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Warum die Lok jetzt wieder dampft

Straupitz. Unter dem Namen "Lokomotive" wurde Blau-Weiß Straupitz einst gegründet. Dann stand der Verein vor dem Aus. Nun hat er sich fulminant zurück gemeldet. Andreas Zöllner

Ab der kommenden Spielzeit dürfen sich die Kicker des SV Blau-Weiß Straupitz in der 1. Kreisklasse Nord messen. Mit nur zwei nicht gewonnenen Spielen im Jahr 2017 und einer bärenstarken Meisterrunde hat sich die neu formierte Mannschaft bereits am vorletzten Spieltag mit einem 5:1 gegen den Bärenklauer SV den Aufstieg aus der 2. Kreisklasse in die 1. Kreisklasse gesichert.

Es ist die berühmte Geschichte des Phönix aus der Asche: Nach einer fulminanten Saison dampft die Straupitzer "Lok" - unter dem Namen "Lokomotive" wurde der Verein einst gegründet - wieder in den Wolken des blau-weißen Fußballhimmels.

Dabei stand der Straupitzer Fußball noch vor zwei Jahren kurz vor dem Aus. Wer sich damals ebenfalls der Eisenbahnersprache bedient hätte, der hätte von "entgleister Lok" und "roter Laterne" gesprochen. Im Sommer 2015 war Straupitz Tabellenletzter der Kreisliga Niederlausitz. Nur zehn Punkte am Ende der Spielzeit. Unzählige Spielerabgänge. Fehlendes Trainerpersonal. "Das war eine der dunkelsten Stunden der Vereinsgeschichte", erinnert sich der Präsident Thomas Guttke. "Zum ersten Mal in unserer Jahrzehnte langen Tradition konnten wir keine neue Herrenmannschaft für den kommenden Spielbetrieb melden."

Stattdessen ging man eine Spielgemeinschaft mit der SG Burg II ein, viele sahen den Straupitzer Fußball damit in seinen letzten Atemzügen. Doch die Sehnsucht nach einer eigenen Mannschaft klang in Straupitz nicht ab. "Wir haben dann für diese Saison 2016/17 ein wirklich riskantes Experiment gewagt", gibt Präsident Thomas Guttke zu. Mit einer ausgesprochen jungen Mannschaft, die man für das Kicken in Straupitz begeistern konnte, habe man sich wieder für den Spielbetrieb in der 2. Kreisklasse angemeldet - ohne die Gewissheit, dass man schon so weit sei. "Plötzlich war Euphorie da. Örtliche Sponsoren haben neue Anreize gesetzt und viel in die Ausstattung dieser jungen Mannschaft gesteckt. Fans haben uns unterstützt. Und viele ehemalige Spieler haben gemerkt, dass es doch am schönsten ist, wieder in der Heimat zu spielen", erinnert sich Guttke.

Robert Lehmann etwa sei immer klar gewesen: "Wenn es wieder eine eigene Straupitzer Mannschaft gibt, bin ich sofort dabei", erklärt der heutige Spielführer, der für ein Jahr nach Werben gegangen war. "Ich spiele schon seit 15 Jahren Fußball in Straupitz, für mich war das Ehrensache", fügt der 25-Jährige hinzu.

Dass aus dem Experiment ein kleines Fußballmärchen werden könnte, hätte sich Thomas Guttke zunächst nicht zu träumen gewagt: "Uns ging es erst einmal nur darum, dass hier wieder der Ball rollt." Nach einem Traumstart mit vier Siegen in Serie hatte der Präsident regelrecht Mühe, die Euphoriebremse zu drücken und die jungen wilden Spieler zu erden. Die weitere Hauptrunde lief dann auch durchwachsen und man sicherte sich nur knapp das Ticket für die Aufstiegsrunde. "Nichtsdestotrotz, wir haben große Gegner geschlagen und konnten zum Beispiel auch dem Tabellenführer aus Forst ein Unentschieden abringen", resümiert Lehmann stolz. Dennoch reflektiert er: "Wir hatten am Anfang zwar gute Spieler, aber noch keine echte Mannschaft."

Die Architekten des Erfolgs seien dann erst die beiden erfahrenen Trainer Joachim Pöthke und Uwe Prell gewesen. "Die beiden haben die Stärken und Schwächen der Spieler in Ruhe ausgelotet und sie auf verschiedenen Positionen ausprobiert, bis wir dann auch ein richtig gut funktionierendes Team hatten, wo plötzlich jeder weiß, wie der andere läuft, spielt und denkt", fasst Lehmann zusammen.

Auch die erfahrenen Spieler seien ein wichtiger Baustein gewesen, die junge Mannschaft zu führen: Ohne Spieler wie Ben Smalla (29) und André Mietk (33) im defensiven Mittelfeld oder Christian Bordmann (33) in der Abwehr sei eine solche Saison niemals möglich gewesen, sind sich Präsident und Mannschaftskapitän einig.

"Spätestens im Winter haben wir dann gemerkt: Hier geht diese Saison was nach oben. Und die Jungs gehören da auch hin", macht Thomas Guttke den Schlüsselmoment der Saison aus. Vor allem die Fans hätten die junge Mannschaft auf dieser Erfolgswelle getragen: "Wir haben einen Zuschauerschnitt von 80 Leuten, da kann mancher Landesligist von träumen", berichtet Guttke stolz.

Ziel für die neue Saison sei es nun, in der 1. Kreisklasse Fuß zu fassen. "Wir wollen die Mannschaft zusammenhalten und einen einstelligen Tabellenplatz erreichen", so Guttke. Zwar würden zwei bis drei Spieler die Mannschaft verlassen. Doch zum Beispiel in der Jugend, die vom Aufstieg der "Großen" euphorisiert sei, sei vielversprechender Nachwuchs zu finden, erklärt Guttke.

Auch Kapitän Lehmann sieht rosige Zeiten auf den Straupitzer Fußball zukommen: "Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass man in Straupitz wieder gewinnen kann - und vor allem, dass hier das Fußballspielen richtigen Spaß macht."