„Das Leerstandsproblem teilt Senftenberg mit vielen anderen Innenstädten“ , erklärt Frank Weihmann, der sich im Rathaus speziell damit ausein andersetzt. „Auch in Weimar und Schwerin stehen - selbst in belebten Fußgängerzonen - große Häuser mit Verkaufsflächen von 15 000 Quadratmetern leer“ , weiß er. „Doch dafür, dass wir das Problem auch mit anderen teilen, können wir uns nichts kaufen“ , nimmt Weihmann die schwere Aufgabe in Senftenberg auch für sich mit an. „Wir müssen etwas tun und versuchen das“ , betont der Stadt-Wirtschaftsförderer.
Als Vorteil des hiesigen Kaufhauses ist die gute Lage mit Sichtachsen in alle in unmittelbarer Nähe befindliche Einkaufsstraßen zu nennen. Doch auch die moderne Gebäudestruktur, die sofort nutzbaren Verkaufsräume „zu sehr kulanten Mietbedingungen“ und der barrierefreie Zugang zu allen Etagen haben bisher keine geeigneten Nutzer angelockt. Die Nachteile, die ein aufgegebener Standort dieser Größenordnung hat, wirken offenbar abschreckend. Dazu kommt, dass die komplizierte Lage der Lieferzone wegen der angrenzenden Bebauung nicht verändert werden kann. „Für großflächigen Handel verfügen wir leider auch nicht über ausreichende Park-Kapazitäten“ , verweist Frank Weihmann auf die größten Hürden für die Nachnutzung.
Dennoch: „Wir haben erste Ideen entwickelt und wollen sie auch schnell umsetzen“ , erklärt er. Die „schwarzen Löcher“ sollen zuerst gestopft werden. Und das dekorativ. „Vereinbart ist, dass wir als Verwaltung federführend mit den Eigentümern von leeren Geschäften sprechen.“ In Zusammenarbeit mit der Neuen Bühne, den Vereinen, der Internationalen Bauausstellung „Fürst Pückler-Land“ und interessierten Unternehmen sollen die leeren Schaufenster zu Werbeflächen umfunktioniert werden. Das große Thema: Trau Dich! „Nachwuchsorientierte Dekorationen stellen wir uns vor“ , erklärt Frank Weihmann. Und das hat mehrere Gründe. „Das ist einerseits der direkte Hinweis auf einen Mangel in unserer Stadt, nämlich auf die immer weniger werdenden Kinder und fehlenden Angebote für den Nachwuchs. Aus dieser und anderen Lücken ist vielleicht was zu machen, wenn sich jemand traut.“ Das breite Kinder-Sortiment fehle in der Umgebung zweifellos im Einkaufs-Angebot. In einer Kleinstadt wie Senftenberg dreht sich das Geschäft wohl auch nicht wirtschaftlich, stimmt Weihmann den Bedenken zu. „Aber es gibt schon gute Kombinationen von Handel und Dienstleistungsangeboten“ , versucht der Wirtschaftsförderer, neuen Mut zu machen. „Die Idee, ein innerstädtisches Kinderspielzentrum einzurichten, ist in Neubrandenburg mit Erfolg umgesetzt worden.“ Im Kaufhaus böte sich da eine ganze Etage an.
Aber auch andere integrierte Konzepte halten Weihmann und seine Mitstreiter für denkbar und zukunftsträchtig, weil sie dem neuen Verkaufsmuster vom aktiven Handel absolut entsprechen. Ein Küchenstudio mit einem Buchhandel, der sich besonders auf Lektüre übers Kochen spezialisiert. Oder ökologische Produkte in Kombination mit Kunsthandwerk. Der Versuch, dieses Doppel in der Gartenstadt Marga zu etablieren, ist allerdings schon mal in die Hose gegangen. Das Erzeugerpotenzial in der Region könnte das Problem (gewesen) sein, schätzt Weihmann ein. Auch das leidige Kreisstadt-Thema Kino und interaktive Medien wären überdenkenswerte Ansätze, glaubt der Wirtschaftsförderer. Klubkinos gekoppelt mit CD- und Video-Shop hält er für denkbar.
„Wir sind als Stadt zu jeder möglichen Unterstützung bereit“ , betont Frank Weihmann. Die Ideen werden auf technische Machbarkeit vorgeprüft. Eine Markt- und Situations-Analyse für Senftenberg im Vergleich zu Städten derselben Größenordnung soll die Chancen nun konkret ausloten.

Zum Thema Pilotprojekt Innenstadt
  Senftenberg ist als Pilotstadt für ein Projekt zur Innenstadt-Entwicklung ausgewählt worden. Experten und Akteure aus der Kommune beschäftigen sich damit, die Einzelhandelsstruktur im Zentrum weiter zu stärken und noch bestehende Negativ-Faktoren zu beseitigen.
Ansprechpartner im Senftenberger Rathaus ist Frank Weihmann - Telefon: 03573 70 11 13