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Über Kroppen dreht sich ein Fisch

Kroppens neue Krone leuchtet übers weite Land. Foto: Steffen Rasche
Kroppens neue Krone leuchtet übers weite Land. Foto: Steffen Rasche FOTO: Steffen Rasche
Kroppen. Eine goldene Turmkugel blitzt seit Donnerstagnachmittag in der grellen Herbstsonne über Kroppen. In ihr steckt eine Zeitkapsel mit Dokumenten, die auf der Bekrönungsfeier unter reger Anteilnahme vieler Gäste befüllt wurde. Heidrun Seidel

Euro-Münzen, Lausitzer Rundschau, Kirchenzeitung, Gemeindebrief und ein Schriftstück des Kirchbauvereins Kroppen hat Günther Faustmann am gestrigen Donnerstagnachmittag unter den Augen zahlreicher Besucher in eine metallene Kapsel gesteckt.

Das alles soll der Nachwelt berichten, in welcher Zeit die Kroppener ihre zwischen 1717 und 1721 erbaute Kirche saniert haben. Dann steigt der Gemeindekirchenratsvositzende gemeinsam mit Christoph Müller von der Metalldrückerei Wurzen den Kirchturm hinauf.

Hier oben wartet die goldene Turmkugel, noch in Watte gepackt, auf die Kapsel. "Das Material ist so empfindlich, deshalb gehen wir so sorgsam damit um", erklärt Christoph Müller. Sein Unternehmen hat die Kugel restauriert und hauchdünn mit Gold - sechs Tausendstel Millimeter - beschichtet. Erst wenn sie die Zeitkapsel verschluckt hat, wird sie von der Schutzhaut befreit und kann an diesem milden Oktobernachmittag mit der goldenen Herbstsonne um die Wette blitzen. Ebenso die Wetterfahne. Die stellt einen Fisch dar. Das hat weniger mit den tags zuvor hoffnungsvoll eingesetzten munteren Junglachsen in der Kroppener Pulsnitz zu tun.

Der Fisch als Wetterfahne, so berichtet Pfarrer Reinhard Schiele aus Ruhland, der die noch immer vakante Kroppener Pfarrstelle betreut, ist neben Frauendorf einmalig in der Region. Aber er gehört durchaus zur christlichen Symbolik und ist ein verbreitetes Bildmotiv in der frühchristlichen Kunst. So soll er als unauffälliges Erkennungszeichen gedient haben, als es noch gefährlich war, sich zum Christentum zu bekennen. Die Kroppener - ob Christen oder nicht - jedenfalls bekennen sich zu ihrer Kirche. Seit 2004 tragen sie unermüdlich Cent für Cent zusammen, um nacheinander den in die Jahre gekommenen Barockbau aufpäppeln zu können. Dafür haben sie zunächst den Kirchbauverein gegründet und so Jahr für Jahr mit hochkarätigen Konzerten und Veranstaltungen, mit Kalendern und Büchern Geld für die Sanierungsarbeiten gesammelt, um die Eigenmittel aufzubringen, die nötig sind, wenn man Fördermittel haben will. Über das Programm der integrierten ländlichen Entwicklung (ILE) ist ihnen da kräftig geholfen worden. "Wieder ein Stück geschafft", freut sich an diesem Nachmittag deshalb auch Hans Dietzel, der den Kirchbauverein mitbegründet hat.

Wenn alles gut geht, soll im nächsten Jahr die Kirchensanierung abgeschlossen sein. Jetzt liegt erst einmal der vierte Bauabschnitt hinter den Kroppenern. Zuerst war vor sechs Jahren das Fundament, das auf verrottetem Eichenrost gestanden hatte, stabilisiert worden. Dann sind das Gebälk vom Schwamm befreit, das Dach gedeckt und die Decke hergerichtet worden. Inzwischen strahlt auch die Fassade in sanftem Gelb.

Nachdem nun auch der Turm in Ordnung ist, geht es im nächsten Jahr ans Innenschiff. 100 000 Euro werden dafür wohl noch einmal gebraucht, schätzt Hans Dietzel. Fritz Kolata freut sich an diesem Nachmittag besonders. Der 81-Jährige ist extra aus Kleinkmehlen nach Kroppen gekommen, um bei der Bekrönungsfeier des Kirchturms dabei sein zu können und gute alte Bekannte wiederzusehen. Schließlich war er bis 1993 Pfarrer im Ort, 35 Jahre lang. "Ich liebe diesen Ort", erzählt er. "Das war eine schöne Zeit."

Dann zieht er einen Zettel, einen Auszug aus einer Chronik, aus der Tasche, der davon berichtet, dass 1971 schon einmal die Turmkugel mit einer Hülse geöffnet worden ist. "Jetzt habe ich so ein seltenes Ereignis zum zweiten Mal erlebt", sagt er stolz.