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Studenten aus Potsdam wollen Orgelakademie helfen

Karsten Voigt, Sohn von Orgelbaumeister Dieter Voigt und Kantor in der Frauenkirche Meißen, hat am Samstag demonstriert, wie Kindern mit einfachen Mitteln musisches Gehör vermittelt werden kann.
Karsten Voigt, Sohn von Orgelbaumeister Dieter Voigt und Kantor in der Frauenkirche Meißen, hat am Samstag demonstriert, wie Kindern mit einfachen Mitteln musisches Gehör vermittelt werden kann. FOTO: fc
Bad Liebenwerda. Seit mehr als fünf Jahren wird nun bereits um den Aufbau der Orgelakademie Südbrandenburg in Bad Liebenwerda gerungen. Die ersten Teilerfolge sind erreicht. Frank Claus

Ein Förderverein ist gegründet, mit dem Erwerb und der Modernisierung des ehemaligen Druckereigebäudes für Wohnzwecke sollte eine finanzielle Grundlage geschaffen werden. Mieteinnahmen sollen unter anderem zum Aufbau der dahinter liegenden Orgelakademie verwendet werden. Gegenwärtig fließen die nicht ganz wie erhofft.

Inzwischen gibt es etwa 20 Orgeln und Spieltische, die zur Verfügung stehen. Ein Kammermusiksaal und ein Ausstellungsraum sind eingerichtet. Der ehemalige Geschäftsführer der traditionsreichen Bad Liebenwerdaer Orgelbaufirma Dieter Voigt (81) ist unermüdlicher Motor. Und dennoch: So richtig nimmt die Akademie noch nicht Fahrt auf.

Es fehlt ein Projektkoordinator, es fehlt Geld für die Einrichtung dieser Personalstelle und es fehlt am Marketing. Dazu sind Mittel nötig, um die ehemaligen Fabrikräume der einstigen Druckerei weiter zu entwickeln. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat das Projekt gelobt und Unterstützung zugesagt. Auch Kulturministerin Martina Münch (SPD), am Wochenende zu Gast in der Akademie, sieht den riesigen Schatz, den Bad Liebenwerda da habe und vor allem das leidenschaftliche Engagement des Orgelbauers, fordert jedoch eine Gesamtstrategie ein. "Förderverein, Stadt, Kreis und Land müssen gemeinsam an einem Strang ziehen", meint sie. Beim Samstag-Termin hat sie den Kreis vermisst.

Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) indes bekräftigt gestern, als Unterstützer bereitzustehen. "Ich sehe große Chancen, dass der Kreistag den Vorstoß unterstützt, künftig eine Kooperation zwischen Kreismusikschule und Orgelakademie einzugehen", sagt er. Im Land gibt es solche Kooperationen bereits mehrfach, erklärt Katja Bobsin, Sprecherin des Verbandes der Musik- und Kunstschulen. "In zwölf unser 28 Musikschulen wird das Fach Orgel bereits angeboten", sagt sie.

Landrat Christian Heinrich-Jaschinski wolle jetzt jedenfalls schnell zum Telefon greifen, um sich mit der Ministerin über nächste Schritte zu verständigen.

Den größten Schub könnte die Orgelakademie jetzt allerdings von der Universität Potsdam bekommen. Prof. Dr. Birgit Jank, wissenschaftliche Leiterin des Lehrstuhls Musikpädagogik und Musikdidaktik, wolle mit Studenten ein pädagogisch-didaktisches Material erarbeiten, das die musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen weiter vorantreiben soll.

"Wir sind die Einzigen, die für das Ohr zuständig sind", hat sie die Bedeutung der musischen Ausbildung hervorgehoben und erklärt, dass das Orgelthema sehr facettenreich sei. "Du alte Pfeife", so könnte ein Lehrprogramm für die Jüngsten heißen, "Reise durch die Orgel" würde sich an die Klassen 4-6 richten, und im Sekundarschulbereich würde es dem Konzept zufolge um Architektur und Orgelbau gehen. Die Einbeziehung von Studenten in die Akademie könne sie sich dabei gut vorstellen. "Uns geht es um forschendes Lernen", sagt sie und stößt dabei beim Förderverein auf offene Ohren.

Denn der Verein wollte aus der Orgelakademie von Anfang an kein Museum machen, sondern eine Einrichtung zur musischen Bildung. Prof. Dr. Jank: "Wir haben zwei junge Leute, ausgewiesene Fachleute aus der Region, die dieses Projekt vorantreiben würden", erklärt sie gegenüber der Ministerin und wirbt so um die Erteilung eines Lehrauftrages.

Auch Dietmar Menzel, ehemaliger Reiss-Geschäftsführer, und Wolfgang Stier, Variograph-Geschäftsführer - beide Mitglieder im Vorstand des Fördervereins - fordern eindringlich dazu auf, die Bremsen endlich zu lösen und das Projekt in gemeinsamer Kraftanstrengung voranzutreiben. Bad Liebenwerdas ehemaliger Pfarrer Burkhard Behr hat sich bereit erklärt, vorübergehend die Projektkoordination zu übernehmen. Prof. Dr. Jank will helfen, nötige Förderanträge zu qualifizieren.

Wird Dieter Voigts Traum, aus der Kurstadt Bad Liebenwerda auch noch eine Orgelstadt zu machen, doch noch Wirklichkeit?