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| 12:47 Uhr

Bad Liebenwerda
Toten Radler einfach übersehen? Polizei sucht weiter nach Lkw

Verkehrsunfall am Donnerstag, 14.12.17 in der Dresdener Straße in Bad Liebenwerda.
Verkehrsunfall am Donnerstag, 14.12.17 in der Dresdener Straße in Bad Liebenwerda. FOTO: Manfred Feller / LR
Bad Liebenwerda/Cottbus. Er hat einen Radler getötet und ist einfach weitergefahren. Auch zwei Tage nach einem tödlichen Unfall in Bad Liebenwerda sucht die Polizei weiter nach dem beteiligten Lkw-Fahrer. Hat er den Unfall überhaupt mitbekommen? Von Bodo Baumert

Nein, bei der Polizei hat sich der Fahrer des gesuchten Lkw mit rotem Aufbau bisher nicht gemeldet. Das bestätigt das Revier in Elsterwerda am Samstag auf Nachfrage. Die Suche geht also weiter. In Bad Liebenwerda hat der Lkw am Donnerstagmorgen gegen 9 Uhr einen Radfahrer überholt. Beim Einscheren touchierte er den 64-jährigen Radler mit dem Hinterreifen, sodass dieser stürzte. Der Radler blieb schwer verletzt liegen, der Lkw fuhr weiter. Eintreffende Rettungskräfte versorgten den 64-Jährigen. Mit schweren Verletzungen wurde er ins Krankenhaus gebracht, wo er trotz intensivmedizinischer Versorgung verstarb.

Seitdem läuft die Suche nach Zeugen und dem Lkw. Zeugen, die den Verkehrsunfall beobachtet haben oder Hinweise zu dem in den Unfall verwickelten LKW geben können, werden gebeten, sich an die Polizei in Finsterwalde unter der Telefonnummer 03531 7810 oder an das Polizeirevier Elsterwerda unter 03533 6050 zu wenden.

Die Dekra untersucht den Hergang und prüft, ob der Fahrer den Unfall überhaupt bemerkt haben kann. Der Sachverständige Marcel Bogen meinte am Freitag gegenüber der LR: „Wir sollten noch vorsichtig bei der Schilderung des Unfallhergangs sein. Wir werten unsere Erkenntnisse gerade aus.“

Ungewöhnlich sind solche Unfälle leider nicht. „Die Unfälle sind vergleichsweise selten, aber sehr schwer: Man möchte sie eigentlich nicht sehen“, sagt Benjamin Schreck, Experte für das Thema bei der Bundesanstalt für Straßenwesen. Es geht um Lkw, die beim Rechtsabbiegen oder Einscheren Radfahrer übersehen. 2016 haben sich 3251 Radler bei der Kollision mit einem Lastwagen verletzt - 77 von ihnen haben den Unfall nicht überlebt. „Häufig kommt es zu dem Unfall in der immer gleichen Situation“, sagt Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer (UdV). In etwa jedem zweiten Fall gerate der Radfahrer unter den Lkw, wenn dieser rechts abbiegt.

Auch in Cottbus hat es in diesem Jahr einen ähnlichen Fall gegeben. An der Kreuzung Karl-Liebknecht-Straße/Ecke Waisenstraße hatte ein Lkw-Fajrer beim Abbiegen eine 29-jährige Radfahrerin übersehen. Auch dieser Unfall endete tödlich.

Kreuzung Karl-Liebknecht-Straße/Ecke Pappelallee in Cottbus: Eine junge Frau wird mit ihrem Fahrrad von einem abbiegenden Lkw erfasst und erliegt noch um Unfallort ihren Verletzungen.
Kreuzung Karl-Liebknecht-Straße/Ecke Pappelallee in Cottbus: Eine junge Frau wird mit ihrem Fahrrad von einem abbiegenden Lkw erfasst und erliegt noch um Unfallort ihren Verletzungen. FOTO: Michael Helbig

Experte Schreck rät Radfahrern, im Zweifel immer davon auszugehen, dass der Lastwagenfahrer einen nicht sieht. Trotz der vielen Spiegel am Lastwagen gebe es nach wie vor tote Winkel, zudem könne der Fahrer auch nicht in alle Spiegel gleichzeitig schauen.

Die langjährige Forderung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) nach Assistenzsystemen für die Fahrer wird nur langsam erfüllt. Funktionstüchtige Lösungen seien noch relativ neu. Dabei warnt ein Computersystem den Fahrer, wenn er einen Fahrradfahrer übersieht. „Der Einbau der Assistenzsysteme geht jetzt in Deutschland erst los“, sagt Schreck. (mit dpa)