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| 16:21 Uhr

Eine Folge des Straßenbaus in Staupitz
Wenn das Grundstück plötzlich tiefer liegt

Vielleicht ist es ein wenig zu hoch gegriffen: Aber etwa in dieser Höhe, die hier die Staupitzerin Astrid Kitzler anzeigt, wird sich der Gehweg befinden.
Vielleicht ist es ein wenig zu hoch gegriffen: Aber etwa in dieser Höhe, die hier die Staupitzerin Astrid Kitzler anzeigt, wird sich der Gehweg befinden. FOTO: LR / Manfred Feller
Staupitz. Der bislang relativ reibungsarme Landesstraßenbau in Staupitz hat ein Anliegerproblem. Wer zahlt die Lösung? Von Manfred Feller

Ein grundhafter Straßenbau wie aktuell mitten durch Staupitz mit Dutzenden bewohnten Grundstücken produziert automatisch Probleme. Doch auf der mehr als einen Kilometer langen Landesstraße 63 läuft es trotz aller Erschwernisse erstaunlich ruhig. Anlieger und Bauleute haben sich arrangiert. Unstimmigkeiten werden meistens auf kurzem Wege mit der Bauleitung geklärt. So ist es jedenfalls zu hören.

Anders vor der Haustür von Astrid Kitzler. Dort hat sich spätestens seit dem Setzen der mächtigen Betonborde für die neue Grünewalder Straße Unmut breit gemacht. Wie nicht selten seit Jahrzehnten im Bundesgebiet üblich, wachsen die Straßen bei jeder Baumaßnahme ein Stück in die Höhe. Nicht anders ist es in Staupitz. Bei den meisten Grundstücksausfahrten kann dies problemlos ausgeglichen werden. Jüngere Häuser sind ohnehin oft ein Stück über dem alten Straßenniveau gebaut worden. Das Haus von Astrid Kitzler steht seit 1895 und damit aus heutiger Sicht sehr tief.

Noch fällt es kaum auf, aber wenn der Gehwegbereich zwischen Straßenbord und Grundstücksgrenze aufgefüllt und gepflastert wird, dann wird es deutlich und nicht gerade schön. Vorgarten und Begrenzungshecke werden sichtbar niedriger liegen. Der Passant schaut herab. Die Antworten, die Astrid Kitzler hier und da erhalten hat, erstaunen sie schon: „Pech gehabt“ oder „Dann müssen Sie eben den Vorgarten anheben.“ Die Hecke in der Breite zu verschneiden, damit die Gehwegborde gesetzt werden können, sei noch das geringste Probleme. Besser wäre, so hieß es, das Grün zu entfernen und Zaunsäulen zu setzen. „Wir sind nicht die Verursacher des Straßenbaus und sollen Veränderungen an der Grundstückseinfriedung bezahlen. Das sehen wir nicht ein. Andere werden entschädigt“, wehrt sich die Staupitzerin.


Das ist in etwa die Höhe des künftigen Gehweges. Eine Stufe entsteht in der Grundstücksausfahrt.
Das ist in etwa die Höhe des künftigen Gehweges. Eine Stufe entsteht in der Grundstücksausfahrt. FOTO: LR / Manfred Feller

 Ebenso strittig sei das Nachbessern der langen Garagenausfahrt auf die Straße. Durch den absehbar höheren Gehweg entsteht eine Stufe (siehe kleines Foto) direkt an der Grundstücksgrenze. Ein Lastwagen oder ein Panzer könnten diese Hürde nehmen, ein Auto schadlos nicht. Also muss die mit Rasengittersteinen ausgelegte Ausfahrt rampenähnlich angepasst werden. Kein Problem für die Bauleute. „Aber wir sollen das komplett bezahlen“, glaubte Astrid Kitzler ihren Ohren nicht zu trauen.

Sie verweist angesichts der plötzlich angekündigten Zusatzkosten auf das Brandenburgische Straßengesetz. Im Paragraf 22, Absatz 5, heißt es unter anderem: „Werden auf Dauer berechtigte Zufahrten oder Zugänge durch die Änderung oder Einziehung von Straßen unterbrochen oder wird ihre Benutzung erheblich erschwert, so hat der Träger der Straßenbaulast einen angemessenen Ersatz zu schaffen oder, soweit dies nicht zumutbar ist, eine angemessene Entschädigung in Geld zu leisten…“ „Genau das trifft hier zu. Durch die entstehende Stufe können wir mit dem Auto nicht mehr rein- und rausfahren“, so Astrid Kitzler. Das Grundstück hat zwei Zufahrten. In der problematischen steht  ausgerechnet  die  Garage.

Nach ihren Worten werden alle Grundstücksbesitzer durch den Landesstraßenbau und einhergehende Leitungserneuerungen ohnehin schon finanziell ordentlich belastet. Die avisierten anteiligen Kosten für Gehweg, Beleuchtung und Einfahrtpflasterung betragen in ihrem Fall 2800 Euro. Ungerecht findet sie (was bundesweit immer wieder hinsichtlich eines allgemeinen Solidaritätsbeitrages aller Bewohner eines Ortes diskutiert wird), dass Grundstücksbesitzer aus Nebenwegen/-straßen als Gehwegnutzer unbehelligt davonkommen.

Vor dem heutigen Straßenbau: Fahrbahn, Gehweg und Grundstück der Familie Kitzler hatten etwa ein Höhenniveau. Das ändert sich gravierend.
Vor dem heutigen Straßenbau: Fahrbahn, Gehweg und Grundstück der Familie Kitzler hatten etwa ein Höhenniveau. Das ändert sich gravierend. FOTO: Privat

Gezahlt werden muss in der Grünewalder Straße auch für die neue Trinkwasserleitung von der Grundstücksgenze bis zum Haus und für den neuen Stromanschluss im Haus. In Summe seien das mit dem Gehweg etwa 4000 Euro. Andere Staupitzer zahlen mehr, einige weniger. Zusätzliche private Kosten für die Grundstückseinfriedung und das Anpassen der einen Zufahrt kommen für Astrid Kitzler nicht infrage.

Das sieht auch Bürgermeister Fred Wickfeld nicht anders: „Wenn allen anderen geholfen wird, dann sollte das auch hier geschehen. Es muss eine einvernehmliche Lösung geben.“ Wäre das Niveau der Straße den kritisch tief liegenden Grundstücken planerisch angepasst worden, hätte die Mehrheit Probleme. Hier aber solle eine Minderheit extra belastet werden.

Astrid Kitzler soll diese Zeichnung deuten. Welcher Laie kann das?
Astrid Kitzler soll diese Zeichnung deuten. Welcher Laie kann das? FOTO: LR / Manfred Feller

Rolf-Rainer Hamann vom Bauherrn Landesbetrieb Straßenwesen bestätigt, dass es sehr kompliziert ist, auf dieser Länge wie in Staupitz ein gleichmäßiges Straßenniveau herzustellen und dabei die unterschiedlichen Grundstückshöhen zu beachten. Die Straße konnte aufgrund des einzuhaltenden Mindestabstandes zu den unterirdischen Leitungen auch nicht tiefer ausgekoffert werden. Davon hat auch Astrid Kitzler erfahren.

Wenn der Gehweg nach dem Winter, etwa im März/April, gebaut werde, so Rolf-Rainer Hamann, dann werde es einen neuen Vor-Ort-Termin mit Lösungsvorschlägen geben.

Offen bleibt nach wie vor, wer die Kosten trägt.