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Aus dem Gericht
Strafe wegen Kinderpornos aus Internet

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Bad Liebenwerda. Ein wegen sexuellen Missbrauchs vorbestrafter ehemaliger Herzberger kommt erneut mit Bewährung davon. Dem Gericht erscheint glaubhaft, dass er sein Leben geändert hat.

Der ehemalige Herzberger Jan B. (Name geändert) ist ein Wiederholungstäter. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs an einem Kind wird er im Februar 2013 am Amtsgericht Bad Liebenwerda zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungszeit war im Frühjahr verstrichen. Die Strafe wurde im April dieses Jahres erlassen.

Jetzt steht er erneut vor Gericht. Wieder geht es um Kinder. Die Staatsanwaltschaft wirft im vor, zwischen Ende Oktober 2010 und April 2013 pornografische Schriften, in denen Kinder zu sehen sind, besessen zu haben. Schriften heißt, dass er Dateien aus dem Internet heruntergeladen hat. Und das nicht wenige. In einem nachgewiesenen Fall vom 9. März 2013 dauerte der Vorgang annähernd zwei Stunden.

Im Anklagevorwurf wird detailliert beschrieben, was zu sehen ist: Unterschiedliche Sexpraktiken minderjähriger Mädchen mit Männern, vor allem aber von Jungen unter 14 Jahre mit Frauen. Die Sachverständige der Polizei schildert, das allein auf einem der sichergestellten Rechner mehr als 500 Dateien mit verdächtigen Bildern und Videos manuell gesichtet worden sind. Aufgrund der anklagereifen Menge sei der gelöschte Bereich des Computers erst gar nicht untersucht worden.

Eine unter Umständen langwierige Verhandlung mit mehreren Zeugen und mehr als einem Verhandlungstag kann umgangen werden, wenn der Angeklagte gesteht, die am Prozess Beteiligten sich verständigen und sich auf ein angemessenes Urteil einigen. Dieses liegt hier nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwischen neun Monaten und einem Jahr Haft auf Bewährung, plus diverser Auflagen.

Richter Egon Schaeuble und die beiden Schöffen ziehen sich zur Beratung zurück. Nach ein paar Minuten heißt es: „Eine Verständigung wird nicht gewünscht.“ Der Prozess nimmt nun den üblichen Gang mit Beweisaufnahme und Urteil.

Jan B. äußert sich nicht selbst, vielmehr sein Anwalt Malte Höpfner. Die Taten waren so, wie sie in der Anklage stehen, lautet das Geständnis. Allerdings schiebt der Rechtsbeistand hinterher, dass sein Mandant zu jener Zeit Probleme hatte.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist es schon ziemlich heftig, dass  Jan B. nach der Verurteilung wieder straffällig geworden war. Erneut geht es um Kinder. Der heute 47-Jährige schildert seine damalige Lage: keine Freundin, der Sohn drogensüchtig. „Ich hatte keinen Halt, habe mich verführen lassen. Es war eine Dummheit“, sagt er.

Ob er diese sexuelle Präferenz seit seiner Pubertät habe, will der Staatsanwalt wissen. „Nein“, so Jan B. In einer Beziehung habe er nie Dateien mit kinderpornografischen Inhalten heruntergeladen. Aber wenn, dann seien diese vornehmlich auf Jungen bezogen?, hakt der Staatsanwalt nach. Es kommt ein kurzes „Ja“ von Jan B., um dann nachzuschieben, dass er seine Vergangenheit hinter sich lassen will. Deswegen sei er, der gelernte Facharbeiter für Eisenbahn- und Transporttechnik, von Herzberg nach Berlin gezogen. Dort habe er weder Internet noch einen Laptop. „Nachweislich“, wie er behauptet. „Arbeit und Beziehung sind mir wichtiger“, versichert der gepflegt daherkommende Mann mit Kinnbärtchen, in schwarzer Stoffhose, weißem Hemd, Weste und passender Krawatte. So könnte er durchaus als Geschäftsmann durchgehen.

