ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:37 Uhr

Tote erhalten ihre Namen zurück

Eine Finsterwalder Firma bereitet das Baufeld für die Namenstafelanlage auf dem Ehrenfriedhof Elsterwerda vor.
Eine Finsterwalder Firma bereitet das Baufeld für die Namenstafelanlage auf dem Ehrenfriedhof Elsterwerda vor. FOTO: Frank Claus
Elsterwerda. Noch im Mai vor zwei Jahren stand auf der Liste der Toten, die auf dem Ehrenfriedhof für die Opfer des Zweiten Weltkrieges in Elsterwerda bestattet sind, hinter 2053 Ziffern der Vermerk "Unbekannt". Die Toten, überwiegend Sowjetsoldaten, sind dort in 42 Einzel- und 72 Massengräbern bestattet. Frank Claus

Damals hatte Elsterwerdas Bürgermeister Dieter Herrchen anlässlich der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag des Kriegsendes im Beisein eines Vertreters der russischen Botschaft erklärt, dass sich die Stadt bemühe, den Toten ihre Identität wiederzugeben. Wie wichtig das ist, hatte Bernd-Jürgen Fritsch, der sich auch um die Pflege des Lagers Mühlberg und des Soldatenfriedhofes in Neuburxdorf verdient gemacht hat, damals so ausgedrückt: "Wir müssen bei der weiteren Ausgestaltung des Ehrenfriedhofes in Elsterwerda nun endlich nicht mehr vordergründig auf die denkmalpflegerische Seite hinsichtlich der Mauern und Gräber schauen, sondern die humanistische Seite hervorheben." Immer wieder bekomme er von Angehörigen zu hören: "Ich will erst sterben, wenn der Name meines Vaters auf einem Grabstein in Elsterwerda zu lesen ist."

Bürgermeister Dieter Herrchen, selbst mehrfach in der damaligen Sowjetunion dienstlich und privat unterwegs, erklärte darauf hin: "Es ist die empfindsame russische Seele, die ihren Verstorbenen Ehre erweisen möchte. Und das egal, wie weit entfernt von ihnen sie bestattet sind."

Mit Unterstützung der russischen Botschaft und vor allem der Kriegsgräberfürsorge des Landes Brandenburg und des Landkreises Elbe-Elster kann die Stadt nun umsetzen, was sich damals alle gewünscht haben. Bis zum Mai dieses Jahres entsteht ähnlich wie im Lager Mühlberg eine Namenstafelanlage. Inzwischen können nicht mehr nur die 721 ohnehin bekannten Namen darauf veröffentlicht werden. "Wir haben jetzt 2861 Namen und damit sogar noch einige mehr als vor zwei Jahren vermutet", erklärt Bauamtsleiter Uwe Schaefer. Die Zahl könne sich nach Angaben der Botschaft sogar noch erhöhen. Sie alle werden auf 16 Bronzetafeln, die auf Granitsteinblöcken befestigt werden, nun endlich aus der Anonymität geholt.

Zu Wochenbeginn haben die Bauarbeiten auf dem Ehrenfriedhof begonnen. Gegenwärtig realisieren Männer der Finsterwalder Firma LDF Landschaftsgestaltung den Bodenaushub. Die Elsterwerdaer Firma ddk wird die Fundamente für die Granitblöcke setzen. Die Bronzetafeln werden darauf speziell gesichert. Bis Mitte Mai soll die Anlage fertig sein und dann eingeweiht werden. Insgesamt haben die Kriegsgräberfürsorge des Landes und des Kreises 160 000 Euro für die Neugestaltung dieses Teils des Ehrenfriedhofes bereitgestellt.