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Politik
Thomas Richter unter Druck

Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter hat sich mit seinen Visionen nicht nur Freunde gemacht.
Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter hat sich mit seinen Visionen nicht nur Freunde gemacht. FOTO: vrs
Bad Liebenwerda. Die Äußerungen des Bad Liebenwerdaer Bürgermeisters zu Standortentscheidungen für künftige Rathäuser sorgen für Wirbel in der Kurstadtregion. Frank Claus

In der Kurstadtregion, besiegelt von den Städten Bad Liebenwerda, Falkenberg, Uebigau-Wahrenbrück und Mühlberg, brennt die Luft. Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter (CDU) hatte nach einer Sitzung der Hauptverwaltungsbeamten der vier oben genannten Städte die Abgeordneten in Bad Liebenwerda informiert, dass es angedacht sei, in Bad Liebenwerda und Falkenberg die künftigen Hauptorte der Verwaltung, also zwei Rathäuser, anzusiedeln. In den jetzigen Rathäusern in Mühlberg und Uebigau-Wahrenbrück, so berichtete er weiter, sollen leistungsfähige Bürgerämter aufgebaut werden.

Er hatte erklärt, dass Bad Liebenwerdas Rathaus für den Sitz des Bürgermeisters, Hauptamt und Kämmerei umgebaut und dazu das Rathaus für mindestens ein Jahr freigezogen werden müsse.

Im Inneren des Rathauses bestehe erheblicher Sanierungsbedarf. "Da müssen Sie sich nur die Treppenaufgänge angucken", meinte er zu den Kurstadt-Abgeordneten.

Dass Thomas Richter mit diesen Äußerungen vor der Sitzung des Kooperationsrates am 17. Oktober an die Öffentlichkeit gegangen ist, hat eine Welle ausgelöst. "Sie können sich nicht vorstellen, wie hier die Telefone nach dem RUNDSCHAU-Beitrag geklingelt haben", meint Falkenbergs Bürgermeister Herold Quick (parteilos), momentan Sprecher des Kooperationsrates. Einige hätten sogar gefragt, wozu die angesetzte Sitzung des Kooperationsrates überhaupt noch notwendig sei, wenn denn schon alles feststehe, berichtet der Falkenberger Stadtchef wenig amüsiert "über die Baustelle, die wir alle nicht gebraucht haben".

Ein kleiner Eindruck von den Äußerungen gefällig? "Das ist eine Diffamierung aller, die sich um die Kurstadtregion bemühen. Dieser Versuch von Verwaltungsdiktatur ist mit uns nicht zu machen", erklärt der Uebigauer CDU-Abgeordnete Thomas Lehmann gegenüber der LR. Ein "Freundeskreis des Kooperationsrates", wie er sagt, werde nun prüfen, wie man dagegen vorgehen wolle. Ein "Freundeskreis"? Auf die Frage, was das für ein Gremium sei, sagt Thomas Lehmann: "Ortsbürgermeister und Abgeordnete."

Herold Quick indes versucht die Lage zu beruhigen. "Es war sicher nicht gut, was Thomas Richter da gemacht hat. Er wird sich dazu am 17. Oktober auch äußern. Aber, im Grunde genommen hat er nur gesagt, was intern in verschiedenen Ebenen und Sitzungen doch schon diskutiert worden ist." Es wäre besser gewesen, am 17. - wenn in erweiterter Runde mit den Hauptausschüssen der vier Stadtverordnetenversammlungen getagt wird - erst einmal eine gemeinsame Position zu finden und vor allem einander zuzuhören, so Falkenbergs Stadtoberhaupt.

Den Willen zum Verwaltungszusammenschluss und das an den Tag gelegte Tempo sollten Herold Quick zufolge Thomas Richters vorschnelle Äußerungen nicht bremsen. "Vor allem in den Städten Uebigau-Wahrenbrück und Mühlberg dürfen wir nicht zulassen, dass sie sich möglicherweise als Verlierer der neuen Zusammenarbeit sehen", so der Sprecher des Kooperationsrates. "Wir alle wollen, dass auch Einwohner dort in die Bürgerämter gehen und zufrieden wieder herauskommen, ohne einen Schritt mehr als bisher getan zu haben", sagt Herold Quick.

Dass seine Äußerungen so eine Welle auslösen, habe er nicht vermutet, erklärt Thomas Richter. Er habe die Abgeordneten nur darauf einschwören wollen, was auf die Stadt zukommt. Ein Rathaus für ein Jahr leerzuziehen, den Umbau zu organisieren und trotzdem Bevölkerungsnähe aufrechtzuerhalten, das alles sei nicht einfach. "Wenn wir den Umbau wollen, müssen wir in der großen Variante von einem Volumen von etwa zwei Millionen Euro ausgehen, jetzt anfangen zu planen und Fördermittelanträge stellen", erklärt der Kurstadt-Bürgermeister. Immerhin habe sich die Kurstadtregion doch selbst das Ziel gesetzt, im Sommer 2019 in neuer Struktur zu arbeiten.

Herold Quick versteht seinen Amtskollegen zwar, sagt aber, dass auch in den Häusern in Wahrenbrück ("den Standort wollen wir auch erhalten"), in Mühlberg und teilweise auch in Falkenberg noch Umbauarbeiten notwendig seien. Am besten vorangeschritten seien diese in Uebigau.