„Seit zwei Jahren bin ich in einer neuen Beziehung und verlobt. Sie weiß über alles Bescheid“, sagt Jan B. Die beiden wohnen allerdings getrennt.

Sein Geständnis, sein Verhalten vor Gericht, seine Reue scheinen glaubhaft. Zumal er sich seit zwei bis drei Jahren freiwillig einer Therapie unterziehe, die sich speziell mit der Pädophilie auseinandersetzt. Die Sitzungen fänden einmal monatlich statt. Die letzte liege allerdings schon ein halbes Jahr zurück. Es sei schwer, eine Therapie zu erhalten. Er erlerne Vermeidungsstrategien und halte sich von Kindern fern, ergänzt sein Anwalt.

Laut dem Bundeszentralregister ist Jan B. kein unbeschriebenes Blatt. In den Jahren 2010/11 sei er dreimal wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis erwischt und verurteilt worden. 2013 folgte die Haftstrafe auf Bewährung wegen des sexuellen Missbrauchs. Zuvor hatte er eine Frau über das Internet kennengelernt. In deren Abwesenheit passte er auf deren Kinder auf. Dabei sei es zu den sexuellen Handlungen an dem Sohn der Frau gekommen.

In seinem Plädoyer sieht der Staatsanwalt den Anklagevorwurf durch das Geständnis und die Beweise bestätigt. „Wer sexuellen Missbrauch begeht, müsste wissen, wie solche Bilder entstehen“, wirft er dem Angeklagten vor, nach der Verurteilung rückfällig geworden zu sein. Gefordert wird angesichts der guten Sozialprognose ein Jahr Haft. Die Bewährungszeit sollte mit drei Jahren deswegen so lange ausgesprochen werden, weil sich beim Aufdecken von Pädophilenringen irgendwo auf der Welt neue Erkenntnisse ergeben können und die Ermittlungen viel Zeit brauchen. Auch eine Geldauflage in Höhe von 2500 Euro wird für angemessen erachtet.

Die Geldstrafe sollte angesichts der erheblichen Schulden seines Mandanten höchstens 1500 Euro betragen, plädiert Anwalt Malte Höpfner. Für die Taten sollte maximal eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung ausgesprochen werden.

Der Rechtsbeistand argumentiert, dass sein Mandant keiner Kern-Pädophilie unterliegt, sondern einer weniger stark ausgeprägten Seitenströmung. Seine privaten Probleme hätten ihn in eine depressive Phase mit verminderter Urteilsfähigkeit geführt. Dabei sei die Verhaltensströmung aufgebrochen.

Der Anwalt zeigt sich jedoch weit davon entfernt, diese strafbare Neigung zu verharmlosen. Er findet vor Gericht vielmehr die richtigen Worte: „Pädophilie ist etwas, das man sich nicht aussucht. Aber man muss dagegen kämpfen.“ Die Taten seien nicht zu entschuldigen. Jan B. befinde sich auf einem schwierigen Weg.

Vor dem Urteil entschuldigt sich der Angeklagte für das, was er getan hat. „Ich hoffe auf eine milde Strafe“, sagt er noch.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Egon Schaeuble urteilt härter als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Es bleibt bei der Haftandrohung von einem Jahr, aber die Bewährungszeit wird auf vier Jahre festgesetzt. Zudem muss der 47-jährige Bahnmitarbeiter, der etwa 1500 Euro netto im Monat verdient, 2500 Euro an ein Jugend- und Fürsorgehilfswerk zahlen. Binnen sechs Monaten nach Rechtskraft des Urteils hat er zudem eine Therapie mit mindestens zwölf Sitzungen anzutreten. Ein Bewährungshelfer wird ihm zur Seite gestellt. „Wir haben Vertrauen in Sie, diesen Trieb in Zaum zu halten. Wir müssen dies aber kontrollieren“, begründet der Schöffenrichter die lange Bewährungszeit.

Die Reaktion von Jan B. zeigt, dass er gewillt ist, sich zu ändern. Das Urteil ist sofort rechtskräftig, weil er und die Staatsanwaltschaft dieses akzeptieren und keine Rechtsmittel einlegen wollen.