| 02:44 Uhr

Tyroller macht Brennstoffhändler froh

Das erste Multifunktionsfahrzeug für Brennstoffhändler wird in diesen Tagen ausgeliefert.
Das erste Multifunktionsfahrzeug für Brennstoffhändler wird in diesen Tagen ausgeliefert. FOTO: Claus
Herzberg. Die Tüftler von der Elster haben wieder zugeschlagen: In der Tyroller Hydraulik Herzberg GmbH ist ein Multifunktionsfahrzeug für den Transport unterschiedlicher Brennstoffe ohne aufwendiges Umrüsten entwickelt worden. Herausgekommen ist ein Fahrzeugaufbau mit allen Raffinessen. Frank Claus

Am Anfang stand ein Fachgespräch auf der Messe Interpellets in Stuttgart. Ein Brennstoffhändler monierte, dass es endlich ein Fahrzeug geben müsste, mit dem zugleich Pellets sowie Holzhackschnitzel und bei Bedarf auch noch andere Brennstoffe wie abgepackte Briketts, Kaminholz oder Holzkohle transportiert werden können. Mario Schlegel, Konstrukteur bei Tyroller in Herzberg, spitzte die Ohren und sinnierte: "Das muss doch gehen."

Die Tyroller GmbH, als Spezialist für Sonderlösungen beim Fahrzeugaufbau bekannt, machte Nägel mit Köpfen, erarbeitete ein Konzept, setzte sich Ende 2013 mit der Hochschule Anhalt in Verbindung und startete ein Forschungsprojekt zur Umsetzung der Anforderung aus der Wirtschaft. Nach nur einem Jahr Entwicklungszeit vermeldet Tyroller-Geschäftsführer Manfred Kurde: "Wir haben die eierlegende Wollmilchsau."

Entstanden ist ein Fahrzeugaufbau für einen 26-Tonnen-Dreiachser-Lkw mit Laderampe. Die Raffinessen: Im Containeraufbau befinden sich zwei flexibel verschiebbare Kammern, die zugleich Pellets und Holzhackschnitzel oder anderweitige Brennstoffe aufnehmen können. Die losen Holz-Brennstoffe können über eine Entfernung zwischen 30 bis 60 Meter bis zum jeweiligen Lager weggeblasen werden. Zur Anwendung kommt eine pneumatische Schleuse, die entgegen oftmals verwendeter Druckbehälter eine weitaus geringere Wartung und Kontrolle nötig macht. Diese Schleuse unterliegt nicht den strengen Prüfkriterien einer technischen Überwachung. Zusätzliche Innenwände lassen sich schräg stellen, mittels Förderband wird dafür gesorgt, dass das gesamte Ladegut ohne zusätzliche Handarbeit entladen werden kann. Das Dach ist seitlich abklappbar, sodass das Fahrzeug wie ein Muldenkipper mittels Radlader beladen werden kann. Natürlich ist der Lkw mit geeichter Waage ausgestattet und kann dem Kunden exakt die gewünschte Menge liefern.

Ohne Wechsel des Aufbaus können somit mit einem Fahrzeug wesentlich mehr unterschiedliche Brennstoffe zugleich transportiert werden. Pellets kommen überwiegend im Privatbereich zum Einsatz, die rohen Holzhackschnitzel nutzen meist Industrie und Gewerbe. Mit dem Fahrzeug können nun auch mobile Heizungsanlagen auf Baustellen über eine größere Distanz problemlos beliefert werden. Eine Fahrt zum Baumarkt, um dort zum Beispiel abgepackte Briketts, Kaminholz oder Holzkohle zu liefern, kann der Brennstoffhändler nun gleich noch nutzen, um nebenbei den Pellets-Speicher in einem privaten Wohnhaus wieder aufzufüllen.

Die Leichtmetallbau-Konstruktion kann auf jedes Lkw-Fahrzeug-Chassis aufgebaut werden. Die Entwicklungskosten belaufen sich auf 150 000 Euro.

Zum Thema:
Die Tyroller Hydraulik Herzberg GmbH beschäftigt 40 Mitarbeiter und hat 2014 vier Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Geschäftsführer Manfred Kurde (68) hat die Leitung des Unternehmens bereits in die Hände seines Sohnes Silvio (41) übergeben. Der Seniorchef zieht sich Ende des Jahres zurück und will nur noch beratend zur Seite stehen. "Wir sind mit zwei Leitungsebenen mit entsprechenden Kompetenzen ausgestattet, gut aufgestellt."