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| 12:36 Uhr

Kunstausstellung nach Burnout
Über die Malerei zurück ins Leben

Künstler Peter Brückner präsentiert seine Werke im Kreismuseum Bad Liebenwerda. Im Hintergrund: Museumsmitarbeiter Matthias Arold.
Künstler Peter Brückner präsentiert seine Werke im Kreismuseum Bad Liebenwerda. Im Hintergrund: Museumsmitarbeiter Matthias Arold. FOTO: Veit Rösler
Dobra. Vor zwei Jahren ist für Peter Brückner die Welt zusammengebrochen. Nach dem Aufwachen konnte er plötzlich keine klaren Gedanken mehr fassen und auch das Augenlicht schien verloren zu sein. Heute weiß er: Der Schicksalsschlag offenbarte ihm eine völlig unbekannte Leidenschaft. Von Veit Rösler

„Zunächst haben die Ärzte an einen Herzinfarkt oder an einen Schlaganfall gedacht. Dann stellte sich heraus, es waren die Symptome von Burnout“, meint der 57-Jährige, der damals noch als Redakteur bei einer Wochenzeitung in Bad Liebenwerda tätig war.

Das Augenlicht stellte sich wieder ein, die Fähigkeit, die Lebensumstände zu bewältigen, war jedoch erst einmal verloren gegangen. Es folgten sechs Wochen Therapie in Heiligendamm, eine langwierige noch immer anhaltende medikamentöse Behandlung und die EU-Rente.

Bei der Therapie in Heiligendamm wurde von den Ärzten immer mal wieder die Rückkehr der Konzentrationsfähigkeit getestet, indem sich die Patienten mit kreativen Arbeiten beschäftigen sollen. „Dabei sind mir zufällig Pinsel und Farbe in die Hände gefallen“, erinnert sich Peter Brückner. „Mit Ausnahme des Zaunstreichens hatte ich vorher noch nie mit Pinsel und Farbe zu tun. Um so mehr habe ich mich bei der Rückkehr über die positive Resonanz meiner Familie auf die von der Kur mitgebrachten Bilder gewundert. Man glaubte nicht, dass die von mir sind“, so Brückner.

Damit hatte der angehende Hobby-Künstler eine ganz neue Seite an sich und seine eigene Kreativität entdeckt, die sich bald zu einer Leidenschaft entfalten sollte. Immer mehr Farbe, Pinsel und Staffeleien wurden angeschafft. Während früher maximal drei Pinsel im ganzen Haus zu finden waren, sind es heute über 300. Und die braucht Peter Brückner auch! „Die Arbeiten werden immer filigraner. Man lernt von Bild zu Bild immer mehr. Für jedes kleine Motiv benutze ich jetzt schon mit der Zunahme der Erfahrung einen darauf abgestimmten Pinsel“, beschreibt Peter Brückner seine seit etwa 18 Monaten anhaltende Leidenschaft.

Betrachter der Bilder wollen jetzt sogar schon bestimmte Baumarten auf den Acryl-Leinwand-Arbeiten erkennen. Dabei handelt es sich bei den ohne künstlerische Ausbildung und ohne Malschule entstandenen Arbeiten bisher immer um Fantasieprodukte. Landschaften mit Bergen, stille Waldseen, Bäche, Wasserfälle, alles aus dem Bildergedächtnis heraus gemalt und doch irgendwie realitätsnah. Betrachter fragen sich, wo sie die gemalte Szenerie schon einmal gesehen haben. Er wolle noch seinen eigenen Stil finden und keine Kopien anderer Künstler fertigen, meint der sich manchmal noch über sich selbst wundernde Peter Brückner.

Als spezielle Eigenart arbeitet Peter Brückner ausschließlich nachts. „Ich liebe die nächtliche Ruhe. Ich musste mein Leben vollkommen umstellen. Das Handy wurde abgeschafft und wenn die Konzentration nachlässt und ich keine Kraft mehr habe, kann ich jederzeit einfach aufhören“, beschreibt Peter Brückner seine Strategie, um wieder ins Leben zurück zu finden.

Als Museumsmitarbeiter Ralf Uschner mit geschultem Auge zufällig ein paar Bilder zu Gesicht bekam, wurde gleich ein Ausstellungstermin vereinbart. So sind ab sofort und bis zum 3. Juni etwa 50 originale „Brückner“ im Kreismuseum Bad Liebenwerda zu sehen. Die Vernissage zur Ausstellung findet am Sonntag, 22. April, um 15 Uhr statt. Mit der Ausstellung soll auch anderen betroffenen Menschen Mut gemacht werden, um unter Umständen, wenn es nicht mehr weiter geht, einen neuen Lebensweg einzuschlagen und die eigene Kreativität zu entdecken und zu entfalten.