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| 19:15 Uhr

Überlegener Sieger
Preußen-Kicker jubeln über den Meistertitel

 So sehen Sieger aus: Die Männer vom SV Preußen Elsterwerda sind überlegen Meister der Kreisoberliga Südbrandenburg in der Saison 2018/19.
So sehen Sieger aus: Die Männer vom SV Preußen Elsterwerda sind überlegen Meister der Kreisoberliga Südbrandenburg in der Saison 2018/19. FOTO: LR / Manfred Feller
Elsterwerda. Die lange Durststrecke ist überstanden. Wie der SV Preußen Elsterwerda es geschafft hat, souveräner Champion der Kreisoberliga zu werden und in die Landesklasse Süd aufzusteigen. Von Manfred Feller

Nach drei Spielzeiten tief im Abstiegssumpf sind die Preußen-Fußballer aus Elsterwerda wie Phönix aus der Asche emporgestiegen. Schon Wochen vor dem Finale der Saison 2018/19, zwei Spiele stehen noch aus, ist den I. Männern aus der Elsterstadt der Meistertitel in der Kreisoberliga Südbrandenburg nicht mehr zu nehmen.

Hoffentlich ist die Luft noch nicht raus. Denn am Sonnabend um 14 Uhr wird vor wahrscheinlich größerer Zuschauerkulisse als sonst das letzte Heimspiel angepfiffen. Gegner ist der Tabellenzwölfte Schönewalde. Theoretisch könnte dies ebenso ein Spaziergang werden wie die letzte Auswärtspartie gegen den Vorletzten Senftenberger FC 08. Dem Heimspiel am Sonnabend folgt gegen 17 Uhr der Saisonhöhepunkt schlechthin: die Übergabe der Meistertrophäe. Sekt und Bier für die anschließende Heldendusche sollten bald kaltgestellt werden.

Die Freude über den zu Saisonbeginn keineswegs erwarteten Aufstieg steht auch Günter Steinemann ins Gesicht geschrieben. Der Ehrenpräsident des SV Preußen Elsterwerda verweist auf zwei bemerkenswerte Daten, die 2019 begangen werden: 111 Jahre Fußball in Elsterwerda und 110 Jahre Preußen Biehla.

Beide Vereine für sich hatten noch bis vor acht Jahren mächtig zu kämpfen: die einen in der 1. Kreisklasse, die anderen in der Kreisliga. Das war wie Not und Elend. „Mit beiden ging es damals sportlich bergab“, erinnert sich der 1. Vorsitzende des heutigen SV Preußen Elsterwerda, Jens Dietrich. In seinem Antrittsjahr 2011 wurde die Vereinigung der Preußen mit den Rot-Weißen besiegelt.

„Wir hatten auch danach nicht gleich Erfolg, sondern brauchten Anlauf“, drückt es der 49-jährige Elsterwerdaer sehr vorsichtig aus. Nach der Saison 2012/13 rutschten die Männer in die 1. Kreisklasse ab. Diese Schmach ließen sie nicht auf sich sitzen und stiegen sofort wieder hinauf in die Kreisliga. In der Spielzeit 2014/15 folgte sogleich der Durchmarsch in die Kreisoberliga. Doch diese war für die Preußen eine Nummer zu groß. „Wir befanden uns drei Jahre im Abstiegskampf“, so Jens Dietrich, der einst aktiv in Saathain gespielt hat. In der vorletzten Saison konnte der Klassenerhalt gerade noch so mit der letzten Partie gesichert werden.

 Wenn der Ball nicht ins Tor will, dann wird das Tor eben zum Ball getragen. Mit solchen Tricks arbeiten die Preußen natürlich nicht. Der Aufstieg ist eher auf die geschlossene Mannschaftsleistung mit aktuell 100 Treffern zurückzuführen.
Wenn der Ball nicht ins Tor will, dann wird das Tor eben zum Ball getragen. Mit solchen Tricks arbeiten die Preußen natürlich nicht. Der Aufstieg ist eher auf die geschlossene Mannschaftsleistung mit aktuell 100 Treffern zurückzuführen. FOTO: LR / Manfred Feller

Kein Wunder, dass der SV Preußen zu Beginn dieser Saison als Absteiger gehandelt wurde. Doch es kam ganz anders. Das entscheidende Spiel fand demnach schon im November 2018 statt. Seinerzeit verwandelte Elsterwerda in Ruhland einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg. „Die Konkurrenz war geschockt und hat uns von da an wirklich ernst genommen“, schmunzelt Jens Dietrich heute darüber.

Durch den Aufstieg stehen die Preußen nur noch eine Liga unter dem Elbe-Elster-Primus, dem derzeit schwächelnden VfB Hohenleipisch. Einst seien es fünf Klassen Unterschied gewesen. Als Kampfansage will es der 1. Vorsitzende nicht verstehen. Hohenleipisch sei eine andere Nummer. „Wir bleiben mit unseren mehr als 320 Mitgliedern im Fußball, Kegeln, Volleyball und in der Gymnastik ein Breitensportverein, der stark auf den eigenen Nachwuchs setzt“, macht Jens Dietrich klar. Allein die Fußballabteilung zähle 120 Kinder und Jugendliche, die alle Altersklassen besetzen.

Der Aufstieg bringe nun neue Motivation. „Wir freuen uns jetzt auf die Derbys gegen Herzberg, Friedersdorf, Hohenleipisch II und Bad Liebenwerda“, blickt Jens Dietrich voraus. Trainer Maik Heyne und Co-Trainer Marco Eichfeld, beide ehemalige Spieler, bauen darauf, dass die Leistungsträger auch in der nächsten Saison konstant ihre Qualitäten abrufen. Eine deutliche Verstärkung schon in dieser Spielzeit sei Gröditz-Rückkehrer Lucas Rost gewesen.

Den Grundstein für den derzeitigen Höhenflug hätten jedoch die Nachwuchstrainer Jens Linge und David Lorenz ab der Spielzeit 2016/17 mit den A-Junioren gelegt, die nach und nach aufrücken. Dazu gehören auch einige Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Afrika, die neben Schul- und Berufsausbildung sportlichen Einsatz zeigen. „Die Trainer haben aus talentierten Egoisten Fußballer geformt“, lobt Jens Dietrich deren Arbeit.

Allerdings kämpfen auch die Preußen mit dem Aderlass bei den jungen Spielern. Talente würden von Bad Liebenwerda, Hohenleipisch und Gröditz umworben. Mehr als die Hälfte verlasse den Verein wegen Ausbildung und Studium. Einige wenige kehren zurück oder pendeln bis aus Dresden.

Ein, zwei Wünsche haben die Preußen noch: Sie tragen zwar die Betriebskosten für ihre Sportstätte, die größeren Investitionen müsse jedoch die Stadt stemmen. Stichworte seien der Sanitärbereich und die „Minikabinen ohne Fenster“. Der Holzhof sei keine Alternative.