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Digitalisierung
Staupitz will das schnelle Internet

Die Glasfasern lassen auf sich warten. Im Landkreis Elbe-Elster gibt es noch viele schlecht versorgte Orte. Das Amt Plessa will Tatsachen schaffen.
Die Glasfasern lassen auf sich warten. Im Landkreis Elbe-Elster gibt es noch viele schlecht versorgte Orte. Das Amt Plessa will Tatsachen schaffen. FOTO: Fotolia / ZB
Staupitz. Der Staupitzer Bürgermeister Fred Wickfeld hat wie so viele Einwohner den Kanal voll mit den Datenleitungen aus der Urzeit der Telekommunikation. Weil sich viele ländliche Gebiete aus der Sicht großer Unternehmen nicht wirtschaftlich erschließen lassen, werden sie links liegen gelassen. Manfred Feller

Es sei denn, Bund und Land helfen mit Millionenspritzen in den betreffenden Landkreisen nach. Auch Elbe-Elster wird davon profitieren. Doch wann?

Fred Wickfeld möchte nicht mehr warten. Mit einer Downloadgeschwindigkeit von 500 Kbit/s läuft nicht nur sein Rechner im Bergschneckentempo. "Das ist viel zu wenig", kritisiert er den Zustand. Weil sich nichts bewegt, habe die Gemeinde mit der Amtsverwaltung in Plessa selbst die Initiative ergriffen.

Eine Firma aus Lauchhammer hat ihr Konzept den Gemeindevertretern für Staupitz vorgestellt. Heute Abend um 18 Uhr geschieht dies noch einmal vor interessierten Einwohnern in der Gaststätte "Zum Braukrug".

Fred Wickfeld weiß, dass das Unternehmen aus dem Nachbarkreis zügig zu handeln weiß. "Ich kenne die Erschließung in Grünewalde", zeigt er sich überzeugt. Wenn viele Staupitzer das Glasfaserkabel mit der schier unendlichen Durchleitkapazität wünschen, soll dieses während des Landesstraßenbaus im kommenden Jahr verlegt werden. Der Bereich zwischen Straße und Grundstücksgrenzen muss dann nicht noch einmal aufgerissen werden. Und es spart Kosten.

Die Firma LKG Lausitzer Kabelbetriebsgesellschaft mbH aus Lauchhammer hat einschlägige Referenzen und hält sich nicht lange mit der Vorrede auf. In Kleinleipisch, einem Ortsteil von Lauchhammer, lag zwischen dem mehrheitlichen Wunsch der Einwohner bis zum Baustart gerademal ein halbes Jahr. "Die ersten 50 Häuser sind am Netz", weiß Andreas Paul, Leiter Marketing und Vertrieb. 2018 soll Kleinleipisch mit seinen rund 300 Haushalten komplett mit Glasfaser versorgt sein. "Wir erschließen alles privatwirtschaftlich", sagt Andreas Paul. Bei den Datennutzungspreisen orientiere man sich am Markt.

Grünewalde war das erste von der LKG voll erschlossene Dorf als Alternative zu einem Großanbieter. Binnen zwei Jahren bis 2016 haben 580 Haushalte das Breitband erhalten. 331 nutzen es bereits. Kostebrau, ebenfalls mit vielen Nebenstraßen, soll 2018 am Netz sein.

"Wenn die Einwohner es wollen, setzen wir das auch in Staupitz um", versichert der Vertriebsleiter. Eine Befragung werde es nicht geben. "Die positive Tendenz reicht uns, damit wir sofort planen können", sagt Andreas Paul.

Den derzeitigen Versorgungszustand in den Amtsgemeinden kritisiert auch der Plessaer Amtsdirektor Göran Schrey und meint: "Glasfaser ist die Zukunft. Sie soll in jedes Haus. Das ist unser Ziel im Amt Plessa." Und Staupitz möge den Anfang machen. Das Dorf wäre der erste Ort in Elbe-Elster, den die Lauchhammeraner komplett verkabeln.

Staupitz mit etwas mehr als 170 Haushalten werde derzeit nach Kenntnis von Andreas Paul über eine Oberleitung versorgt. Wo lediglich eine Kupferleitung verlegt ist, verschlechtere sich die Datenleistung mit zunehmender Entfernung vom Eintrittspunkt. Bei Glasfaser spiele der Weg keine Rolle.

Die Ausgangslage für die Plessaer Amtsgemeinden ist gut. Die Glasfaserleitung liegt in Grünewalde an. Bis Staupitz seien es nur etwa zwei Kilometer. Die Glasfasern werden straßenweise und dann in einem nur sieben Millimeter starken Röhrchen bis in jedes Haus verlegt, wo eine Minibox angebracht wird. Diese Grunderschließung sei kostenfrei. Erst wenn der potenzielle Kunde das Breitband nutzen möchte, zahle er für den Anschluss einmalig weniger als 100 Euro. Hinzu kommen die üblichen Gebühren für den gewählten Tarif. Obwohl eine Glasfaser für ein Einfamilienhaus und alle Nutzungsarten wie Telefonie, Internet, TV und Radio ausreiche, werden zwei verlegt.

Als Alternative zum aktuellen Festnetz hat die LKG in Elbe-Elster mehrere Funkstrecken aufgebaut, auch von Plessa aus für die Umgebung. Doch der Funk, auch als ÜDSL bezeichnet, hat einen entscheidenden Nachteil. "Richtfunk ist Sichtfunk. Wenn die Strecke zum Beispiel durch größer werdende Bäume beschattet wird, sinkt die Leistung", so Andreas Paul. Über den Richtfunk seien ansonsten Downloadgeschwindigkeiten von mindestens sechs bis zwölf Mbit/s möglich. Firmen, die von heute auf morgen eine schnelle Verbindung brauchen, würden diese Technik gern als Übergang nutzen, bis Glasfaser verlegt ist.

Der Staupitzer Bürgermeister Fred Wickfeld will mit dem Unternehmen aus Lauchhammer den Wettbewerb ankurbeln. "Ich möchte für uns eine kostengünstige Glasfaserversorgung von mehreren Anbietern", sagt er. Im Zuge des Straßenbaus fordere die Gemeinde, dass die Telekom alle ihre das Ortsbild beeinträchtigenden Masten abbaut und die Leitungen unterirdisch verlegt. Die Rückmeldung stimmt den Bürgermeister allerdings wenig optimistisch.