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| 19:07 Uhr

Neues Zeitalter in Staupitz
Die Dörfler surfen jetzt wie die Großstädter

 Übersicht ist für Philipp Fliegel, Bereichsleiter bei der Firma LKS Lauchhammer, alles. In der Kopfstelle in der Grünewalder Straße in Staupitz ist jedem zu versorgenden Haus ein 7-Millimeter-Leerrohr zugeordnet. Da hindurch werden die Glasfasern bis zum Abnehmer maschinell „gepustet“.
Übersicht ist für Philipp Fliegel, Bereichsleiter bei der Firma LKS Lauchhammer, alles. In der Kopfstelle in der Grünewalder Straße in Staupitz ist jedem zu versorgenden Haus ein 7-Millimeter-Leerrohr zugeordnet. Da hindurch werden die Glasfasern bis zum Abnehmer maschinell „gepustet“. FOTO: LR / Manfred Feller
Staupitz. Nach einem Jahr Bauzeit: Die ersten Staupitzer sind dank der Glasfasern nun superschnell im Internet unterwegs.

Ein größerer Kontrast geht nicht: In Staupitz begegnen sich die Ur-Zeit und die Gegenwart der Telekommunikation. Auf der einen Seite stehen an der gerade erneuerten Landesstraße 63 die alten Telefonmasten mit der altbackenen Oberleitung (alle Bemühungen zum Rückbau sind gescheitert) und darunter ist unsichtbar die Moderne vergraben.

Vor einem Jahr war Baustart

Am Mittwoch hat die Firma LKG Lausitzer Kabelbetriebsgesellschaft mbH aus Lauchhammer als privater Eigentümer und Betreiber den ersten Bauabschnitt ihres Gigabit-Glasfasernetzes offiziell in Betrieb genommen. Das Datum ist kein Zufall. „Heute liegt der Baustart genau ein Jahr zurück“, steht Daniel Niebuhr, Leiter Operatives Geschäft beim Schwesterunternehmen LKS Lausitzer Kabel Service GmbH Lauchhammer als Erbauer, die Freude ins Gesicht geschrieben.

Der erste Kunde ist am 17. April ans Netz gegangen. Bald darauf war auch der Initiator dieser Zukunftsinvestition, der ehrenamtliche Bürgermeister Fred Wickfeld, superschnell im Internet unterwegs. Den ersten neidvollen Kommentar habe er schon geerntet. Sein Sohn ist Kommunikationselektroniker in Berlin. „Das kann doch nicht sein! Jetzt habt ihr auf dem Land eine bessere Technik als wir“, habe dieser gestaunt.

Beim Filmegucken wackelt nichts mehr

So ist es. Die angeschlossenen Staupitzer sind jetzt je nach dem eingekauften Paket mit bis zu 200 Megabit/s unterwegs. Bis zu zehn Gigabit/s seien derzeit möglich. Das reicht locker, um Internet, Telefonie und TV parallel zu betreiben. Fred Wickfeld hat den Sprung von mickrigen 500 Kbit/s auf 100 Mbit/s gewagt. „Vorher hatte ich im Internet Ausfälle und Ruckelbilder. Verpasste Fernsehsendungen konnte man in der Mediathek gar nicht gucken. Auch die zwischenzeitliche Funklösung war nichts Richtiges“, sei er nun absolut zufrieden und beobachtet: „Plötzlich kommen andere Anbieter mit ihrer Werbung.“ Die bisherigen Telekommunikations-Platzhirsche sähen nach Jahren der oft stiefmütterlichen Behandlung des ländlichen Raumes jetzt auch in Staupitz ihre Kundschaft davonlaufen. Der regionale Anbieter aus Lauchhammer nehme es mit seinem, wie er sagt, preislich konkurrenzfähigen Angebot mit den Wettbewerbern auf.

 Die Lauchhammeraner Firma LKS Lausitzer Kabel Service GmbH hatte den Landesstraßenbau in Staupitz genutzt, um zu jedem Haus der kilometerlangen Grünewalder Straße und in den Nebenstraßen Leerrohre für die Glasfaserleitungen zu verlegen. Das hat erhebliche Kosten gespart.
Die Lauchhammeraner Firma LKS Lausitzer Kabel Service GmbH hatte den Landesstraßenbau in Staupitz genutzt, um zu jedem Haus der kilometerlangen Grünewalder Straße und in den Nebenstraßen Leerrohre für die Glasfaserleitungen zu verlegen. Das hat erhebliche Kosten gespart. FOTO: LR / Manfred Feller

Vor der Investition wird genauestens gerechnet

Allerdings sei im Vorfeld, nachdem die Staupitzer Suche nach einem Partner aus der Wirtschaft Erfolg hatte, lange gerechnet worden. Für Staupitz sprach, so Daniel Niebuhr, dass die Hauptglasfaserleitung nicht weit entfernt vom Ort entlang führt. Genauso wichtig: Die Firma LKS musste keinen Weg aufreißen, sondern konnte sich bei der Straßenerneuerung einklinken. „Beim Netzausbau verursacht der Tiefbau etwa 70 Prozent der Gesamtkosten. Durch die Kooperation konnten wir diesen Anteil um rund die Hälfte reduzieren“, so Daniel Niebuhr. Diese für alle Seiten kostengünstige und zum Nachahmen empfohlene Methode brachte die Firma schon zweimal in das Finale um den Europäischen Breitband-Award. Zur Rentabilität gehöre auch, dass sich mindestens die Hälfte der Haushalte in einem zu erschließenden Gebiet für Glasfaser entscheide.

Der Breitbandausbau hat in Staupitz bislang ungefähr 120 000 Euro gekostet. Der zweite Abschnitt folge mit dem grundhaften Ausbau der anderen Landesstraße. Der Ort hat etwa 160 Haushalte. Die Hälfte habe inzwischen Glasfaserleerrohre. Die Lichtleiter (jeder erhält zukunftsweisend vier, obwohl einer ausreichen würde) werden nun individuell auf Bestellung „hineingepustet“.

LKS hat bereits Teile von Lauchhammer mit Grünewalde und Kleinleipisch ausgestattet und arbeitet derzeit in Schwarzheide, Ruhland und Frauendorf.

(mf)