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| 17:40 Uhr

60000 Euro für Katastererstellung
Der Straßen-Checker deckt auf

 Die RUNDSCHAU hat am Weg zwischen Zobersdorf und Möglenz den Check gemacht. Die Fahrbahn ist gerade mal noch etwa vier Meter breit, mit Feldrain etwa sechs. Doch das kommunale Flurstück misst in großen Teilen eigentlich 9,50 Meter, so Kämmerer Gerd Engelmann. Die Differenz hat sich die Landwirtschaft „angeeignet“.
Die RUNDSCHAU hat am Weg zwischen Zobersdorf und Möglenz den Check gemacht. Die Fahrbahn ist gerade mal noch etwa vier Meter breit, mit Feldrain etwa sechs. Doch das kommunale Flurstück misst in großen Teilen eigentlich 9,50 Meter, so Kämmerer Gerd Engelmann. Die Differenz hat sich die Landwirtschaft „angeeignet“. FOTO: Frank Claus
60 000 Euro hat Bad Liebenwerda für die digitale Erfassung des Straßennetzes ausgegeben. Demnach bestehen bei einem Drittel der Strecken dringender Handlungsbedarf. Das Verhalten der Landwirtschaft sorgt zudem für Ärger. Von Frank Claus

Im Herbst des vergangenen Jahres hat die Stadt Bad Liebenwerda mit präziser Mess- und Abbildungstechnik einer Erfurter Straßengutachter-Firma 182 Kilometer ihres insgesamt etwa 240 Kilometer langen kommunalen Straßennetzes (inklusive Ortsteile) befahren lassen. Etwa 37 000 Euro, so die damalige Aussage, habe das gekostet. Nun laufen insgesamt 60 000 Euro auf, da jetzt auch das entsprechende Kataster erstellt werde.

Janin Petschke, zuständig für Straßenunterhaltung und den Bauhof, informierte die Abgeordneten in der letzten Stadtverordnetenversammlung der zurückliegenden Wahlperiode über „erste Ergebnisse“, wie sie sagte, die aber noch nicht vollends aussagefähig seien, da die Auswertung der Befahrung noch nicht abgeschlossen sei.

Straßenbefahrung in Bad Liebenwerda offenbart Schäden

Ein Trend ist dennoch erkennbar und lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Bei einem Drittel des Straßennetzes besteht dringender Handlungsbedarf.

Dabei, auch das ließe sich bereits erkennen, gibt es die größten Schäden bei unbefestigten Wegen. Aber auch zahlreiche Asphaltstrecken seien erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Der Zustand der ohnehin in nicht so großem Umfang vorhandenen Beton- und Pflasterstraßen sei im Wesentlichen recht ordentlich.

Die Befahrung habe für die Stadt eine ganze Reihe von Vorteilen. So wurden nicht nur offenkundige Straßenschäden wie Spurrinnen, Schlaglöcher oder Buckel auf vielen Tausend Einzelfotos festgehalten und werden nun ausgewertet. Auch normal, nur schwer oder gar nicht erfassbare Unstimmigkeiten in der Längs- und Querebenheit von Straßenoberflächen oder  feine Rissbildungen, aus denen sich durch die Verkehrsbelastung sehr schnell wieder neue Problemzonen oder Schlaglöcher bilden können, wurden erfasst und werden nun katalogisiert und bewertet. Erfasst wurde auch der Zustand der Muldensteine in Entwässerungsrinnen, Kanaleinläufe und Grundstückszufahrten.

Janin Petschke: „Wenn alles aufgearbeitet ist, verfügt die Stadt über ein flächendeckendes, digitales Deckenbuch und ein fast komplettes Straßenkataster.“ Damit könne die Verwaltung dann sehr zügig Flächenermittlungen am Bildschirm durchführen – zum Beispiel im Vorfeld von Ausschreibungen für Neubau oder Sanierungsarbeiten.

Straßenschäden in Bad Liebenwerda durch die Landwirtschaft

Etwas ärgert sie und Kämmerer Gerd Engelmann, zugleich Leiter Kommunalservice, dann aber doch gewaltig: Das ist der Umgang mit unbefestigten Ortsverbindungswegen, vor allem durch die Landwirtschaft. Am Fall des Weges zwischen Zobersdorf und Möglenz schimpft er: „Sukzessive Feldränder wegpflügen – das ist ein Sport geworden.“ So befinde sich der Weg im kommunalen Besitz und habe in großen Abschnitten eine Grundstücksbreite von 9,50 Meter.

 Zwischen Zobersdorf und Möglenz: So dicht pflügt die Landwirtschaft an den Weg heran.
Zwischen Zobersdorf und Möglenz: So dicht pflügt die Landwirtschaft an den Weg heran. FOTO: LR / Frank Claus

Die RUNDSCHAU hat nachgemessen. An den engsten Stellen sind von Acker zu Acker gerade einmal sechs Meter übrig geblieben (großes Foto). Und der Kämmerer legt nach:  „Wir hatten es schon, dass der Traktorist nicht mal den Pflug angehoben, sondern gleich mal quer über den Weg eine Furche gezogen hat. Das ist Sachbeschädigung ohne Ende!“

Dann verweist er aufs Brandenburgische Straßengesetz, das den Umgang bei Verunreinigungen oder Beschädigungen regelt und wird von den Abgeordneten aufgefordert, Vergehen stärker und schneller zu ahnden.

 Stattliche Bäume werden so in Mitleidenschaft gezogen. In einer jungen Allee sind Bäume abgestorben.
Stattliche Bäume werden so in Mitleidenschaft gezogen. In einer jungen Allee sind Bäume abgestorben. FOTO: LR / Frank Claus

Janin Petschke berichtet, dass das zu nahe Heranpflügen an die Wege einen großen Instandhaltungsaufwand nach sich ziehe. Und das bei allen Belagformen. Die Seiten brechen aus und müssten immer wieder mit Schotter nachverdichtet werden.

Sie bleibt trotz modernster Befahrung realistisch: Im Haushalt stünden momentan 480 000 Euro für die Straßenunterhaltung zur Verfügung. Allein die Sanierung der Straße von Kröbeln in Richtung Schweinfurth in Sachsen würde 100 000 Euro kosten.