Von Manfred Feller

Der Aha-Effekt bei den Gästen der ersten Trauung im restaurierten Altarraum der evangelischen Kirche in Gröden im Mai 2018 war groß. Was die heimischen Fachleute dort hingezaubert haben, ist sehenswert. Das sanierungsbedürftige Schiff soll dem Chor in keiner Weise nachstehen. Deshalb wird dort seit Jahresbeginn Hand angelegt. Was bislang zu sehen ist, scheint ebenfalls vielversprechend zu werden.

Doch die schlechte Nachricht folgt auf dem Fuß: In dem Gotteshaus wird es während der für Christen so wichtigen Osterfeiertage keinen Gottesdienst geben. Die Arbeiten sind zu aufwendig. „Unser Terminplan war anspruchsvoll“, gibt Dr. Sebastian Rick, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, zu. Restaurator Ralf Schirrwagen aus Nexdorf hatte bereits im Januar nach der Aufnahme der Arbeiten angedeutet, dass der Termin Ostern kaum zu halten sein wird.

Das Hochzeitspaar wartet

Auch die unausweichlichen Abstimmungen mit der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises brauchten ihre Zeit, ergänzt Dr. Sebastian Rick. „Pfingsten öffnen wir definitiv“, ist er nun angesichts der Fortschritts in der Kirche überzeugt. Denn ein Hochzeitpaar aus dem Ort möchte dort seinen Segen erhalten, und am Pfingstsonntag stehen die Konfirmanden vor der Tür. Die Gottesdienste (Karfreitag und Ostersonntag, jeweils um 10.15 Uhr) finden im Pfarrhaus statt, wo die Gläubigen ein wenig zusammenrücken müssen.

Viele grundlegende Arbeiten sind in dem Kirchenschiff inzwischen erledigt. Im unteren Bereich ist der eventuell noch mittelalterliche und durch Feuchtigkeit geschädigte Putz abgeschlagen und ein neuer aufgetragen worden. Eine Gerüstebene darüber sind die losen Stellen ausgebessert und die Risse geschlossen. Das jahrhundertealte Mauerwerk sei ansonsten gut erhalten.

Neuer Putz sieht alt aus

Wer am Ende einen ebenen Putz wie in der guten Stube erwartet, erhält diesen nicht. „Der Putz soll bewegt aussehen“, beschreibt Restaurator Wolfgang Christoph die vorgeschriebene wellige Struktur über den Feldsteinwänden. Es wird Kalkglätte, ein mineralischer Innenputz, darüber gezogen. „Das sieht wieder aus wie alt“, sagt der Fachmann aus Wildgrube. Der Mitarbeiter der Restaurationsfirma Schirrwagen hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten schon so manch einem Schloss und manch einer Kirche zu altem Glanz verholfen.

Abschließend werden die Wände des Kirchenschiffes mit spezieller Denkmalfarbe weiß gestrichen. Allerdings sind über den Fenstern beim Sondieren sowie beim Entfernen diverser Farbschichten und des losen Putzes gemalte Verzierungen entdeckt worden. Um das Gesamtbild abzurunden, könnte sich der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates durchaus vorstellen, die wenig komplizierten Malereien zu vervollständigen. „Diesen Punkt lassen wir wegen des Geldes offen“, bedauert er. Denn die bisherigen Arbeiten haben schon jede Menge gekostet: der Altarraum etwa 75 000 Euro und das Schiff ist mit 50 000 Euro veranschlagt. Mehr gehe nicht. Zumal viele Grödener bereits sehr fleißig gespendet haben. Nach wie vor zähle jeder eingehende Euro.

Helle Decke im Kirchenschiff

Wie im Chor soll auch die Decke im Schiff ein Hingucker werden. Die intakten Balken sind abgeschliffen und morsche Kassetten vom Tischler verblendet. Vom Denkmalschutz habe es die Auflage gegeben, dass die bisherige Struktur zu erhalten ist. Bei der Farbgestaltung dürfen wie im Altarraum die Farben Weiß und Hellblau dominieren. Dies wird das bisherige dunkle Bild komplett verändern. Alle Akteure sind auf den Gesamteindruck gespannt. Musterfelder vermitteln einen ersten freundlichen Eindruck. In knapp acht Wochen kann das Gesamtkunstwerk bestaunt werden.