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Stattliche Weihnachts- und Silvesterkarpfen
Gute Ernte bei Fischzug im Maasdorfer Teich

Sind Schlammspritzer im Gesicht so etwas wie die Taufe zum Fischer? Wenn ja, dann darf sich Patrick Obenaus aus Theisa — in diesem Jahr zum ersten Mal dabei — nun in die Gilde aufgenommen fühlen. Er hat viel Spaß beim Abfischen.
Sind Schlammspritzer im Gesicht so etwas wie die Taufe zum Fischer? Wenn ja, dann darf sich Patrick Obenaus aus Theisa — in diesem Jahr zum ersten Mal dabei — nun in die Gilde aufgenommen fühlen. Er hat viel Spaß beim Abfischen. FOTO: Frank Claus / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Thalberg. Schlammspritzer im Gesicht gehören beim Abfischen dazu

Es ist ein schöner Herbstmorgen. Die Sonne geht auf und blitzt immer wieder rot-gold glänzend durch die Wolkendecke.  Etwa 20 Helfer legen am Sonnabend ab 7 Uhr los. Eine Truppe steht im  etwa hüfthohen Wasser und zieht zum ersten Mal das Netz in Richtung Ufer. Dort sind die Fischrutsche und die Wasserbehälter, in die die Schuppentiere je nach Größe einsortiert werden, aufgebaut. Der Kran, der hilft, den vollen Kescher mit zappelnden Karpfen zur Sortierstrecke zu bringen, ist zwar nicht mehr der jüngste, dafür aber robust. Auch an diesem Tag wird er ohne Probleme seine Arbeit verrichten.

Jeder der Männer - eine Fischersfrau gibt es bei dieser Arbeit übrigens  nicht, weiß, was er zu tun hat. Die meisten sind seit Jahren dabei. Außer Patrick Obenaus aus Theisa. Für den ist das diesjährige Abfischen eine Premiere. Dass er noch nicht weiß, wenn man sich am besten abducken oder das Gesicht zur Seite drehen muss, verdeutlichen die vielen Schlammspritzer in seinem Gesicht. Oder ist es die Taufe, um als Fischer anerkannt zu werden? Patrick Obenaus lacht. Ihm macht die Arbeit an frischer Luft großen Spaß. Inzwischen haben sich die ersten Schaulustigen, im Laufe des Tages werden es immer mehr, am Teichrand versammelt.

Karsten Lehmann aus Theisa ist extra aus der Nähe von Frankfurt/Main (Hessen), angereist, um beim Abfischen zu helfen. Sein Vater Wolfgang ist seit Jahren dabei. „Jetzt muss ich langsam in seine Fußstapfen treten“, sagt Karsten und lacht. Denn die Plätze an der Fischrutsche werden scheinbar vererbt. Doch was ist das? Auch Vater Wolfgang, ein alter Hase beim Abfischen, haben Schlammspritzer das Gesicht gezeichnet. Klar, wer einen Moment nicht aufpasst, bekommt das Ergebnis des permanenten Flossenschlags zu spüren. Wolfgang Lehmann nimmt zwei Hände Teichwasser aus den Behältern, in denen sich die Fische tummeln und spült sich das Gesicht. „Alles Natur“, sagt ein anderer und grient.

Schwerstarbeit hat der Mann am Kescher zu leisten, denn obwohl der am Kranhaken hängt — das Fanggerät durch die dicht aneinander gedrängten Karpfen zu führen, verlangt Muckis.

Immer 250 Kilogramm kommen in die große Auffangschale und werden von dort aus auf die bereitgestellten Tanks auf dem Traktor-Anhänger verladen. Die Fische kommen dann zur Zwischenhälterung ins klare Wasser in die großen Becken direkt auf dem Hof der Teichwirtschaft.

Gegen 13 Uhr steht fest: Die Ernte ist sehr ordentlich. Und das, obwohl Kormorane und Co. immer noch große Sorgen bereiten. Da helfen auch die mehrmals täglich abgegebenen Vergrämungsböller, die das gefräßige Federvieh von den Teichen vertreiben sollen, nur begrenzt.

„Der Jahresverlauf ist uns entgegen kommen“, sagt Toni Richter, Juniorchef der Thalberger Teichwirtschaft Ulrich Richter. Der Sommer sei nicht so heiß gewesen, es habe durch den Regen immer wieder

Frischwasserzufuhr und Sauerstoffeintrag gegeben. „Wir konnten kontinuierlich füttern“, so der Teichwirt. Wären da nicht die Sturmschäden mit den vielen umgekippten Bäumen gewesen — „an manchen Tagen hatten wir fast nur die Kettensäge in der Hand“ — wäre es ein sehr, sehr ordentliches Jahr geworden.

In dieser Woche wird übrigens nachgefischt. Dann wird die Fischgrube entschlammt und schließlich soll auch noch ein Teichmönch, das ist ein Bauwerk zur Wasserüberleitung, instand gesetzt werden. Danach wird der Teich wieder voll gelassen.

Die meisten Fische der Thalberger Teichwirtschaft – neben Karpfen sind es auch Schleie, Hecht und Zander – werden über den heimischen Hofladen an die Kunden vertrieben. Aber auch Fischhändler rund um Berlin und an der Havel werden beliefert. Karpfen, so Toni Richter, ist sehr gesund und schmeckt nicht nur zu Weihnachten und Silvester. „Früher hat man mal gesagt, Karpfen kann man in allen Monaten, die ein ,r‘ im Wort haben, essen. Das war so, weil das die kühlen Monate sind und der Frischfisch zügig verbraucht werden muss. Aber heutzutage geht mit der Kühlung ja alles anders.“

An der Rutsche werden die Karpfen nach Größe sortiert und von anderen Fischarten getrennt. Zugleich werden sie gewogen. Das Ergebnis: 2017 bringt der Thalberger Teichwirtschaft eine gute Ernte.
An der Rutsche werden die Karpfen nach Größe sortiert und von anderen Fischarten getrennt. Zugleich werden sie gewogen. Das Ergebnis: 2017 bringt der Thalberger Teichwirtschaft eine gute Ernte. FOTO: Frank Claus / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Wie der Vater so der Sohn: Karsten Lehmann (l.) will in die Fußstapfen seines Vaters Wolfgang treten.
Wie der Vater so der Sohn: Karsten Lehmann (l.) will in die Fußstapfen seines Vaters Wolfgang treten. FOTO: Frank Claus / Medienhaus Lausitzer Rundschau