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| 19:48 Uhr

Jubiläum in Theisa
Theisas Traditionsverein ist flotte 20

Ein bisschen Spaß muss sein, hat sich der Traditionsverein Theisa gesagt und ganz originell Geburtstag gefeiert.
Ein bisschen Spaß muss sein, hat sich der Traditionsverein Theisa gesagt und ganz originell Geburtstag gefeiert. FOTO: Veit Rösler
Theisa. Und feiert den Geburtstag mit einer heiteren Nachtwäsche-Modenschau und einer Party. Von Veit Rösler

 „Zu DDR-Zeiten ist vieles verloren gegangen. Wir wollten bestimmte Dinge wieder aufleben lassen. Die Menschen waren regelrecht ausgehungert nach den alten Gepflogenheiten und alle haben begeistert mitgemacht“, erinnert sich die Hauptinitiatorin von vor 20 Jahren, Sabine Töpfer-Schwab. Am Wochenende hat der Theisaer Traditionsverein sein 20. Jubiläum gefeiert. Historisch anschaulich wurde als kleines, nicht ganz ernst gemeintes Beispiel der Hobby-Geschichtsforscher in einer Dessous- und Nachtwäsche-Modenschau im Wandel der Zeiten die Entwicklung der Unterwäsche und Nachtmode der vergangenen 70 Jahre unter die Lupe genommen.

Dabei stolzierten insgesamt zwölf Models unter der lockeren Moderation von Sabine Töpfer-Schwab keusch, schüchtern und als Unschuld vom Lande über den Laufsteg. Mit zunehmender Kniefreiheit wurden Dessous, aufgestickte Blümchen, Nachtlatschen und Liebestöter präsentiert.

Leinenunterröcke in feinster Optik, von amerikanischen Soldaten eingeschleppte, in West und Ost kopierte französische Mode wurde ebenso gezeigt, wie Stützstrümpfe und rassige schwarze Beinkleider mit erotischer Naht und Strumpfhalter. „Bei den geschichtlichen Nachforschungen zu der Modenschau haben wir gemerkt, wie viel Arbeit früher in die Unterwäsche gesteckt wurde. Das Projekt hat riesigen Spaß gemacht“, meinte Sabine Töpfer-Schwab.

Ähnlich viel Spaß haben vor 20 Jahren den Theisaern die Nachforschungen zu den alten Traditionen ihres Heimatortes gemacht. Dazu wurden Rentner eingeladen und ausgefragt. Schrittweise hat man so in Theisa das Zampern und die Fastnacht wieder eingeführt. Nun gab es bald auch das Osterfeuer und das Osterbasteln wieder und die Dorfschönheiten schickten sich in der Frühe in der Osternacht an, das Osterwasser zu holen. Dann folgten das Erntedankfest, der Hexenball und das Adventsbasteln. Schrittweise wurde der Glockenturm gebaut. Um an Geld zu kommen, stellten die Theisaer sogar einen Zunftbaum auf. In Vorbereitung auf die 800-Jahrfeier im Jahr 2002 wälzten die Mitglieder des Traditionsvereins zusammen mit Historikern alte Urkunden und Chroniken. Die Ortsgründung soll möglicherweise sogar auf eine gefälschte Urkunde der Zisterzienser aus dem Jahre 1202 beruhen. Die Mönche sollen den Ort allerdings zeitnah wieder aufgegeben haben, weshalb Theisa keine Kirche hat.

„Als am 20. März 1998 19 Mitglieder den Traditionsverein gründeten, war nicht abzusehen, wie intensiv dieser Verein sich für die Erhaltung und Wiederbelebung alter Traditionen im Ort einsetzen wird“, meint die heutige Vorsitzende Bianka Böhm. Jüngstes Projekt ist die Gründung eines „Fördervereins Gutshaus“, mit dem das alte und desolate Rittergutsgebäude zu neuem Leben erweckt werden soll.