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| 17:25 Uhr

Orgeln zum Anfassen
Orgelakademie vor der Eröffnung

 Die Südbrandenburgische Orgelakademie in Bad Liebenwerda. Der Ideengeber und Vorsitzende des Fördervereins, Orgelbaumeister Dieter Voigt, und Projektleiterin Johanna Raue im Kammermusiksaal.
Die Südbrandenburgische Orgelakademie in Bad Liebenwerda. Der Ideengeber und Vorsitzende des Fördervereins, Orgelbaumeister Dieter Voigt, und Projektleiterin Johanna Raue im Kammermusiksaal. FOTO: LR / Frank Claus
Bad Liebenwerda. In Bad Liebenwerda erfährt die „Königin der Instrumente“ besondere Wertschätzung. Von Frank Claus

Es soll kein Museum werden. Das hat Dieter Voigt, Vorsitzender des Fördervereins der Südbrandenburgischen Orgelakademie, Orgelbaumeister und Ehrenbürger der Stadt Bad Liebenwerda, von Anfang an betont. „Orgeln zum Anfassen will ich, nicht in Glasvitrinen“, sagt er, wohl wissend, dass nur wenige Orgeln in eine Vitrine passen würden.

Bildungsangebote zu den Themen Orgelmusik und Orgelbaukunst, Orgelwissenschaft und Orgelarchitektur will er unterbreiten. Nun ist es so weit: Am 25. Mai wird in Bad Liebenwerda die Südbrandenburgische Orgelakademie eröffnet. Natürlich mit kleinen und größeren Orgeln, Spieltischen und Orgelelementen, aber eben auch mit einem Kammermusiksaal fürs praktische Üben, Musizieren und Konzertieren.

Als Dieter Voigt im Jahr 2011 in der Stadt erste Ideen zum Aufbau der Orgelakademie im ehemaligen Gebäude der Ziehlke-Druckerei (später Variograph) unterbreitet, da ahnt er nicht, wie richtig er liegen würde. Im Dezember 2017 ist der deutsche Orgelbau in die Liste des Immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen worden.

Um sie angesichts immer geringer werdender Kirchgänger und fortschreitender Technisierung der Musikinstrumente für die Nachwelt zu retten? Dieter Voigt ist da Realist und Optimist zugleich: Im Zuge der weiteren Säkularisierung in der Bevölkerung, so weiß er, schwinde auch die künstlerische Bedeutung der Orgeln. Und dennoch, der Status der „Königin der Instrumente“ bleibe, sagt er. Es sei aber notwendig, sie wieder bedeutend mehr ins Blickfeld zu rücken.

Dieter Voigt, inzwischen über 80, will da ganz klein anfangen – in der Schule. „Jeder Mensch mit normaler Hörfähigkeit, egal ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener, ist in der Lage, in die Welt des musikalischen Hörens einzudringen.“ Aber er weiß auch, dass der Schulung des Gehörs viel zu wenig Platz eingeräumt wird. „Wir haben im Schulunterricht sehr früh die Funktion von Buchstaben und Zahlen und ihren Umgang damit erlernt. Aber musikalisches Hören, ursächliches Erkennen von Intonations- und Stimmungsdifferenzen, wird meist nur an werdende Musikprofis weitergereicht.“ Dieter Voigt möchte helfen, dieses Defizit in der Südbrandenburgischen Orgel­akademie in Bad Liebenwerda zu beheben. Erste Projekte mit Schülern liefen außerordentlich erfolgreich. Auch, weil die Orgelakademie mit Projektleiterin Johanna Raue eine Frau an der Spitze hat, die den Draht zur Jugend hat.

Und weil sich der Landkreis Elbe-Elster nach zunächst zögerlicher Zurückhaltung – „mit Orgeln bewegt man heute keine Massen mehr“, „es ist schwer, orgelspielenden Nachwuchs zu finden“, „ähnliche Einrichtungen kämpfen ums Überleben“ – nun doch einbringt und eine Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule Gebrüder Graun auf den Weg gebracht hat.

Dieter Voigt setzt auf den Kontakt zu Musikhochschulen – erfährt beim Aufbau viel Unterstützung von der Uni Potsdam – und bekommt Rückenwind vom Landesmusikrat Brandenburg und der Stadt Bad Liebenwerda. Die Kurstadt – auch Heimstatt des Orgelbaus – wolle mit der Orgelakademie zudem Raum für Symposien von Orgelbaufirmen, Studenten und Musikwissenschaftlern geben. Bei Führungen durch die Akademie in der Aufbauphase zeigen sich Besucher beeindruckt. Über die Funktionsweise des Instruments haben zumeist nur die Experten das Wissen. Wenn sich Dieter Voigt gleich nebenan in der St. Nikolaikirche noch an die Orgel setzt, ist das Glücksgefühl vollkommen.

Seit 2014 ist der Förderverein der Orgelakademie Eigentümer des Gebäudekomplexes. Inzwischen ist es mit Unterstützung der Sparkasse Elbe-Elster und des städtischen Wohnungsunternehmens gelungen, im Haupthaus der einstigen Druckerei elf Wohnungen mit einem Investitionsaufwand von 1,2 Millionen Euro zu errichten und zu vermieten. Teile der Einnahmen dienen der Finanzierung der Orgelakademie. Bund und Land beteiligen sich mit Mitteln aus unterschiedlichen Töpfen am Aufbau und der inhaltlichen Begleitung, finanzieren unter anderem für drei Jahre die Stelle der Projektleiterin. Und dennoch: Um die Endausbaustufe zu erreichen und die Orgelakademie personell sicher zu betreiben, müssen noch einige Hürden genommen werden – und ist weiteres Geld nötig.

 Die Südbrandenburgische Orgelakademie in Bad Liebenwerda. Der Ideengeber und Vorsitzende des Fördervereins, Orgelbaumeister Dieter Voigt, und Projektleiterin Johanna Raue im Kammermusiksaal.
Die Südbrandenburgische Orgelakademie in Bad Liebenwerda. Der Ideengeber und Vorsitzende des Fördervereins, Orgelbaumeister Dieter Voigt, und Projektleiterin Johanna Raue im Kammermusiksaal. FOTO: LR / Frank Claus