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Starke Jungs mischen Elbe-Elster auf

Die typische Football-Szene schlechthin: Der Angriff (Offense, r.) im Ballbesitz steht der gegnerischen Verteidigung (Defense) gegenüber.
Die typische Football-Szene schlechthin: Der Angriff (Offense, r.) im Ballbesitz steht der gegnerischen Verteidigung (Defense) gegenüber. FOTO: Feller
Elsterwerda. In Elsterwerda hat sich der erste Verein des Landkreises im American Football gegründet. Knallhartes Training für den Start im Spielbetrieb. Manfred Feller

Die Lücke zwischen Dresden, Cottbus und Leipzig ist geschlossen. Denn jetzt hat auch das Elbe-Elster-Land einen Verein im American Football. Er nennt sich die Elbe-Elster-Country (ECC) Magpies. Letzteres steht für die Elster, den Vogel. Die behelmte Truppe hat ihren Sitz in Elsterwerda, versteht sich aber als Anlaufpunkt für Footballfreunde im Landkreis und darüber hinaus.

Wer als Zuschauer die schnellen Sportarten Fußball, Handball und Eishockey liebt, der wird sich mit American Football, den kurzen, aber heftigen Spielszenen und den vielen Pausen nur schwer anfreunden können. Man muss ihn mögen. Ganz verstehen werden ihn die wenigsten.

Wie bei den in den USA beliebten Sportarten üblich, geht es - geschichtlich bedingt und nach wie vor aktuell - um Raumgewinn und damit um Punkte. Im Mittelpunkt steht der pflaumenförmige Ball, um den die durchweg trainierten und oftmals bulligen Kerle mit vollem Einsatz kämpfen. Weil es heftig zur Sache geht, dürfen Kinder zwar trainieren, spielen jedoch erst ab 13 Jahre. Anders als im Fußball beginnt das Männerspielalter generell erst ab 18 Jahre.

Footballfreunde gibt es viele in Elbe-Elster. Derjenige, der die ersten 40 ernsthaften Interessenten zwischen sechs und 46 Jahren um sich geschart hat, ist der Dresden-Monarchs-Fan Michael Schmetzer. Der 34-jährige stammt aus Riesa und hat auswärts gearbeitet. In der Nähe von Hannover hat er zwei Jahre selbst aktiv gespielt.

Der Liebe wegen ist er der Inhaber eines Telekommunikationsgeschäftes in Elsterwerda nach Hohenleipisch gezogen. "Der Verein ist aus einer Schnapsidee heraus entstanden", erinnert er sich. Ende Oktober haben sich ein paar Freunde zum Footballgucken im TV verabredet. Zwei Monate später wurde das erste Treffen für den 4. Januar mit der Absicht verabredet, eventuell etwas aufzubauen.

Dieses Ansinnen sprach sich herum wie ein Lauffeuer. "Dann erschienen überraschend 16 Leute. Wir kamen sehr schnell zu der Erkenntnis, dass wir jetzt auch mit dem Training beginnen können", so Michael Schmetzer. Gestartet wurde in der Sporthalle Hohenleipisch, die bald zu klein war. Für das Wintertraining folgte die OSZ-Halle in Elsterwerda. Mittlerweile haben die Footballer sogar einen eigenen, weil nicht mehr genutzten Rasenplatz am Holzhof an der Tennishalle.

Der Verein ist ganz frisch eingetragen. Seine Mitglieder kommen nicht nur aus der Umgebung, sondern bis aus Senftenberg, Mühlberg, Falkenberg, Finsterwalde und Riesa. Es fehlt der Herzberger Raum. Herkunft, Nationalität und sexuelle Orientierung sind egal. Offen in alle Richtungen, friedlich (keine Polizei bei Spielen notwendig) und familienfreundlich - so sehen sich die Footballer. Damit auch die Mädels sportlich zum Zuge kommen können, soll eine Cheerleadertruppe aufgebaut werden.

Anders als zum Beispiel beim Handball sind im Amateurbereich alle Körpergrößen und Gewichtsklassen für die einzelnen Spielreihen willkommen. Die schwersten Jungs mit weit mehr als 100 Kilogramm Kampfgewicht stehen in der ersten Angriffs- oder Verteidigungslinie (Offense/Defense).

Je nach Aufgabe sind die anderen gute Sprinter (Runner), Werfer (Quarterback) oder Fänger (Receiver). Michael Schmetzer als gewählter Präsident und Coach (Trainer) spielt mit seinen "fast durchtrainierten" 106 Kilogramm nur in der zweiten Reihe.

Bevor die Fronten im Training aufeinanderprallen, stehen Theorie und aufwendiges Aufwärmen auf dem Programm. Michael Schmetzer will seine weiter wachsende Mannschaft im nächsten Jahr, spätestens 2019 fit für den Spielbetrieb haben und in der untersten der fünf Ligen in Ostdeutschland an den Start gehen.

Ob Nikita Chystou, der aus Weißrussland stammt, dann noch dabei ist, ist fraglich. Der 21-jährige athletische Spieler aus Prösen macht jetzt sein Abi und will dann BWL studieren, möglichst in der Nähe - in Dresden. "Football hat mich schon immer begeistert", sagt er. "Ich finde es aufregend, beim Aufbau dabei zu sein."

Durch ihren Sohn ist Anja Schierenberg aus Elsterwerda (Reissdamm) dabei. Sie fährt ihren Fabian zum Training mittwochs ab 18.30 Uhr und sonntags ab 15 Uhr. "Ich verstehe von dem Sport zwar nichts, finde ihn aber interessant", gibt sie zu. Inzwischen gehört sie als Organisatorin selbst zum Verein und hat, wie andere auch, neue Freunde gefunden.

Termin: Am 17. Juni ab 14 Uhr stellen sich die Footballer bei einem großen Familien- und Sportfest der Öffentlichkeit vor.