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Stabwechsel in Mühlberg

Diplommediziner Andreas Ullm (65, l.) aus Mühlberg geht in den Ruhestand. Ärztin Ariane Bönisch (34, r.) ist seine Nachfolgerin. Schwester Bärbel und Schwester Ursel (von links) beenden ihre Tätigkeit in der Praxis, Schwester Jana bleibt vertrautes Gesicht in der Anmeldung.
Diplommediziner Andreas Ullm (65, l.) aus Mühlberg geht in den Ruhestand. Ärztin Ariane Bönisch (34, r.) ist seine Nachfolgerin. Schwester Bärbel und Schwester Ursel (von links) beenden ihre Tätigkeit in der Praxis, Schwester Jana bleibt vertrautes Gesicht in der Anmeldung. FOTO: Frank Claus
Mühlberg. Diplommediziner Andreas Ullm hört nach 31 Jahren auf, Ariane Bönisch übernimmt die Mühlberger Praxis. Nur ein Monat ist Pause. Frank Claus

Das Wartezimmer ist gut gefüllt in der Praxis am Altstädter Markt. Der eine möchte seine Schmerzen gelindert bekommen, die andere ein Rezept und der Nächste vermutlich eine Überweisung. Und ganz sicher wollen sich ganz viele Patienten auch noch persönlich von ihrem Doktor verabschieden. "Er kennt mich seit meiner Schulzeit", meint ein Mann, der vor der Praxis die Sonne genießt und darauf wartet, ins Sprechzimmer gerufen zu werden. Diplommediziner Andreas Ullm (65) geht in den Ruhestand. Am 31. Mai ist sein letzter Arbeitstag. Genau 31 Jahre stand er dann in Mühlberg im Dienst seiner Patienten.

Er und die Mühlberger können sich glücklich schätzen. Mit Ariane Bönisch gibt es eine Nachfolgerin - sogar eine, die in Mühlberg aufgewachsen ist und den Menschenschlag gut kennt. Die 34-Jährige hat Medizin in Dresden studiert und eine Facharztausbildung als Internistin erfolgreich absolviert.

Andreas Ullm gesteht, "mit einem lachenden und einem weinenden Auge" zu gehen. Einerseits ist er froh, nicht mehr "in der Tretmühle" zu stehen. Dabei habe ihm die Arbeit immer Freude bereitet. "Menschen helfen zu können, ist etwas sehr Schönes", sagt er. Und auch, wenn Hilfe nicht zum gewünschten Erfolg führte, nimmt er für sich in Anspruch, immer das Beste versucht zu haben. Das lachende Auge bekomme er, weil er nun endlich der überbordenden Bürokratie, die einen Arzt in Niederlassung förmlich erdrücke, entflieht. Und da sind seine Hobbys: der Enkel, sein Hund, der Garten, Angeln und Jagen.

Nach seinem Medizinstudium und der Assistenzarztzeit im Torgauer Krankenhaus hat Andreas Ullm im Landambulatorium in Belgern gearbeitet. In der Zeitung hat er von der zu besetzenden Stelle in der damals Staatlichen Arztpraxis in Mühlberg gelesen und sich auf den Weg gemacht. Bereut hat er es nicht. Die Mühlberger seien sehr freundliche Leute. Und die Stadt selbst, nicht doch ein bissl verträumt? "Nee, mir gefällt das so. Sonst bekommen wir nach der Brücke vielleicht noch einen Highway", sagt der Mann, der aus dem Erzgebirge stammt, und schmunzelt. Etwa 2500 Patienten umfasst der feste Stamm des Arztes, gut 1000 davon betreut er pro Quartal. Hausbesuche auf dem Lande gehören für ihn einfach dazu. "Das ist nicht immer einfach. Dienst in der Praxis, Hausbesuche, dann vielleicht noch 20 bis 30 Zentimeter Neuschnee und die Straßen noch nicht geräumt. Erlebt habe ich schon einiges", sagt er.

Nunmehr wird die Praxis ab 1. Juni erst einmal einen Monat geschlossen. Die Räume werden renoviert, die Praxis insgesamt erweitert. Dort, wo einst Sparkasse und Polizei residierten, sollen bald Patienten behandelt werden können. "Ich möchte das Angebot erweitern", sagt Ariane Bönisch. So wolle sie auch Patienten die Möglichkeit eines Langzeit-EKGs einräumen und Ultraschalluntersuchungen durchführen. Wie ihr Vorgänger auch muss sie einen Kredit aufnehmen, um die Praxis als niedergelassene Ärztin mit moderner Ausrüstung und Technik führen zu können. Ihr Lebenspartner habe sie in ihrem Entschluss immer begleitet.

Schwester Bärbel, die Ehefrau von Andreas Ullm, und Schwester Ursel werden in den Ruhestand gehen. Schwester Jana ist von Ariane Bönisch übernommen worden und bleibt neben zwei weiteren neu eingestellten medizinischen Mitarbeiterinnen bekanntes Gesicht in der Anmeldung. Am 1. Juli soll die neue Praxis den Patienten vorgestellt werden.