ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:51 Uhr

Aktuelle Lage zum Sturmtief
Kurz nach 15 Uhr: „Friederike“ trifft auf Elbe-Elster

18. Januar, 15.38 Uhr: erster Einsatz für die Feuerwehr Elsterwerda B 101/169 Baum über die Großenhainer Straße.
18. Januar, 15.38 Uhr: erster Einsatz für die Feuerwehr Elsterwerda B 101/169 Baum über die Großenhainer Straße. FOTO: Frank Claus / LR
Elbe-Elster. Erste Bäume kippen bei Sonnewalde, Rückersdorf und Elsterwerda – später folgen Unfälle. Personenschaden ist bis gegen 18.30 Uhr nicht zu verzeichnen. Von Frank Claus, Daniel Friedrich und Birgit Rudow

Es ist bizarr: Am Donerstag vor genau elf Jahren (18. Januar 2007) hat das Sturmtief „Kyrill“ in Teilen Elbe-Elsters für gehörige Schäden gesorgt. Jedes zweite Grundstück in Kahla verzeichnet damals Sturmschäden, bei Zobersdorf knicken vier Masten der 380 kV-Hochspannungsleitung, in vielen Gegenden schlägt der Orkan regelrechte Schneisen in den Wald. Und nun wirbelt Sturmtief „Friederike“ am Donnerstag Elbe-Elster wieder gehörig durcheinander. Auch wenn die „Kyrill“-Stärke, so auch die Prognosen für die Abendstunden, wohl nicht erreicht wird.

Ab 15 Uhr wird es dann doch richtig stürmisch. Die Feuerwehren in Sonnewalde und Rückersdorf müssen zuerst ausrücken, um umgestürzte Bäume zu beseitigen. Um 15.38 Uhr ruft die Sirene die Elsterwerdaer Kameraden zum ersten Einsatz. Auf der Bundesstraße 101/169 hat es unmittelbar am Holzhof-Gelände den ersten Baum quer über die Straße gelegt. Das Szenario ist gespenstisch. Überall knacken Äste, die alten, teils gut 15 Meter hohen Bäume schwanken gefährlich im Wind. Und schon saust so ein morscher Ast unweit neben einem Kameraden zu Boden. Wieder einmal müssen die Feuerwehrleute als erste in das gefährliche Gebiet.

Auch für die Falkenberger Kameraden geht es dann Schlag auf Schlag. Wie Stadtbrandmeister Sören Diecke berichtet, muss gegen 16.50 Uhr zwischen Beyern und Fermerswalde ein Bus halten, weil ein Baum auf der Straße liegt. In dem Bus befinden sich zwei Grundschüler aus Löhsten. Weil die Nahverkehrsgesellschaft den Personentransport eingestellt hat, haben Kameraden der Feuerwehr Beyern die Kinder nach Löhsten zu ihren Eltern gebracht, sagt Sören Diecke. Auf der Rückfahrt ist auf der B 87 dann ein Baum auf das Feuerwehrfahrzeug gefallen. Verletzte hat es nicht gegeben, so Diecke.

Ab 16 Uhr kein Unterricht wegen Sturm mehr an der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“, hier Julia Wunderlich (17), deren Gesangsunterricht in der Regionalstelle Elsterwerda noch stattgefunden hat.
Ab 16 Uhr kein Unterricht wegen Sturm mehr an der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“, hier Julia Wunderlich (17), deren Gesangsunterricht in der Regionalstelle Elsterwerda noch stattgefunden hat. FOTO: Frank Claus / LR

Die Herzberger Kameraden haben ihren ersten Baumeinsatz gegen 15.40 Uhr in der Grochwitzer Straße. Am Abend sind dann mehrere Fahrzeuge auf der B 101 bei Borken zwischen umgestürzten Bäumen eingeschlossen, berichtet Feuerwehrsprecher Björn Horn, der um 18.30 Uhr meldet: „Wir fahren zum 40. Einsatz.“ In Bad Liebenwerda sind es gegen 17 Uhr zehn, „zumeist Bäume auf Straßen und Telefonleitungen“, so Feuerwehr-Sprecher Martin Neumann.

Die Polizei meldet bis 17 Uhr sechs witterungsbedingte Unfälle ohne Personenschaden.

