Denn die jährliche Sportlerumfrage mit ihrem Höhepunkt, der Sportgala, ist trotz aller Schwierigkeiten zu dem einzigen wirkungsvollen Ereignis geworden, bei dem der Sport im Landkreis insgesamt im Mittelpunkt steht und unabhängig von der Disziplin Aufmerksamkeit sowohl von der Bevölkerung, aber auch von Politik, Verwaltung und Wirtschaft erfährt.
Das Hauptproblem vergangener Ehrungen war der Bewertungsmodus. Dabei war es von Beginn an ein Spagat zwischen den Kriterien Popularität und knallharter Leistungsbewertung. Begonnen hatte man mit einer reinen Bevölkerungsumfrage. Das Ergebnis war fast vorhersehbar. Mitgliederstarke Vereine mobilisierten ihre Anhängerschaft und brachten meist ihre Kandidaten aufs Treppchen. Ab und an ging es dabei auch unlauter zu. Selbst Namen aus Telefonbüchern sollen nach Aussagen des Kreissportbundes abgeschrieben worden sein, um möglichst viele Stimmen zu sammeln. In den Schulen stimmten ganze Schulklassen für ihre/n Mitschüler/in, obwohl sie oft wenig über ihre/seine Leistungen, geschweige denn über die der anderen Sportler auf der Liste, wussten. Eingebaute Hürden (Altersbegrenzung, nur Original-Tippscheine und bürgende Unterschriften) konnten dieses Problem zwar minimieren, aber nie ganz lösen.
Schließlich wurde im Vorjahr dann die Drei-Sparten-Wertung geboren. Nach einem Punktsystem wurden die Stimmen aus der Bevölkerung, den Medien und einer Gruppe aus sportkompetenten Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung abgegeben. Doch auch mit diesem Modell gelang wohl keine überzeugende Bewertung. So war zum Beispiel der Spitzensportler Ralf Jossa von der Bevölkerung und den Medien weit vorn platziert worden, erntete aber bei der „Prominenten“ -Gruppe kaum Meriten. Folge: Er kam abgeschlagen ein und musste Sportlern den Vorzug lassen, die augenscheinlich noch nicht diese Leistungen erzielt hatten wie Jossa nun schon über viele Jahre.
Dramatischer Höhepunkt all dieser Entwicklungen: Noch nie gab es zum jetzigen Zeitpunkt so wenig Nominierungen für die Sportlerehrung wie in diesem Jahr. Viele Vereine und Sportler haben sich abgekehrt. Wolfgang Geister vom Vorstand: „Dabei hatten wir zu Beginn der Sportlerehrung so viele Kandidaten, dass wir zunächst im Vorstand sieben mussten.“
Auch wenn man diesen Zustand so schnell wohl nicht wieder erreichen wird, aufgeben will man das sportpolitische Event nicht. Ganz einfach könnte man es sich machen, wenn man nur noch eine Fachjury die Kandidaten nominieren und schließlich auch entscheiden ließe. Das will man nicht, denn dann wäre die Breitenwirkung der Sportlerehrung dahin.
Deshalb setzt man auch in diesem Jahr auf die Nominierung durch die Vereine und ganz speziell die Fachverbände. Abstimmen werden aber nur noch zwei Gruppen: die Bevölkerung und eine Fachjury. Wolfgang Geister: "Ich traue mir zu, sofort zehn bis zwölf Sportfreunde für die Jury zu benennen, die in der Lage sind, unabhängig von der Sportart, die sie selbst betreiben oder für die sie Sympathien hegen, entscheiden. Dabei soll das Votum dieses Gremiums am Ende ausschlaggebend für die Bewertung der Sportler sein. So könnte es am Ende bei der Auszeichnung unter anderem heißen: „Siegerin in der Gunst des Publikums war die Keglerin Müller, nach eingehender Bewertung der erzielten Leistungen plädierte die Fachjury aber für die Leichtathletin Lehmann.“ Mit diesem neuerlichen Vorstoß hofft der Vorbereitungsstab, nun doch noch zahlreiche Nominierungen aus den Vereinen zu erhalten. Am 21. Januar ist die nächste Sitzung. Vielleicht stehen dann schon einige Namen mehr auf dem Tippschein.