ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:17 Uhr

Ein Handwerk, das Geduld belohnt
Schauen, staunen – und selbst zum Töpfer werden

Hier können die Kunden bei der Gestaltung noch mitreden: Keramikmalerin Nicole Biebach (55) bei der Produktion der neuen Lampenschirme.
Hier können die Kunden bei der Gestaltung noch mitreden: Keramikmalerin Nicole Biebach (55) bei der Produktion der neuen Lampenschirme. FOTO: Veit Rösler
Hohenleipisch. Im Rahmen des bundesweiten Tages der offenen Töpferei laden Hohenleipischer Traditionsbetriebe in ihre Kreativstuben ein. Von Veit Rösler

Rechtzeitiges Erscheinen sichert gute Töpfe, so zumindest müssen es viele Besucher der Töpferei Biebach und der Töpferei Lück am vergangenen Wochenende in Hohenleipisch gesehen haben. Im Rahmen des bundesweit veranstalteten Tages der offenen Töpferei hatten die beiden nur einen Steinwurf voneinander entfernten Traditionsbetriebe in die warmen Töpferstuben geladen.

Bereits am Samstagvormittag, gleich nach der offiziellen Eröffnung, war die Bahnhofstraße vor den beiden Handwerksbetrieben zugeparkt. „Einige unserer Stammkunden kommen schon seit über 20 Jahren. Sie wissen, dass sie zu Beginn des Töpfertages in beiden Betrieben auf ein umfangreiches Angebot zurückgreifen können“, beschreibt Töpfermeister Andreas Biebach (58) die Szenerie. Etwa 200 verschiedene Produkte werden jeweils in jedem Betrieb seit der Weihnachtszeit zielgerichtet auf diesen Tag hin produziert. Einige Kunden, so Andreas Biebach, kommen sogar schon vor dem offiziellen Termin, um in Ruhe und noch ohne Gedränge aus einem ausschweifenden Sortiment auswählen zu können.

„Unten mit den Füßen strampeln und oben volle Konzentration“, erklärt Oliver Biebach seine Arbeit an der rotierenden Töpferscheibe. In vierter Generation ist der 36-Jährige noch an der uralten Töpfer-Einrichtung mit menschlichem Antrieb ausgebildet worden. Heute ist er nur noch selten in Hohenleipisch anzutreffen. Billigmassenprodukte aus Fernost und vor allem das Plastikmaterial machen den alten Handwerksbetrieben das Leben schwer.

Aber aus der Not könne man auch eine Tugend machen, meint Töpfermeisterin Anett Lück (53). Sowohl beim Sortiment als auch bei der Durchführung der Sonderschauen baue man auf altbewährte Konzepte. An mehreren Stellen ein üppiges Sortiment, dazwischen eine gemütliche Kaffeetafel und viele Besucher kommen auch, um an diesem Tag mit den eigenen Händen kreativ sein zu können.

Beide Betriebe betreiben an den beiden Tagen eine Bastelstraße, an der vor allem Kinder ihrer Kreativität mit Ton und Farbe freien Lauf lassen können. Klar, dass hier auch viele jung gebliebene Erwachsene anzutreffen sind. Karola Schröter (66) aus Gorden zum Beispiel kommt seit vier Jahren. Man zahle am Anfang Lehrgeld ohne Ende. Mit der Zeit lerne man aber die Proportionen der Hobbyarbeiten zu berechnen, meint sie. Voller Konzentration arbeitet sie an einer Frau mit Katze, die nach der handwerklichen Fertigstellung in zwei Brennvorgängen für mehrere Stunden bei Biebachs im Brennofen landen wird.

Neben den altbewährten Produkten, wie das klassische Alltagsgeschirr in Form von Tassen, Tellern und Schalen passen sich beide Betriebe natürlich auch den Marktbedingungen und Kundenwünschen an. Bei Biebachs zum Beispiel werden seit kurzem sogar Lampenschirme in kleiner Stückzahl produziert. Die Produktion sei zwar preisintensiv, der Kunde könne hier aber im Gegensatz zum Großhandel selber noch bei der Gestaltung mitreden.

In der Töpferei Biebach werden seit 1903 Töpfereiprodukte hergestellt. Anett Lück hat ihre Töpferei 1990 übernommen, hier wird seit um 1885 getöpfert.