Gegen 17.30 Uhr rücken Finsterwalder Feuerwehrleute mit Absperrbaaken zum Gebäude der Sparkasse Elbe-Elster in der Berliner Straße an. Hier hat der Sturm Dachziegel heruntergeholt. Die Berliner Straße wurde ab der Einmündung August-Bebel-Straße für den Fahrzeugverkehr gesperrt.
Gegen 17.30 Uhr rücken Finsterwalder Feuerwehrleute mit Absperrbaaken zum Gebäude der Sparkasse Elbe-Elster in der Berliner Straße an. Hier hat der Sturm Dachziegel heruntergeholt. Die Berliner Straße wurde ab der Einmündung August-Bebel-Straße für den Fahrzeugverkehr gesperrt. FOTO: Böttcher / LR

Gegen 17.30 Uhr rücken Finsterwalder Feuerwehrleute mit Absperrbaaken zum Gebäude der Sparkasse Elbe-Elster in der Berliner Straße an. Hier hat der Sturm Dachziegel heruntergeholt. Die Berliner Straße wird ab der Einmündung August-Bebel-Straße für den Fahrzeugverkehr gesperrt

Schon tagsüber laufen die Vorbereitungen für die Sturm-Einsatzlage auf Hochtouren. Bereits am Mittwoch haben Mitarbeiter aus Ordnungsämtern in der Landkreisverwaltung in Herzberg letzte Details abgestimmt, um für das Sturmtief gut vorbereitet zu sein. In den Städten des Landkreises werden Einsatzzentralen ab Donnerstagnachmittag in Rufbereitschaft versetzt.

Das Bildungsministerium empfiehlt Einrichtungen in Brandenburg, alle Hort- und Schulkinder, die nicht persönlich von ihren Eltern abgeholt werden können, spätestens um 14 Uhr nach Hause zu schicken. Die Kreisverwaltung Elbe-Elster als Schulträger hat die Horte angewiesen, die Eltern zu benachrichtigen, damit sie ihre Kinder möglichst zeitig abholen. Für alle Kinder, die dennoch im Hort bleiben müssen, ist eine Betreuung abgesichert, so Kreissprecher Torsten Hoffgaard. In den Musikschulen des Landkreises gibt es am Nachmittag keinen Unterricht mehr. Auch die Kreisvolkshochschule in Herzberg sagt ihre Kurse für den Donnerstagnachmittag ab. Die Kreisverwaltung hat die Kernarbeitszeit ihrer Mitarbeiter gelockert. Sie können bereits ab 13.30 Uhr ihren Arbeitsplatz verlassen, um sicher nach Hause zu kommen.

Wer die Bahn am Abend für seinen Heimweg nutzen möchte, hat am Donnerstag schlechte Karten: Nicht nur im Fernverkehr starten keine Züge mehr. Auch der Nahverkehr ist in Teilen eingestellt. Manuel Roprich vom Verkehrsmanagement Elbe-Elster erklärt am Vormittag noch, dass  alle Buslinien regulär fahren sollen. Am Abend kommt es dann doch zu Einschränkungen.

Das Wonnemar in Bad Liebenwerda reagiert kundenfreundlich: „Wir haben alle Kursteilnehmer, von denen uns die Telefonnummern vorliegen, informiert, dass die geplanten Kurse am Donerstagnachmittag ausfallen. Keiner soll sich in Gefahr begeben müssen, nur um die Termine einzuhalten. Die Kurse werden selbstverständlich nachgeholt“, sagt Marketingleiterin Susanne Ott. Ansonsten bleibt das Wonnemar normal geöffnet, später wird die Außensauna gesperrt.

Einen Vorgeschmack auf mögliche Einsatzszenarien bekommt Elbe-Elster um 13 Uhr aus dem Märkischen Partnerkreis in Nordrhein-Westfalen. Dort sind seit 11 Uhr die Einsatzkräfte im Dauereinsatz. Die Kreisleitstelle des Märkischen Kreises meldet um diese Zeit bereits mehr als 380  Sturmeinsätze.  Nahe Iserlohn wird ein Löschfahrzeug im Einsatz durch einen umgestürzten Baum beschädigt.  Mehrere Dächer werden abgedeckt. Insgesamt sind dort rund 1600 Kräfte im Einsatz.

Zwei Veranstaltungsabsagen gibt es in Elbe-Elster auch: Weil am Donnerstag in der Musikschule keine Generalprobe mehr stattfinden kann, entfällt die für Freitag (19. Januar) geplante Talenteschmiede im Gemeindezentrum in Bad Liebenwerda. Zudem wird das in Finsterwalde geplante „Bürgermeisterkegeln“ wegen des Sturms abgesagt. Als neuer Termin ist der 25. Januar genannt.

 „Die größten Sorgen bereiten uns die Deiche an der Schwarzen Elster. Die Deiche sind durch die vielen Niederschläge aufgeweicht. Und auf ihnen stehen große gewichtige Bäume. An den Deichen wird es weitere Schäden geben“, prognostiziert der Ordnungsamtsleiter des Kreises, Reiner Sehring, am Mittag.