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"Stübgen weiter Abnicker von Frau Merkel”

Die Argumentation der AfD hat Wirkung gezeigt, wie der Wahlausgang unterstreicht. Der Elbe-Elster-Kreisvorsitzende Volker Nothing (l.) und Direktkandidat Peter Drenske (3.v.l.) aus Finsterwalde bei einer der vielen Kundgebungen in den letzten Monaten.
Die Argumentation der AfD hat Wirkung gezeigt, wie der Wahlausgang unterstreicht. Der Elbe-Elster-Kreisvorsitzende Volker Nothing (l.) und Direktkandidat Peter Drenske (3.v.l.) aus Finsterwalde bei einer der vielen Kundgebungen in den letzten Monaten. FOTO: JFDA e.V.
Wahlkreis 65. Peter Drenske (AfD) attackiert Wahlsieger Michael Stübgen (CDU) – eine erste Analyse der Bundestagswahl im Wahlkreis 65. Frank Claus, Heike Lehmann, Manfred Feller und Jan Augustin

Die Freude über diesen Wahlsieg und damit den wiederholten Einzug in den Bundestag dürfte bei Michael Stübgen verhaltener sein. Nicht nur er hat im Vergleich zur letzten Bundestagswahl im Jahr 2013 mehr als elf Prozent verloren, auch seine Partei, die CDU, verliert zehn Prozent. Die schwindende Überzeugungskraft der Christdemokraten bei den Wählern hat sich eine andere Partei zunutze gemacht: die AfD. In einigen Orten des Wahlkreises hat der AfD-Direktkandidat Peter Drenske auf Anhieb - im Jahr 2013 hat die Partei noch keine Kandidaten nominiert - die Wahl gewonnen.

Hier siegt die AfD: In neun der 26 zum Wahlkreis zählenden Städte, Ämter und Gemeinden liegt die AfD bei der Auszählung der Zweitstimmen (Parteienstimme) vor der CDU. Den höchsten Sieg fährt die AfD in den Gemeinden des Amtes Schradenland - quasi auch die Wiege des CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Stübgen (er war in Großthiemig und Hirschfeld Pfarrer) - mit 35,0 Prozent ein. Dort hat die CDU mit minus 17,5 Prozent herbe Verluste einstecken müssen. Noch bitterer für die Christdemokraten sind die durch die Bundespolitik verursachten Verluste im Wahlkreis des Landtagsabgeordneten und Brandenburger CDU-Landesvorsitzenden Ingo Senftleben: minus 20,5 Prozent in Ortrand und minus 18,1 Prozent in Ruhland.

Neben dem Schradenland gibt es vier weitere Regionen, in denen die AfD mehr als 30 Prozent einfährt und die CDU überholt: Ortrand (31,8), Ruhland (31,2), Röderland (30,7) und Plessa (30,6). Immer geht das einher mit herben Verlusten für die CDU, so in Röderland mit minus 15,9 und in Plessa mit minus 13,6 Prozent. Auch in Elsterwerda pirscht sich die AfD mit 26,3 Prozent nah an die CDU (29,9) heran. In Bad Liebenwerda kommt die AfD auf 25,5, die CDU auf 29,4 Prozent.

CDU-Hochburgen bleiben trotz Einbußen unter anderem Sonnewalde (33,1), das Amt Kleine Elster (31,4), Uebigau-Wahrenbrück (30,7), Schlieben (30,6), Doberlug-Kirchhain (30,4) und Finsterwalde (29,6). Die SPD und Linke verlieren in allen Städten, Ämtern und Gemeinden im Wahlkreis 65. Die FDP holt die meisten Stimmen in Ruhland (8,3) und in Ortrand (8,1) gefolgt von Uebigau-Wahrenbrück und Schwarzheide (beide 7,7) sowie Doberlug-Kirchhain (7,4 Prozent).

In zwei Orten im Stadtgebiet Bad Liebenwerda feiert die AfD regelrechte Höhenflüge und übertrumpft die CDU fast ums Doppelte: In Kröbeln entfallen auf die AfD 42,6 Prozent der Stimmen (CDU 22,6), in Thalberg bekommt sie 41,8 Prozent (CDU 23,0). In Hirschfeld im Amt Schradenland erreicht die AfD mit 38,9 Prozent (CDU 27,9) ebenfalls viele Wähler.

