Lautstark hupend, mit eingeschalteter Rundumleuchte, mit voller Beleuchtung und mit einem grünen Kreuz vor dem Motorblock – so sind am Mittwochabend mehr als 20 Traktoren und Sattelschlepper zeitweise in Kolonne durch Elsterwerda gedonnert.

Ziel: Elstercenter

Stellenweise bebte die Erde. „Ist der Bauer tot, gibt es kein Brot“, über diesem Spruch war an einem der Traktoren ein Galgen mit einer daran baumelnden Puppe angebracht. Ziel der Aktion war das Elstercenter im Gewerbegebiet Ost, wo die Landwirte der Interessengemeinschaft „Land schafft Verbindung“ eine Flashmob-Sonderdemo veranstaltet haben.

Unmittelbar an der Bundesstraße wurde für eine halbe Stunde Präsenz gezeigt und gegen die gegenwärtigen Zustände im Land protestiert. Auch Autofahrer, Arbeiter mit Handwerkerfahrzeugen und junge Leute mit Mopeds kamen spontan zu der Aktion. Parallel zur Auffahrt ins Elstercenter wurden die Traktoren postiert.

Weihnachtskaufrausch nicht behindern

Vorher musste mit Polizei und örtlicher Security das Machbare ausgelotet werden, um keine Besucher im Weihnachtsrausch zu behindern. Ein an ungünstiger Stelle abgewürgter sperriger Traktor hätte in dem Einbahnstraßensystem in Sekunden ein Verkehrschaos ausgelöst.

„Aus Land schafft Verbindung ist mittlerweile mehr als nur ein Bauernprotest geworden. Hier kann sich jeder anschließen, der von der CO2- Steuer und von anderen Maßnahmen der zum Kassenfüllen propagierten Klimakrise betroffen ist. Das betrifft nicht nur uns Bauern, sondern den gesamten Mittelstand“, meint Landwirt Niklas Probst (21) aus Friedrichsluga.

Bundesweite Aktion

Die Landwirte waren bundesweit aufgerufen, sich um ihre Heimatorte regional mit Berufskollegen gut sichtbar an Bundesstraßen, stark befahrenen Kreuzungen und Autobahnen aufzustellen.

Damit wolle man zeitgleich Schulterschluss mit den Kollegen in Holland zeigen, zu denen am gleichen Tag allein 520 Fahrzeuge aus Deutschland aufgebrochen sind. „Schlepper mitbringen und Rundumleuchte an“, stand in der Einladung. Auch Handwerker, Fleischer, Bäcker, alle Angehörigen des Mittelstandes waren zur Weitergabe der Information und zur Teilnahme aufgerufen.

„Die Politik verschaukelt uns von vorn bis hinten! Da Deutschland bald CO2 neutral Stahl produzieren kann, wird begonnen, Strafzölle auf Stahlwaren aus China oder aus anderen Ländern zu verhängen! Die dummen Bauern allerdings müssen weiter mit Importen aus Übersee zurecht kommen und im Vorschriftenirrsinn versuchen, zu überleben. Ein internes Papier zur Düngeverordnung lässt jetzt verlauten, dass diese noch schneller und härter beschlossen werden soll. Aufbauend auf Messdaten, die an Brüssel gemeldet wurden. Daten, die nicht im Ansatz Hand und Fuß haben und den realistischen Werten entsprechen. Die zukünftigen Anwendungsvorgaben und Richtlinien entsprechen weder der guten fachlichen Praxis, noch sind diese unter realen Bedingungen überhaupt so ausführbar“, argumentiert Niklas Probst vor den Versammelten.

„Über unsere Köpfe hinweg“

„Die Politik entscheidet über unsere Köpfe, ohne die Standpunkte und Meinungen der qualifizierten Landwirte einzuholen. Wir werden zukünftig im eigenen Land viele Dinge nicht mehr produzieren können und wir müssen demzufolge Produkte aus dem Ausland importieren. Das kann auch nicht nachhaltig sein. Die Leidtragenden sind die Landwirte und Verbraucher. Wir wollen mit den Demos auch die Verbraucher informieren, was da an Aufwand und damit an Kosten auf sie zukommt. Wir Bauern müssen schon jetzt mit aufwendig aus der ganzen Welt importierten Lebensmitteln leben, die hier den Markt überfluten“, meint Landwirt Andy Gliemann (29) aus Zinsdorf.

Der angehende Meister der Agrargenossenschaft Mühlberg lässt durchblicken, dass spätestens zur Grünen Woche in Berlin weitere Aktionen zu erwarten sind. Ob die Bauern so lange durchhalten?

Erst eine Woche vorher hatte es ein Mahnfeuer an der B101 zwischen Maasdorf und Bad Liebenwerda gegeben.

Diesmal nahmen zeitgleich in Finsterwalde 50 und in Herzberg zehn Traktoren an dem Flashmob teil. „Die Bauern halten zusammen“, heißt es bei Andy Gliemann weiter. Und: „Die gelben Westen sind immer dabei.“