Golda von der gleichnamigen Gärtnerei in Rehfeld gibt zu, dass diese Situation an die Substanz geht. 3000 Liter Heizöl verbraucht er jetzt pro Woche, um die Kulturen zu erhalten. Und über den Ladentisch geht kaum was. Wenn nicht endlich ein Wetterumschwung kommt, könnte die Frühblühersaison zum Totalausfall werden. Das erinnere an das Jahr 2013, wo nahezu die gesamte Stiefmütterchenpracht auf dem Kompost landete. „Auf den Rabatten passiert nichts, Friedhöfe können nicht bepflanzt werden“, sagt er. Die Angst ist groß, dass die Kunden ganz auf den Frühlingsschmuck verzichten und gleich auf die Sommerbepflanzung warten. Für die Gärtnereien ein Riesenverlust. Denn mit den Einnahmen aus dem Frühjahr wird die vorkultivierte Sommerware gekauft.

Rüdiger Winde in der Schönborner Gärtnerei geht es ganz genauso. Mehr als 2000 Liter Heizöl verbraucht auch er jetzt pro Woche. Der schleppende Abverkauf ist nur die eine Seite. „Wir brauchen eigentlich schon längst den Platz, den immer noch Primeln und Co einnehmen, um die Sommerware für Beet und Balkon heranzuziehen.“ Selbst Gewächshausware, wie Gurken und Tomaten, gehen schlecht. „Mich haben schon mehrere Kunden angerufen und gebeten, ihre Ware noch bei uns stehen zu lassen, um im heimischen Gewächshaus nicht zu viel Energiekosten zu haben. Das machen wir natürlich, aber die Einnahmen fehlen eben“, sagt er. Die Gartenbaubetriebe könnten die Anlieferung der Sommerware nicht verschieben. „Da gibt es Verträge. Die Aufzuchtbetriebe wollen ihre Ware auch loswerden, um Platz für die neuen Kulturen zu haben.“

Auch Ilona Hippert in der Mühlberger Klostergärtnerei und Marita Leske aus dem Beutersitzer Gartenbaubetrieb können das gleiche Lied singen. Dabei wollen sie alle nicht jammern. „Aber dass ihr aufzeigt, wie schwierig die Situation für uns kleine Gartenbaubetriebe ist, finden wir gut“, sagt Baumschulchefin Anke Schenk aus der Saathainer Mühle. Schon bald würden wohl auch die Baumärkte und Discounter die Frühblüher zu Schnäppchenpreisen anbieten. „Unsere Hoffnung ist, dass die Kunden auf unsere Qualitätsware setzen“, sagt Anke Schenk. Auch Baumschulen hätten mit der jetzigen Situation zu kämpfen. „Ich stehe voll mit Ware, kaum einer kauft“, berichtet sie. Hängekätzchenweiden, diesmal sogar rote, Tuja in allen Größen, Mandelbäumchen – in den Jahren zuvor waren die zu diesem Zeitpunkt fast ausverkauft.

Rüdiger Winde und seine Kollegen wollen den Kopf trotz der Ausnahmesituation nicht in den Sand stecken und zum ersten Mal am Dienstag nächster Woche, 27. März, zu einem langen Einkaufsabend bis 20 Uhr einladen. „Wir wollen ganz viel bepflanzte Schalen anbieten und würden uns freuen, wenn sich die Kunden zu Ostern doch noch den Frühling ins Haus holen.“ Sehr gefreut habe er sich über eine Aktion von Andreas Dommaschk, Direktor im Amt Elsterland. „Er hat von der schwierigen Lage bei uns Wind bekommen und in dieser Woche 500 Stiefmütterchen abgekauft, je 100, um die Gemeinden im Amt zu verschönern. Es wäre toll, wenn seinem Beispiel weitere Kommunen, Unternehmen oder Privatpersonen folgen würden.“