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| 02:37 Uhr

Überraschungssieg bei "Trainingseinheit" für Schröter

Dennis Schröter (35) wollte eigentlich nur die Wettkampfpause in der Enduro-DM bei den EM-Rennen in Estland überbrücken – und gewann prompt.
Dennis Schröter (35) wollte eigentlich nur die Wettkampfpause in der Enduro-DM bei den EM-Rennen in Estland überbrücken – und gewann prompt. FOTO: mhi1
Crinitz/Paikuse. Der Crinitzer Geländefahrer Dennis Schröter ist derzeit das Maß aller Dinge im deutschen Endurosport. Der ehemalige Motocrosser profitiert dabei von seinem riesigen Erfahrungsschatz – so auch beim jüngsten EM-Lauf in Estland. Matthias Heinke / mhi1

146 Tage Wettkampfpause müssen die nationalen Geländefahrer zwischen den Auftaktläufen zur Deutschen Enduro-Meisterschaft im niedersächsischen Uelsen und der Veranstaltung in Burg bei Magdeburg (Sachsen-Anhalt) überbrücken. Das liegt hierzulande zum einen an der Blüte- und Erntezeit, denn viele Etappen führen über Felder, aber auch durch Wälder, wo es im Hochsommer schon mal Waldbrandwarnstufen gibt.

Und dennoch: Möglichkeiten zum Training im physischen Bereich oder auch auf dem Motorrad gibt es einige. Neben weiteren im Motocross hat Dennis Schröter aus Crinitz, Deutschlands unangefochtene Nummer 1 im Endurosport, auf eindrucksvolle Art und Weise einen Wettkampf in Estland genutzt und damit die durchaus starke Konkurrenz in der Europameisterschaft der Seniorenklasse Enduro 3 (Motorräder über 290 ccm Zweitakt und über 475 ccm Viertakt) in Schach gehalten.

Dabei hatte der 35-Jährige am ersten Tag zunächst eine gehörige Portion Pech. "Ich bin in einer Prüfung gestürzt und hatte Probleme mit meinem Motorrad. Ich habe es gerade so bis an die Zeitkontrolle geschafft, aber ein Topergebnis war damit natürlich nicht mehr möglich", ärgerte sich Schröter ein wenig. 2:43,59 Minuten Rückstand nach den neun Sonderprüfungen auf den Sieger Rannar Uusna aus Estland waren da schon eine ganze Menge Holz.

Dennis Schröter wäre nicht Dennis Schröter, wenn er sich davon beeindrucken ließe. Nach dem Motto "Neuer Tag, neues Glück" fuhr er am zweiten "Trainingstag" voll auf Angriff. Dabei beeindruckte der Crinitzer, der auch für den MC Fürstlich Drehna fuhr, vor allem mit seiner Konstanz. Zwei Prüfungsbestzeiten, einmal Zweiter und zweimal Dritter - da fielen die drei vierten und eine fünftschnellste Zeit nicht ins Gewicht. Dennoch gesteht Schröter: "Gegen Ende war es ein gnadenloser Fünfkampf mit Oscar Balletti aus Italien, Aleksi Jukola aus Finnland, dem Schweden Martin Larsson und Vortagessieger Uusna. Die können alle Motorrad fahren und sind unwahrscheinlich schnell."

Kurz vor dem Ende wurde es noch etwas eng, als der Italiener dem Deutschen in der vorletzten Prüfung noch einmal knapp neun Sekunden abknöpfte und so der Vorsprung bedenklich schmolz. "Ich hatte aber noch einen Trumpf im Ärmel, denn der Crosstest liegt mir natürlich besonders", war Schröter selbstbewusst genug, um den Sieg nach Hause zu fahren. Fünf Sekunden waren es am Ende, im Endursport gab es schon wesentlich knappere Ausgänge im Bereich von Zehntelsekunden.

Für den mehrfachen deutschen Championats- und Klassensieger war dieser EM-Ausflug dennoch nur ein Training für die nächste Zweitagesveranstaltung in der Deutschen Meisterschaft, die am 5./6. August in Burg bei Magdeburg ausgerichtet wird. Besonderheit dabei: Die Burger (ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt) hatten sich wieder für die Ausrichtung einer EM-Veranstaltung beworben und den Zuschlag bekommen. Es ist also die nächste Chance für Dennis Schröter, sich mit Europas Elite zu messen.

Dauerhaft will er jedoch nicht mehr international starten. "Ich werde immerhin schon 36 Jahre alt, irgendwann wird man nicht mehr mithalten können. Deshalb trainiere ich in den langen Pausen vor allem viel auf dem Fahrrad. Motorradfahren verlernt man eben nicht", schmunzelt Dennis Schröter und freut sich schon jetzt auf den Saisonhöhepunkt, das Finale der Enduro-Weltmeisterschaft im erzgebirgischen Zschopau am 21./22. Oktober. Einen weiteren Beweis, dass er noch lange nicht zum alten Enduro-Eisen gehört, trat er in Estland an. Und so steht noch eine spannende Saison bevor.