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| 17:08 Uhr

Wenn sich Mieter und Vermieter streiten
Ohne Wasser und Strom in Hohenleipisch

Das Brauchwasser für die Toilette holen sich die Neu-Hohenleipischer Marika und Berthold Matzke mittels Schwengelpumpe vor der Kirche.
Das Brauchwasser für die Toilette holen sich die Neu-Hohenleipischer Marika und Berthold Matzke mittels Schwengelpumpe vor der Kirche. FOTO: LR / Manfred Feller
Hohenleipisch. Ein Ehepaar zieht in ein sanierungsbedürftiges Haus und streitet sich nun mit der Vermieterin. Jetzt standen sogar zwei Geldeintreiber an der Tür. Von Manfred Feller

Diese Mieter-Vermieter-Geschichte aus Hohenleipisch hat alles, was sich im Normalfall keine Seite wünscht: Aussage gegen Aussage im Streit um Strom und Wasser in einem unsanierten Haus in der Dresdener Straße, verweigerte Kaution und Miete, angedrohter Rausschmiss, Geldeintreiber vor der Tür, Anzeige bei der Polizei und eine drohende Verleumdungsklage.

Vorläufiger Höhepunkt für die beiden Neu-Hohenleipischer Marika und Berthold Matzke sei der unangekündigte Besuch zweier Männer zwischen 20 und 25 sowie 30 und 40 Jahren am Donnerstag irgendwann nach 18 Uhr gewesen. „Entweder Sie zahlen bis Montag Miete und Kaution oder es passiert was. Ein altes Haus steht schnell in Flammen“, gibt die 55-Jährige sinngemäß wieder. Das Ehepaar möge bitte umgehend mit zur  Bank kommen und das geforderte Geld abheben.

Beide hätten es mit der Angst zu tun bekommen. Ihr herzkranker 53-jähriger Mann habe daraufhin 40 Euro übergeben und sich dies quittieren lassen. Nachdem die Männer verschwunden waren, wählte Marika Matzke den Notruf. Da zunächst keine weitere Gefahr gedroht habe, kam ein Beamter am Freitagvormittag zur Aufnahme der Anzeige nach Hohenleipisch.

Der Alltag in dem sanierungs- und renovierungsbedürftigen Haus abseits der Ungereimtheiten muss ohne Strom aus der Steckdose, Lampenlicht und fließendes Wasser funktionieren. „Das Brauchwasser für die Toilette und zum Putzen holen wir uns im Kanister von der Pumpe. Trinkwasser kaufen wir in Flaschen. Licht machen wir uns mit Taschenlampe und Kerzen. Das Handy laden wir bei unserer Nachbarin auf. Kühlschrank und Waschmaschine können wir nicht anschließen“, fasst Marika Matzke zusammen.

Anders geht es derzeit nicht: Die Toilette muss mit Eimer und Grundwasser aus der Dorfpumpe gespült werden.
Anders geht es derzeit nicht: Die Toilette muss mit Eimer und Grundwasser aus der Dorfpumpe gespült werden. FOTO: LR / Manfred Feller

Zur Vorgeschichte dieses alles andere als komfortablen Alltags gibt es widersprüchliche Aussagen. Das Ehepaar ist nach eigenen Angaben vor etwas mehr als zwei Wochen von Gera nach Hohenleipisch gezogen. Auf Arbeitssuche im Zuge seiner Krankheit sei ihr Mann als Autoaufbereiter in Senftenberg fündig geworden. Die günstigste geräumige Wohnung fand sich über das Internet aber in Hohenleipisch. Der Zustand der 96 Quadratmeter auf zwei Etagen habe angesichts von niedriger Kaltmiete (200 Euro)  und 50 Euro Betriebskostenvorschuss nicht abgeschreckt. Renovieren, so sagen sie, wollen sie selbst. Marika Matzke sieht gute Chancen, hier schnell wieder als Berufskraftfahrerin arbeiten zu können.

Der beiderseits unterschriebene Mietvertrag für die Wohn- und Gewerberäume (auf den 20. Juli datiert, unterschrieben am 2. August, Einzug ab 1. September) weist auf den wenig wohnlichen Zustand hin und dass Sanierungs-, Renovierungs- und Reparaturkosten von bis zu 5000 Euro im Jahr (!) vom Mieter zu tragen sind. „Wasser und Strom sollten zu unserem Einzug angeschlossen sein“, versichert Marika Matzke, diese Zusage seinerzeit von der Vermieterin aus dem Havelland erhalten zu haben. Die Vollmacht mit Datum 2. August, wonach sich die Mieter bei den Versorgern selbst und auf eigene Kosten um das Wiederherstellen der Anschlüsse bemühen müssen, habe das Ehepaar nach deren Aussage erst später in Hohenleipisch erreicht. Dem widerspricht die Vermieterin und faxt als Beweis die am 2. August beiderseits unterschriebene Vollmacht.

Das Paar habe sich, so sagt es, bei den Versorgern über die Kosten informiert. Der Wasseranschluss mit Uhr käme mehrere Hundert Euro. Der Stromanschluss mehrere Tausend Euro, weil die Elektrik in dem wohl seit Jahren unbewohnten Haus stark veraltet sei und mindestens teilerneuert werden müsse. Diese hohen Kosten bestreitet die Vermieterin.

So lange Strom und Wasser nicht im Haus fließen, wolle das Ehepaar auch nicht zahlen. Die Vermieterin versteht den ganzen Ärger nicht: „Wir haben alles im Vorfeld besprochen. Sie wollten unbedingt rein.“ Sie weist ebenfalls von sich, dass sie nie erreichbar sei: „Mit uns kann man immer reden.“ Marika Matzke bleibt bei ihrer Version und sagt: „Wenn wir das alles vorher gewusst hätten, wären wir gar nicht eingezogen.“

Inzwischen kennt Bürgermeister Lutz Schumann zumindest einen Teil des Problems. Er möchte helfen. Doch alle kommunalen Wohnungen seien vermietet oder beantragt. Wer etwas anbieten kann, möge sich bei ihm melden.

Der alte Sicherungskasten ohne Zähler. Bei Dunkelheit können sich Marika und Berthold Matzke nur mit Taschenlampe und Kerze im Haus bewegen.
Der alte Sicherungskasten ohne Zähler. Bei Dunkelheit können sich Marika und Berthold Matzke nur mit Taschenlampe und Kerze im Haus bewegen. FOTO: LR / Manfred Feller