Wie lange das Reh schon versucht hat, vom zugefrorenen Kiessee in Mühlberg herunterzukommen, ist nicht genau bekannt. Spaziergänger berichteten, es bereits am Freitag, 16. Dezember, dort gesehen zu haben.
Am Sonnabend, 17. Dezember, um 15.45 Uhr folgt dann nach einem neuerlichen Hinweis aus der Bevölkerung die Entscheidung der Feuerwehr-Kameraden aus Mühlberg: „Wir holen das Reh vom Eis“. Augenscheinlich hatte es mehrfach versucht, eine steile Böschung im sogenannten Werk IV der Elbekies GmbH, dort befindet sich der Industriehafen, hinaufzukommen. Erfolglos. Entkräftet harrte das Tier auf dem Eis aus.

Mit dem Schlauchboot über die Eisfläche

Schnell war klar, dass Mühlbergs Feuerwehr mit dem Motorboot nichts ausrichten kann. „Das ist ja kein Eisbrecher“, sagt Einsatzleiter Andy Selig. Deshalb wurde entschieden, Bad Liebenwerdas Feuerwehr zu alarmieren. Die Kameraden haben ein Schlauchboot in ihrem Gerätebestand. Ein Mann mit passendem Familiennamen – Andreas Frost vom Mühlberger Bauhof – stellte noch sein privates Schlauchboot zur Verfügung.
Erfolgreiche Rettung: Die Kameraden der Feuerwehr aus Mühlberg haben das Reh vom zugefrorenen Kiessee im Werk IV am Industriehafen gehievt
Erfolgreiche Rettung: Die Kameraden der Feuerwehr aus Mühlberg haben das Reh vom zugefrorenen Kiessee im Werk IV am Industriehafen gehievt
© Foto: Markus Wendt
„Operation Bambi“ konnte beginnen. Etwa 150 Meter vom Ufer entfernt befand sich das Tier. Stück für Stück schob sich die Bootsbesatzung auf der Eisfläche bis zum ausgewachsenen Reh vor. Einen Fluchtversuch unternahm es nicht mehr. Es war zu schwach, wehrte sich aber dennoch, als die Kameraden es griffen und ins Boot hieven wollten. „Man glaubt ja gar nicht, wie laut und durchdringend so ein Reh schreien kann“, erzählt der Einsatzleiter. Die Kameraden gingen sehr behutsam vor. „Wir wollten ja nicht, dass es einen Kreislaufzusammenbruch oder gar Herzanfall bekommt.“

Reh wurde von Helfern ans Ufer gehievt

Die Helfer hielten das Tier gut fest, während das Boot mittels Seilen wieder ans Ufer gezogen wurde. „Zwanzig Meter davor wäre es uns fast noch mal ausgebüxt“, berichtet Andy Selig. Das Tier wurde ans Ufer gehievt und bis zu einer angrenzenden Feldkante gebracht, wo es schnell das Weite suchte.
Ob es sich in sicherer Entfernung noch mal umdrehte, um seinen Helfern Danke zu sagen? Die Kameraden waren nach gut zwei Stunden jedenfalls glücklich, dem Tier geholfen zu haben.
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