Stimmen zum Wahlausgang

Und wie sieht der Gewinner die Wahl? "Wir haben den Wahlkampf unter äußerst schwierigen Bedingungen gewonnen. In der Lausitz war es noch schwieriger", resümiert der wiedergewählte CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Stübgen aus Finsterwalde am Tag nach der Wahl, um sofort in Richtung der AfD zu schießen: "Dieses Ergebnis ist schlecht für Deutschland und um dieses Land zu lenken." Es sei deutlich geworden, dass "erhebliche Teile der Bevölkerung uns nicht zutrauen, große Probleme zu lösen, wie das der Flüchtlinge und Migranten. Wir haben Vertrauen verloren und müssen es wieder zurückgewinnen." Die Sozialdemokraten, so Stübgen weiter, können sich dagegen nicht so leicht aus der "staatsbürgerlichen Verantwortung" schleichen, wie sie es noch am Wahlsonntag nach der heftigen Niederlage geäußert haben. "Das Ergebnis der SPD ist ein Desaster. Jetzt will sie sich in die Opposition zurückziehen. Regierungsverantwortung von vornherein auszuschließen, das halte ich nicht für den richtigen Weg", sagt der langjährige Bundestagsabgeordnete. Dies äußert er sicher auch mit Blick auf die nicht einfachen Koalitionsverhandlungen mit der FDP und vor allem mit Bündnis 90/Die Grünen. Michael Stübgen erwartet, dass sich zum Beispiel die Grünen in der Energiepolitik annähern. Alle Seiten seien mit ihrem Ziel nicht allzu weit voneinander entfernt, den allmählichen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern anzustreben. Doch die einzelnen Parteien unterscheide der Weg dorthin. Klar wird der Christdemokrat hinsichtlich der Energiewirtschaft in der Lausitz: Das Stilllegen von Kraftwerken werde mit ihm nicht gehen.

Peter Drenske (AfD) freut sich einerseits riesig über das Ergebnis seiner Partei, teilt gehörig gegen Michael Stübgen aus und zaudert angesichts der eigenen Niederlage im Kampf um das Direktmandat. Er habe absichtlich nicht für die Liste kandidiert, weil er nur über Direktmandat einziehen wollte. Dabei unterlag er mit 24,7 Prozent dem wiedergewählten Michael Stübgen (CDU/ 29,5 Prozent). Drenskes Kommentar: "Knapp daneben ist auch vorbei." Aber die AfD habe ja in etlichen Amtsgemeinden die Mehrheit errungen, selbst "in einer linken Hochburg wie Finsterwalde 20 Prozent erreicht zu haben, ist ein wahnsinniger Richtungszeig", sagt Drenske. Ärgerlich sei für ihn, dass Stübgen noch 30 Prozent erreicht habe, "obwohl er bei uns in der Region immer nur zu den Wahlen auftaucht. Das zeigt, dass die CDU eben viele Traditionsanhängerwähler hat." Stolz könne der AfD-Kreisverband sein, mit das beste Ergebnis in Brandenburg eingefahren zu haben und auch am sehr guten Ergebnis in Cottbus beteiligt zu sein, denn "wir haben uns dort mit eingebracht", so Drenske. Man habe insgesamt einen guten Wahlkampf gemacht. "Ein Direktmandat in Brandenburg wäre schön gewesen. Ich wollte, dass hier endlich mal was passiert. Stattdessen wird Stübgen jetzt weiter ein Abnicker von Frau Merkel bleiben." Persönlich wird sich Drenske weiter im Kreisvorstand der AfD engagieren, alles Weitere wird sich finden. "Der Wahlkampf hat auch viel Nerven und Geld gekostet", begründet er.

FDP-Direktkandidat Martin Neumann ist mit Listenplatz 2 wieder in den Bundestag gerutscht. "Wir freuen uns über das recht gute Ergebnis. Das Ergebnis der AfD ist schon schwierig. Daraus ergeben sich schwierige Konstellationen. Die Stimmung ist sehr gut. Rein rechnerisch bleibt nur Jamaika. Das wird aber schwierig, da die Positionen sehr unterschiedlich sind."

Delf Gerlach, Kreisvorsitzender der Liberalen, hat sich für seine Partei im Wahlkreis mehr erhofft. "Es ist enttäuschend, dass wir nicht mehr Stimmen gewinnen konnten", sagt er vor allem auch mit Blick auf den Zuwachs bei der AfD. Der zeige auf, "dass viele damit unzufrieden sind, was im Landkreis und darüber hinaus passiert." Grundsätzlich hätte er sich jedoch ganz klar ein besseres Abschneiden der FDP gewünscht.