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| 01:06 Uhr

Start ins Maut-Zeitalter überwiegend problemlos

Region.. Seit dem 1. Januar müssen Lkw-Fahrer auf den deutschen Autobahnen Maut bezahlen. Die meisten Fahrer von Speditionen starteten Sonntag Nacht oder Montag Morgen. Nur wenige Erfassungsgeräte funktionierten nicht. Eine Spedition aus Hirschfeld bei Elsterwerda bezahlte für dieselbe Strecke zwei Preise. Von Christina Dirlich

Zehn Fahrer des Transportunternehmens Hofmann aus Elsterwerda waren am Montag unterwegs. „Gestern meldete ein Fahrer, dass sein Gerät ausgefallen war, er musste sich manuell einwählen, von den anderen habe ich bislang nichts Negatives gehört“ , sagt Hans-Peter Hofmann, der Unternehmenschef. Seine Mitarbeiter fahren durch ganz Deutschland. Im Dezember waren die Mauterfassungsgeräte eingebaut worden. Dass Lkw-Fahrer in Zukunft auf Bundesstraßen ausweichen werden, um Geld zu sparen, glaubt Hans-Peter Hofmann nicht: „Das würde nichts bringen, weil Zeit verloren ginge.“ Zudem sei gerade in den neuen Bundesländern ein Großteil der Bundesstraßen nicht gut genug ausgebaut. Bundesstraßen, die wie in den alten Ländern parallel zur Autobahn verlaufen, gebe es hier nicht, so Hofmann.
Ähnlich sieht das auch Hartmut Keil, bei Mineralquellen Bad Liebenwerda verantwortlich für die Logistik. „Der Fahrer bucht die für ihn günstigste Strecke und das ist der schnellste Weg“ , so Keil. „Es ist nicht immer ratsam, die Landstraße zu wählen, denn möglicherweise kann der Fahrer den letzten Kunden dann nicht mehr bedienen.“ 20 Fahrer waren Montag unterwegs, 30 Lkw stehen insgesamt im Fuhrpark der Mineralquellen. Probleme mit den Geräten habe es nicht gegeben, auch kontrolliert wurde keiner der Mineralquellen-Lastwagen, sagt Hartmut Keil. Bereits Anfang 2004 wurden die Fahrzeuge mit den On-Bord-Units ausgestattet, die die gefahrenen Kilometer erfassen. „Im Herbst wurden diese dann noch mal ausgetauscht“ , sagt der Logistik-Verantwortliche. Auf etwa 30 Prozent schätzt Keil den Anteil der Autobahnstrecken an den von den Lkw-Fahrern zurückgelegten Gesamtkilometern. Die Mineralquellen liefern in Richtung Görlitz und Zittau, nach Chemnitz, Zwickau, Leipzig, Halle und Berlin. „Wir liegen autobahnunfreundlich“ , so der Logistik-Verantwortliche. Daher wird das Unternehmen relativ wenig Gebühren bezahlen müssen. Viele Kunden seien ohne Autobahn zu erreichen.
Mit den Mauterfassungs-Geräten gab es auch bei der Spedition von Volkmar Grafe aus Hirschfeld bei Elsterwerda bisher keine Probleme. Dafür wirft die neu eingeführte Gebühr andere Fragen auf: „Zwei unserer Fahrzeuge sind hintereinander von Neuss in Richtung Bitterfeld gefahren und haben für dieselbe Strecke zwei verschiedene Preise mit einem Unterschied von 50 Cent bezahlt. Warum, wissen wir nicht“ , sagt Simone Grafe. Die vier Lastwagen des Unternehmens transportieren flüssige Lebensmittel wie Speiseöle oder Sahne ausschließlich auf Fernverkehrsstrecken. „Wir fahren viel nach Hamburg, Holland und Belgien, auf Landstraßen auszuweichen, ist für unsere Fahrer nicht möglich“ , ist Simone Grafe überzeugt. Dennoch wolle das Unternehmen nach den ersten Erfahrungen mit der Maut analysieren, ob es sich etwa auf dem Weg von Hirschfeld nach Riesa anbiete, die Autobahn früher als bisher zu verlassen. Mindestens 80 Prozent aller Strecken legten ihre Fahrer auf Autobahnen zurück. „Wir haben das durchgerechnet und kamen pro Lkw auf 1000 bis 1200 Euro Gebühren im Monat“ , so Simone Grafe.
Für die Spedition Sauer aus Bad Liebenwerda verlief der Start ins Maut-Zeitalter dagegen alles andere als reibungslos. „Unsere On-Bord-
Units funktionieren nicht mehr“ , sagt Kerstin Sauer. Nicht einmal die zuständigen Mitarbeiter des Betreiberkonsortiums Toll Collect wüssten, woran es liege. „Sie sagten uns, wir sollten neue Geräte einbauen. Und wer zahlt den Ausfall“ , fragt die Spediteurin. Nun müssten die drei Lastwagen zunächst wieder in die Werkstatt, rund 250 Euro kostet die Installation der neuen Erfassungsgeräte pro Fahrzeug. Mindestens 80 Prozent der von der Spedition Sauer gefahrenen Kilometer gehen über Autobahnen. Am Montag konnte nur ein Fahrer auf Tour gehen, er habe sich mit einer Chipkarte an einer Tankstelle anstellen und manuell an einer der Maut-Stationen einwählen müssen, sagt Kerstin Sauer. „Da frage ich mich, wozu es die Geräte gibt.“