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| 17:27 Uhr

Die Kurstadtregion traut sich
Wenn sich Brautleute überraschen

Das Kurstadt-Standesamt in Bad Liebenwerda deckt das große Gebiet zwischen Uebigau-Wahrenbrück, Falkenberg und Mühlberg mit ab. Die angestammten Standesbeamtinnen sind Katja Wegeleben (r.) und Antje Reichel. Letztere ist derzeit im Babyjahr. Vertreten wird sie von Kathrin Noack.
Das Kurstadt-Standesamt in Bad Liebenwerda deckt das große Gebiet zwischen Uebigau-Wahrenbrück, Falkenberg und Mühlberg mit ab. Die angestammten Standesbeamtinnen sind Katja Wegeleben (r.) und Antje Reichel. Letztere ist derzeit im Babyjahr. Vertreten wird sie von Kathrin Noack. FOTO: Karsten Bär
Bad Liebenwerda. Standesämter vorgestellt: Heute das Kurstadt-Standesamt in Bad Liebenwerda. Von Manfred Feller

Von wegen altmodisch. Heiraten liegt im Trend. Stabil mehr als 180 Trauungen werden jedes Jahr im Standesamt in Bad Liebenwerda vollzogen. Für eine Kleinstadt mit 15 Ortsteilen wäre das sehr viel. Doch seit 2017 ist es das Standesamt der Kurstadtregion mit Uebigau-Wahrenbrück, Falkenberg/Elster und Mühlberg/Elbe, jeweils mit den Ortsteilen, und insgesamt etwa 27 000 Einwohnern.

Jede Stadt hat allerdings ihre Trauorte behalten. In der Kurstadt ist es das 2013 modernisierte Trauzimmer im Rathaus, in Falkenberg sind es das Rathaus  und die Kitzbüheler Stuben, in Mühlberg das Torhaus des Klosters, in Uebigau das Schloss und in Wahrenbrück das Graunzentrum. Extrawürste gibt es nicht. Die Trauung muss an einem dafür amtlich festgelegten Ort stattfinden. Allerdings kann die feierliche Zeremonie durchaus auf den Wunschort, zum Beispiel im herrlichen heimischen Garten mit alten Bäumen, ausgedehnt werden, bemerkt die Bad Liebenwerdaer Standesbeamtin Katja Wegeleben. Ein Trauredner bestreitet dann unter freiem Himmel den zweiten Teil.

Doch was soll dieser dem Brautpaar und den Gästen noch Neues sagen? Im Osten üblicher als im Westen sprechen die Standesbeamten in Vorbereitung ihrer festlichen Rede mit den Brautleuten. Manche möchten dies getrennt tun. Doch das sorgt bei der Trauung ein ums andere Mal für erhebliche Verwunderung.

Darüber kann auch Kurstadt-Bürgermeister Thomas Richter Geschichten erzählen. Ausgerechnet seine erste Trauung sorgte beim Brautpaar aus Bad Liebenwerda samt Anhang für einige fragende Blicke mit garantierter verbaler Nachbereitung bei der anschließenden Feier. Denn im getrennten Vorgespräch hatten Frau und Mann dem Bürgermeister jeweils eine ganz andere Version ihrer Kennlerngeschichte aufgetischt. So gab es Thomas Richter dann auch wieder. Ernsthafte Folgen scheint dies nicht gehabt zu haben. „Sie haben heute mehrere Kinder“, weiß Thomas Richter. Und überhaupt: „Ich weiß nur von einer von mir geschlossenen Ehe, die nicht gehalten hat.“

Der Bürgermeister bleibt als Standesbeamter allerdings die Ausnahme. Weil er immer wieder angesprochen worden sei, habe er sich dem 14-tägigen Lehrgang gestellt. „Das ist nicht ohne. Ich musste ganz schön pauken“, gibt er zu. Jährlich möchten etwa sieben bis acht Paare, dass das Stadtoberhaupt die Trauung vornimmt.

Katja Wegeleben hat seit 2008 etwa 200 Paaren das Ja-Wort abgenommen. Die 42-jährige war Verwaltungsangestellte in Uebigau-Wahrenbrück und hat sich dann weiter qualifiziert. „Trauungen sind nur ein Teil unserer Arbeit“, sagt sie. Die Bandbreite reicht vom Ausstellen der Geburts- und der Sterbeurkunde, von der Namensgebung bis zur Eheschließung.

Apropos Namen. Für welchen entscheiden sich die angehenden Eheleute? „Noch im Vorgespräch ist sich das Paar nicht immer einig“, muss sie feststellen. Doch etwa 80 Prozent halten es schließlich traditionell und wählen den Nachnamen des Mannes. Es folgen jener der Frau und dann der Doppelname. „Hier müssen sich beide einigen, welcher der gemeinsame Ehename sein soll. Dieser wird vorangestellt. Ganz selten kommt vor, dass jeder seien Namen behält“, so Katja Wegeleben.

Auch sie hat schon lustige Erfahrungen mit getrennten Vorgesprächen gemacht. Einmal wollten sich Braut und Bräutigam gegenseitig überraschen. Was auch gelang. Jeder erstaunte den anderen in Festkleidung auf dem Rücken eines Pferdes.

Das weiße Brautkleid trage fast jede Frau. Es gibt kleine und große Hochzeitsgesellschaften, aber selten Brautleute, die (fast) allein kommen. Anstelle der Feier steigen sie ins Flugzeug und geben das Geld allein aus. Seit 2017 wurden in Bad Liebenwerda auch fünf Lebenspartnerschaften zwischen Frau und Frau sowie Mann und Mann besiegelt.

Musikalisch halten es die Paare bei der Trauung nicht selten individuell. Von der „Schwarzen Rose“ über „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen bis „Das Beste“ von Silbermond, „Seite an Seite“ von Christina Stürmer und dem feierlichen „Halleluja“ ist alles dabei.

Livemusik sei die Ausnahme. Und wenn gesungen wird, dann rollen die Tränen. Wie bei dem einen Paar, dessen Tochter auf dem Schoß des bürgermeisterlichen Standesbeamten herzergreifend sang. „Das vergesse ich nie“, sagt Thomas Richter. Es war im August 2015, als für die TV-Sendung „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ in Bad Liebenwerda gedreht worden war. Die Emotionen seien in der Sendung aber nicht so stark herübergekommen.