| 15:30 Uhr

Elsterwerda
Thüringen ist seine neue Heimat

Die Dachsanierung der evangelischen Catharina-Kirche mitten in Elsterwerda, ein Millionenbau, ist das größte Sanierungsprojekt, das Pfarrer Kersten Spantig mit angeschoben und begleitet hat.
Die Dachsanierung der evangelischen Catharina-Kirche mitten in Elsterwerda, ein Millionenbau, ist das größte Sanierungsprojekt, das Pfarrer Kersten Spantig mit angeschoben und begleitet hat. FOTO: Manfred Feller / LR
Elsterwerda. Pfarrer Kersten Spantig verlässt Elsterwerda. Große Kirchensanierung auf den Weg gebracht.

Neue Menschen und neue Aufgaben sind Herausforderung und Bestimmung zugleich. Pfarrerinnen und Pfarrer hält es selten ein Gottesdienstleben lang am selben Ort. Auch der evangelische Pfarrer Kersten Spantig zieht weiter. Es geht nach Thüringen in die Nähe von Ilmenau. Dort lebt die Familie seiner Frau, und dort wartet ein Enkelkind.

Vor dem Umzug im Januar, weil es dann relativ arbeitsruhig ist, wird am Silvestertag ab 14 Uhr ein Verabschiedungsgottesdienst in der Kirche Elsterwerda-Biehla gehalten. Mit dabei ist der Posaunenchor Plessa/Hirschfeld. „Es wird feierlich sein“, verspricht der 52-Jährige.

Doch bis dahin ist noch jede Menge zu tun. Zum Beispiel die Krippenspiele für den Heiligen Abend in Gorden, Elsterwerda und Biehla vorbereiten. Nebenbei muss für den Umzug gepackt sowie im Pfarrhaus und drumherum klar Schiff gemacht werden.

Für Kersten Spantig, der aus Görlitz stammt, ist Thüringen kein unbekanntes Land. 17 Jahre war er Pfarrer nördlich von Gotha. Es war seine erste Stelle. Diese wurde gestrichen. Er suchte sich eine neue Gemeinde. Elsterwerda sei  die erste Wahl gewesen. „Wir kannten vorher Elbe-Elster nicht, hatten uns dann aber Elsterwerda angesehen. Es hat gepasst“, blickt er zurück. „Wir sind hier freundlich aufgenommen worden.“ Die Alternative wäre die Börde mit 25 Gemeinden gewesen.

Anfangs war die Gemeinde hier mit Elsterwerda und Biehla und zwei Kirchen überschaubar. Heute sind es acht Gemeinden mit Kahla, Plessa, Döllingen, Hohenleipisch, Dreska und Gorden. Das heißt in diesem Fall auch acht Kirchen mit mehr oder weniger großen Sorgen. „Der Zustand ist sehr unterschiedlich“, kennt der Pfarrer jedes Got- teshaus sehr gut.

Das Dach der Catharina-Kirche in Elsterwerda bereitete die größten Kopfschmerzen. „Wir haben viele Jahre um Fördermittel gekämpft und keine bekommen“, resümiert der Pfarrer. Die Kirchgemeinde und der Kirchenkreis mussten sich im Wesentlichen selbst helfen. Schließlich haben sie das Millionenprojekt gemeinsam auf den Weg gebracht. Das Ende der Bauzeit ist absehbar.

In Biehla läuft die Sanierung. Kahla und Plessa weisen einen guten Zustand auf. Es wurde investiert. In Hohenleipisch und Dreska erfolgte die laufende Instandhaltung. „Unser Sorgenkind ist die Kirche in Gorden. Sie hat starke Bauschäden“, bemerkt Kersten Spantig. Besonders betroffen seien das Holz im Dachbereich und der vernässte Fußboden.

Und die Kirche in Döllingen? Jahrelang herrschte ziemliche Stille in der Gemeinde. Nach dem RUNDSCHAU-Beitrag über den beabsichtigten Verkauf des Gotteshauses ist wieder Bewegung drin. Es gibt sowohl Kaufinteressenten bis aus Berlin als auch Wiederbelebungsversuche. Die öffentliche Aufmerksamkeit ist wieder da. Das erste Ziel scheint damit erreicht. Allerdings seien zumindest bis vor Kurzem keine Anrufe aus Döllingen im Pfarramt eingegangen.

Wenn der Pfarrer in wenigen Wochen geht, behält er Menschen in Erinnerung, die sehr offen und für Veränderungen aufgeschlossen sind, wie er sagt. Ebenso das Miteinander der Kollegen und der Ehrenamtlichen sowie das gute Verhältnis zu den katholischen Gemeinden. In Thüringen wird er wie hier für acht Gemeinden Verantwortung tragen.

Vermissen werde er angesichts der Berge vor der neuen Haustür die Touren mit seinem Hühnerschreck durch Elbe-Elster, auch wenn sich nicht alle Wege in einem guten Zustand befinden, den „sehr schönen Zeischaer Baggersee“ und natürlich das benachbarte Sachsenland mit der Elbe, Meißen und so weiter.

Kersten Spantig, kein Mann der großen Worte, geht mit einem unguten Gefühl. Der Pfarrbereich Elsterwerda zählt nur noch etwa 1900 Gläubige mit weiter sinkender Tendenz. Alle Bemühungen, wie der sehr gut aufgestellte Religionsunterricht am Gymnasium in Elsterwerda, konnten diesen Trend nicht aufhalten. In seiner neuen Wahlheimat erwarte er nichts Anderes.