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| 17:05 Uhr

Landwirtschaft hofft auf Rettung der Maisernte
Flehen erhört: Endlich Waaaaasser!

Da geht es den Landwirten wie den Gartenliebhabern. Der Regen stoppt das komplette Verdorren und wird, vorausgesetzt die Trockenperiode wird nicht mehr ganz so lang, einigen Kulturen noch mal einen Wachstumsschub geben. Wer konnte, hat in den vergangenen Tagen alle möglichen Behältnisse mit Regenwasser befüllt.
Da geht es den Landwirten wie den Gartenliebhabern. Der Regen stoppt das komplette Verdorren und wird, vorausgesetzt die Trockenperiode wird nicht mehr ganz so lang, einigen Kulturen noch mal einen Wachstumsschub geben. Wer konnte, hat in den vergangenen Tagen alle möglichen Behältnisse mit Regenwasser befüllt. FOTO: lr / Frank Claus
Elbe-Elster-Kreis. Endlich Regen – und wenigstens ein bisschen Aufatmen in der Landwirtschaft. Während die Getreideverluste nicht mehr zu kompensieren sind, könnte das Nass den Mais noch retten und dem Grünland einen Schub geben. Anderenfalls könnte das Futter knapp werden. Von Gabi Böttcher, Birgit Rudow und Frank Claus

„Auf Hilfen zu hoffen, bringt uns nicht weiter“, sagt Frank Neczkiewicz, Geschäftsführer der Landwirtschafts GmbH Finsterwalde. Der jetzt niedergegangene Regen hat natürlich auch bei ihm Glücksgefühle ausgelöst. „Doch was an Schaden zu verzeichnen ist, daran kann dieser Niederschlag nichts mehr ändern“, sagt der Landwirt. Er rechnet mit Einbußen zwischen 30 und 40 Prozent. Ein paar Kulturen – so den Kartoffeln, Rüben und dem Mais – käme er jedoch durchaus noch zu Gute. Und vor allem gebe es ein Futterproblem. „Der erste Schnitt ging noch einigermaßen, beim zweiten kam nicht mehr viel raus und jetzt ist alles braun. Wir müssen nach Alternativen suchen“, so Frank Neczkiewicz. Die sieht er im Anbau von Zwischenfrüchten wie Hafer und Weidelgras. „Damit wir im Herbst einen anständigen Schnitt machen können, um Futter zu haben. Schlimm wäre es, die Tierbestände reduzieren zu müssen, weil das Futter fehlt.“ Frank Neczkiewicz kann sich an eine so lange Dürre vom Frühjahr an nur noch im Jahr 2003 erinnern. „Wir haben ein Riesen-Wasserdefizit“, sagt er und ist nun erst einmal glücklich, dass der jetzt gefallene Niederschlag die Bodenbearbeitung ermöglicht. „Der Grubber geht wieder in den Boden.“ Zwei Drittel der Ernte ist bei den Finsterwalder Landwirten eingebracht, auf 450 Hektar sind noch Roggen, Weizen und Triticale zu ernten. 

Er habe sich über den Regen gefreut wie ein Kind zu Weihnachten, sagt Reinhard Claus, Chef der Agrar GmbH Jeßnigk. Bis 13 Uhr am Donnerstag hatte er 28 Liter gemessen. Der werde vor allem dem Mais, den Sonnenblumen und dem Grünschnitt helfen. „Uns fehlt der komplette zweite Schnitt“, sagt er. Durch die Trockenheit hat der Betrieb bei Gerste etwa 30 Prozent und bei Roggen und Triticale etwa 50 Prozent Verlust gemacht.

Bei der Fließgrund Agrarproduktion GmbH Schönewalde liegen die Verluste beim Getreide sogar zwischen 30 und 70 Prozent, so Geschäftsführerin Jutta Quoos. Auch beim Mais und den Sonnenblumen hatte sie schon große Bedenken. „Jetzt haben wir Hoffnung, dass der Mais noch vernünftige Kolben ausbildet“, sagt sie. 30 Liter Niederschlag sind im Raum Schönewalde bis zum Nachmittag am Donnerstag gefallen. „Das ist ein Segen. Im Vierteljahr davor waren es insgesamt höchstens 50 Liter“, so Jutta Quoos.

Aufatmen auch bei der Landwirtschaftlichen Vermögensverwaltungs- und Produktions GmbH Herzberg. Hier wurden bis zum Mittag etwas mehr als 20 Liter Regen gemessen. „Der Mais und das Grünland waren schon fast vertrocknet. Der erste Grünschnitt hat schon bloß zwei Drittel des normalen Ertrages gebracht“, sagt der Leiter Michael Leschke. Beim Getreide hat der Betrieb gegenüber 2016 und 2017 etwa 30 Prozent weniger Erträge eingefahren.

Krisensitzung war am Mittwoch bei der Mühlberger Mutterkuh GmbH. Die vertrockneten Wiesen haben dazu geführt, dass den 400 Mutterkühen jetzt schon Stroh und Heu zugefüttert werden musste. „Hätte es nicht endlich geregnet“, so schätzt Uve Gliemann, der Chef der Mühlberger Agrar GmbH ein, „hätten unsere Vorräte nicht gereicht, um unsere Tierbestände zu versorgen und die Biogasanlagen zu betreiben.“ Dem Mais und vor allem dem Grünland werde der Regen helfen, die Zuckerrüben stünden noch ganz ordentlich. Trotzdem werden jetzt noch mal Zwischenfrüchte ausgesät, um die Ertragsverluste (Raps minus 75 Prozent, Getreide minus 45 Prozent) kompensieren zu können.

Auch Kerstin Hennig von der Plessaer Agrar GmbH glaubt, dass der Regen vor allem dem Mais helfen könnte. „Wenn der noch kein Fahnenblatt geschoben hat, könnten sich auch noch Kolben bilden.“

Auch Schäfer Matthias Möckel, der Flächen im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft mit 500 Tieren beweidet, atmet auf. „Das war höchste Eisenbahn. Alles ist knastertrocken. Die Tiere finden fast nichts mehr.“