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Ausbildung
Süßer Preis für die Zuckerwerker

Links der Zuckerrübenberg, im Hintergrund das Brottewitzer Werk und mittendrin der Ausbildungs-Star 2017 des Landkreises. Sie halten den Stern gemeinsam fest (v. l.): Daniel Kießling, Energieelektroniker-Azubi im 4. Lehrjahr, Tony Kreicha und Hannes Minnich, beide Industriemechaniker im 2. Lehrjahr.
Links der Zuckerrübenberg, im Hintergrund das Brottewitzer Werk und mittendrin der Ausbildungs-Star 2017 des Landkreises. Sie halten den Stern gemeinsam fest (v. l.): Daniel Kießling, Energieelektroniker-Azubi im 4. Lehrjahr, Tony Kreicha und Hannes Minnich, beide Industriemechaniker im 2. Lehrjahr. FOTO: Karsten Bär
Brottewitz. Mit dem Ausbildungs-Star 2017 wird der Einsatz des Werkes Brottewitz der Südzucker AG für den Berufsnachwuchs im Landkreis gewürdigt. Manfred Feller

Neun Unternehmen aus Elbe-Elster waren für den diesjährigen, den zehnten Ausbildungs-Star nominiert. Ob aus Schlieben, Elsterwerda, Doberlug-Kirchhain, Massen, Finsterwalde oder Hennersdorf - sie alle hätten ihn für ihr Engagement um den Berufsnachwuchs verdient. Eine Jury hat sich für das Werk Brottewitz der Südzucker AG entschieden.

"In unserem schönen, aber rohstoffarmen Landkreis sind gut ausgebildete Fachkräfte entscheidend für die Zukunft. Ich kann andere Firmen nur ermuntern: Machen Sie es wie die Südzuckerleute im Werk Brottewitz! Nutzen Sie alle Möglichkeiten, heute ihre Fachkräfte für morgen aufzubauen und zu halten! Ausbildung ist Zukunftssicherung", fand Landrat Christian Heinrich-Jaschinski während der Preisverleihung anlässlich der Ausbildungsmesse in Bad Liebenwerda deutliche Worte.

Denn die Lage hat sich grundlegend gewandelt. Es bleiben immer mehr Lehrstellen unbesetzt - auch weil Schulabgänger oftmals nicht wissen, welche Chancen die Heimat bietet.

In Brottewitz haben in den zurückliegenden fast zweieinhalb Jahrzehnten 56 junge Männer ihre Ausbildung beendet. Zeitweise wurde über den eigenen Bedarf hinaus ausgebildet. Schulabgängerinnen, die sich bewerben, sind die absolute Ausnahme. Unter den bisherigen Facharbeitern sind Indus-triemechaniker, Elektroniker, Mechatroniker und Zerspanungsmechaniker.

"Bei ordentlichen Leistungen sind die Übernahmechancen sehr gut", sagt der langjährige Ausbildungskoordinator Udo Lang. Was die Jungfacharbeiter erwartet, müsse keinen Vergleich scheuen. In dem tarifgebundenen Unternehmen werden das nicht überall selbstverständliche Urlaubs- und Weihnachtsgeld gezahlt, und es gibt sogar eine Gewinnbeteiligung.

Und dennoch müssen sich auch die Zuckerwerker immer mehr strecken, um gute Schulabgänger zu bekommen. "Hatten wir vor 20 Jahren noch 40 bis 50 Bewerber auf unsere jährlich zwei Ausbildungsstellen, so sind es heute höchstens zehn", zeigt Udo Lang den deutlichen Rückgang an. Es sei gar nicht so einfach, Schüler mit guten Zensuren in Mathematik, Physik und Informatik zu gewinnen. "Deshalb nutzen wir seit fünf Jahren alle Ausbildungsmessen von Elbe-Elster über Torgau, Gröditz, bis Oschatz und Riesa und gehen auch in die Schulen. Das ist ein Riesenaufwand", versichert der Koordinator.

Die Eingangsqualifikation der jungen Leute sei mit den Jahren gesunken, stellt er bedauernd fest und hebt einen für seinen Betrieb wichtigen Bereich besonders hervor: "Handwerkliche Fähigkeiten sind so gut wie gar nicht vorhanden." Deshalb wird jede Bemühung an Schulen (und warum nicht auch im Elternhaus?) begrüßt, den Schülern etwas Handfestes beizubringen. Immerhin nimmt der praktische Teil der Ausbildung des Brottewitzer Facharbeiternachwuchses etwa 50 Prozent ein. Die Grundlagen werden innerhalb der Verbundausbildung bei der TÜV Rheinland-Akademie in Lauchhammer für die Metallberufe vermittelt. Die angehenden Elektroniker und Mechatroniker lernen das Praktische in Falkenberg. Die Theorie wird gemeinsam am Oberstufenzentrum in Elsterwerda gepaukt. Derzeit hat die etwa 90 Mitarbeiter zählende Zuckerfabrik zehn Lehrlinge. Die Ausbildungsquote liegt damit über dem Durchschnitt.

Die Zuckerfabrik ist ein Unternehmen mit Tradition und die einzige in Brandenburg. 1873 gegründet, gehört sie seit 1991 zur Südzucker AG mit weltweit 17 000 Beschäftigten. Allein 400 Agrarbetriebe beliefern Brottewitz, wo jährlich bis zu 800 000 Tonnen Rüben verarbeitet werden.