Es sah schon drollig aus, wie er da am Freitag an der Bushaltestelle in Oschätzchen auf und ab lief als würde er auf den Bus warten. Doch Einwohnern war schnell klar. Dieser Weißstorch „wartet“ nicht auf den Bus, sondern benötigt Hilfe. Er konnte nämlich nicht mehr fliegen.
Am Samstag war er tagsüber plötzlich weg, tauchte in den Abendstunden aber wieder auf. Jens Berger aus Bad Liebenwerda erhielt die Nachricht vom kranken Storch, fuhr heraus und stellte fest: „Hier muss fachkundige Hilfe her.“

Handschwingfedern am Flügel des Storchs abgebrochen

Naturpark-Ranger Tino Gärtner wurde informiert, der schließlich gegen 22.30 Uhr eintraf. Der ängstliche Storch konnte in dem schmalen Spalt zwischen Bushaltestelle und einer Grundstücksmauer – dort hinein hatte sich das Tier zurückgezogen – gemeinsam mit Einwohner Dieter Bruschwitz gefangen werden.

Bad Liebenwerda

Eine erste Untersuchung ergab, dass sich der große Altvogel scheinbar nichts gebrochen hatte. Tino Gärtner: „Allerdings war ein ganzer Teil der Handschwingfedern am linken Flügel abgebrochen und die frisch gemauserten Kiele bluteten stark.“ Der Ranger nahm das Tier über Nacht mit zu sich nach Hause, desinfizierte die Wunden, versorgte es mit stärkenden Eintagsküken als Futter, erfasste gemeinsam mit Holger Teichert aus Kosilenzien die biometrischen Daten und legte ihm einen Ring der Vogelschutzwarte an. Anmerkung: Diese Aufgabe erfüllt der Ranger komplett ehrenamtlich!

Verletzter Storch ist jetzt in der Pflegestation Reddern

Am nächsten Tag brachten ihn beide in die Pflege und Aufzuchtstation nach Reddern. Dort wird er ein Jahr bleiben, denn mit seinen Verletzungen würde er den Flug in sein Überwinterungsquartier nicht schaffen. Der zweite Altstorch muss nun den Nachwuchs auf dem Horst allein versorgen.