| 02:42 Uhr

Streicheleinheiten für eine wiedergekehrte "Verwandte"

Sind stolz auf ihr Werk (v.l.): die Glockenbauer Christopher Walter, Thomas Walter und Nico Schlönert aus Luckau-Uckro sowie Pfarrer Karl- Heinz Zahn.
Sind stolz auf ihr Werk (v.l.): die Glockenbauer Christopher Walter, Thomas Walter und Nico Schlönert aus Luckau-Uckro sowie Pfarrer Karl- Heinz Zahn. FOTO: Veit Rösler/vrs1
Saxdorf. Die Seele der Kirche ist wieder da. Sie hat in mehr als 500 Jahren Kriege und Frieden, Freud und Leid eingeläutet. Veit Rösler/vrs1

Zärtlich, als ob er einen Verwandten von einer langen Reise zurück empfängt, streichelte Pfarrer Karl-Heinz Zahn (77) vorsichtig über das Metall der auf einem Autoanhänger vor den Kircheingang einrangierten Glocke.

In einer bewegenden Zeremonie ist die 521 Jahre alte, kleine Glocke in die Kirche im Pfarrgarten Saxdorf im Beisein des Pfarrers und einiger Einwohner zurückgekehrt. Die Glockenbauer Christopher Walter (27), dessen Vater Thomas Walter (54) und Nico Schlönert (27) aus Luckau- Uckro haben die etwa 200 Kilogramm schwere Bronzeglocke aus einer Glockengießerei in Nördlingen von einer Reparatur abgeholt und dann mit einem Flaschenzug in den Kirchturm gezogen.

Vor zwei Jahren hatte Glockenbauer Nico Schlönert bei der jährlichen Wartung einen Riss festgestellt. Der bereits alte Riss war zu DDR- Zeiten schon einmal repariert worden. In Nördlingen wurde die Glocke auf 400 Grad erhitzt und dann vorsichtig geschweißt. Mehrere Tage musste sie abkühlen. Danach wurde die Schweißnaht geschliffen und die Außenhaut gesandstrahlt.

Die Glocke mit einem Durchmesser von 65 Zentimetern hat noch eine große, ebenfalls aus dem Jahr 1494 stammende Schwester mit einem Durchmesser von 98 Zentimetern. Von beiden Glocken sind Herstellerwerkstatt und Glockengießermeister nicht mehr bekannt. Die kleinere Glocke hat in ihrer Geschichte mehr durchgemacht. Fast wäre sie im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Der Riss stammt aus dem Jahre 1944, als die Glocke als kriegswichtiger Materialspender für die Herstellung von Kanonen eingezogen worden ist. Auf einem Glockenfriedhof in Hamburg wurden die Glocken damals übereinander gestapelt. Durch das enorme Gewicht sind dabei viele Glocken gerissen.

Die 521 Jahre alte Glocke kehrt in die Kirche im Saxdorfer Pfarrgarten zurück.
Die 521 Jahre alte Glocke kehrt in die Kirche im Saxdorfer Pfarrgarten zurück. FOTO: vrs1