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Start im "Dorf der Denkmäler”

Keine einfache Sache: Binnen zwei Stunden muss sich die Jury, hier am Sportplatz, ein Bild vom Ort machen.
Keine einfache Sache: Binnen zwei Stunden muss sich die Jury, hier am Sportplatz, ein Bild vom Ort machen. FOTO: Frank Claus
Martinskirchen. Eine kreisliche Bewertungskommission ermittelt seit dieser Woche, wer von den Bewerberkommunen Martinskirchen, Schlieben, Züllsdorf, Gräfendorf, Schraden und Werenzhain für den 10. Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" nominiert wird. Frank Claus

Erste Station war am Montag Martinskirchen - das "Dorf der Denkmäler", wie sich der Ort künftig gern stärker vermarkten möchte. Genug Pfunde hat die Gemeinde mit Barockschloss, gleich zwei Kirchen, Bockwindmühle, einem im Landkreis wohl eher selten anzutreffenden Familienfriedhof, Sühnekreuz und dem Denkmal für die Opfer von Kriegen und Gewalt. Allein Unterhalt und Pflege dieser Einrichtungen führen zu enormer Initiative großer Teile der Einwohnerschaft, die in unterschiedlichen Fördervereinen organisiert sind. Der Schloss-Förderverein hat dafür gesorgt, dass der große Denkmalschatz, der wegen seines baulichen Zustands allerdings auch ein "schwerer Klotz" ist, wieder mit Leben erfüllt wird. Seit 2014 ist wieder regelmäßig geöffnet, eine Vielzahl von Veranstaltungen wurden initiiert. Das Schloss mit benachbartem Jugendclub und Dorfgemeinschaftshaus ist wieder der kulturelle Mittelpunkt.

Größtes Problem im etwa 250 Einwohner zählenden Ort ist der Zustand der Kreisstraße, so Ortsvorsteherin Kathrin Degen. Selbst eine Unterschriftensammlung, an der sich alle Einwohner des Ortes beteiligten, habe nicht geholfen, eine Sanierung voranzutreiben. Im Gegenteil: Im Dorf habe sich Enttäuschung breitgemacht, dass vom Landkreis zweimal eine nahezu gleichlautende Absage versandt worden war. Dabei hängen an dieser Straße auch die weiteren touristischen Überlegungen. Läuft alles ganz ungünstig, sehen die Radwegeplanungen vor, dass der Elberadweg künftig über den Deichverteidigungsweg und damit weit am Dorf vorbei geführt wird. Ungünstig: Die Stadt Mühlberg habe es auch noch zugelassen, dass Teile des Radweges aus dem Dorf heraus in Privatbesitz übergingen und damit nicht mehr befahrbar sind, so die Ortsvorsteherin. Man benötige so etwas wie einen runden Tisch Tourismus im Ort, den Stadt und Kreis federführend mitgestalten.

Denn Martinskirchen blüht auf: Die Kirche in Altbelgern ist als Radfahrerkirche täglich geöffnet, das Atelier 21 und die Bockwindmühle in Altbelgern sind beliebte Stopps. Der Sportverein im Ort ist unheimlich rührig, baut gerade eine Beregnung für den Platz in Eigenregie und hat mit dem Sportlerheim ein Schmuckkästchen entwickelt. Die Feuerwehr ist starker Rückhalt. Kathrin Degen: "Martinskirchen ist in Bewegung gekommen. Mit unserer Teilnahme am Wettbewerb wollen wir das zeigen und die Vermarktung noch weiter vorantreiben."

Mehr über den Ort: maegel-net.de/martinskirchen/