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| 16:47 Uhr

Stabwechsel im Rathaus Elsterwerda
Jetzt macht Anja Heinrich Dampf

„Revanche“ nach sieben Jahren: Im Jahr 2011 hat Anja Heinrich Bürgermeister Dieter Herrchen „an die Kette gelegt“. Nun hat das „Stadtoberhaupt im Unruhestand“ ihr die Amtskette umgelegt. Beide versichern sich gestern, dass nicht nur diese Erinnerung sie weiter verbinden werde.
„Revanche“ nach sieben Jahren: Im Jahr 2011 hat Anja Heinrich Bürgermeister Dieter Herrchen „an die Kette gelegt“. Nun hat das „Stadtoberhaupt im Unruhestand“ ihr die Amtskette umgelegt. Beide versichern sich gestern, dass nicht nur diese Erinnerung sie weiter verbinden werde. FOTO: Frank Claus / LR
Elsterwerda. Und weshalb ihrem Vorgänger Dieter Herrchen Tränen in die Augen stiegen. Von Frank Claus

Ab Donnerstag ist Anja Heinrich (CDU) neue Bürgermeisterin der Stadt Elsterwerda. Nach verfügbaren historischen Schriftsätzen ist sie damit die erste Frau in diesem Amt in mehr als 800 Jahren Stadtgeschichte. Sicher ist: Sie wird energisch ans Werk gehen. Ihre Handschrift will sie dem Rathaus schon am Donnerstag aufdrücken. Wenn auch erst mal mit dem Malerpinsel. Bürgermeister-Zimmer und Ratssaal werden gemalert. Die „Bürgermeister-Residenz“ erhält altes, schweres Mobiliar, der Ratssaal Fotos aus der Stadt.

Am Mittwoch hat sie im Beisein von Stadtverordneten, Verwaltungsmitarbeitern und Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU), der diesem bedeutenden Moment im Leben seiner Ehefrau beiwohnen wollte, aber erst einmal ihren Amtseid geschworen und Glückwünsche entgegen genommen. Gleichzeitig ist Bürgermeister Dieter Herrchen nach 16 Jahren im Amt mit emotionalen Reden und so mancher Überraschung in den Ruhestand verabschiedet worden.

Acht Jahre später hat Dieter Herrchen eine Zeremonie umdrehen können: Damals hatte Anja Heinrich in ihrer Funktion als Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung den Bürgermeister „an die Kette gelegt“, wie die RUNDSCHAU damals schrieb. Nun übte das scheidende Stadtoberhaupt „Revanche“. Er legte seiner Nachfolgerin die Amtskette, die Unternehmer der Stadt 2011 gestiftet hatten und die unter anderem aus Elstertalern der Historischen Einkaufsnacht der Jahre 2003 bis 2011 besteht, an.

Somit hat Anja Heinrich Glück, nicht fortan eine Krawatte tragen zu müssen: Dieter Herrchen zauberte nämlich das Stück mit dem Wappen Elsterwerdas hervor, das ihm sein Vorgänger Peter Schwarz übergeben hat. „Ich habe sie nie getragen und übergebe sie jetzt dem Stadtarchiv“, sagte er unter dem Schmunzeln der Stadtverordneten. Ein Steuerrad übergab die CDU-Fraktion der neuen Bürgermeisterin.

Stadtverordnetenvorsteher Patrick Weser schilderte in einer zumeist amüsanten Rede mit bildhaften Vergleichen zum Wetter – „es ähnelt ein wenig dem Bürgermeister-Beruf: Alle reden drüber und wirklich zufrieden ist man mit beiden eh nie“ – Episoden aus der Amtszeit von Dieter Herrchen. Investitionen, Hochwasser- und Sturm-Einsätze, Campina-Aus, Kampf um die Polizeiwache, und, und, und. Eins, so Patrick Weser, habe das scheidende Stadtoberhaupt immer ausgezeichnet: Er hatte „immer zwei offene Ohren“ für die Elsterwerdaer Bürger. Und trotzdem gelang nicht alles. Der SVV-Chef nahm es mit Humor: „Auch ein Herrchen muss nicht immer Herr allen Geschehens sein.“

Regelrecht perplex war der inzwischen 65-Jährige über ein Abschiedsgeschenk der Stadtverordnetenversammlung. Die Abgeordneten haben zusammengelegt und dem RB-Leipzig-Fan zwei VIP-Karten für ihn und seine Frau samt Hotelübernachtung für das Spiel der Leipziger gegen Hertha BSC geschenkt – nicht einfach so, sondern in Form eines gebastelten Stadions mit ViP-Loge.

Völlig unvorbereitet traf den Bürgermeister wenig später eine andere Situation: Kurz nach 12 Uhr fuhr Elsterwerdas Feuerwehr mit mehreren Fahrzeugen und Sirene vor, um den Unruheständler nach Hause zu fahren. Nur selten hat man Dieter Herrchen so gerührt gesehen. Unter den Klängen von  „Time to Say Goodbye“ rang er nach Worten und stiegen ihm Tränen in die Augen, als Mitarbeiter aus den Rathaus-Fenstern winkten und er in den Feuerwehr-Oldtimer stieg. Ein Video zum Abschied finden Sie hier

Herrchen geht, Heinrich kommt FOTO: Von Frank Claus