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Liegt Ihnen Brieske nicht, Herr Handrick?

Hat nach zwei Siegen gut lachen: BW-Coach Jörg Handrick.
Hat nach zwei Siegen gut lachen: BW-Coach Jörg Handrick. FOTO: Beyer/sby1
Vetschau. Blau-Weiß Vetschau hat einen Bilderbuchstart hingelegt. Nach zwei Kantersiegen (8:2, 4:0) führen die Spreewälder die Fußball-Landesliga an. Steven Wiesner

Nun aber geht es ans Eingemachte. Am Samstag steht zunächst der FSV Brieske/Senftenberg auf Vetschaus Agenda, eine Woche später wartet das nächste Lausitz-Derby gegen Wacker Ströbitz. Vor dieser spannenden Woche sprach die RUNDSCHAU mit dem Vetschauer Trainer Jörg Handrick (45).

Herr Handrick, glauben Sie, dass Sie in zwei Wochen immer noch Tabellenführer sind?
Handrick (lacht) Im Fußball ist alles möglich. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass unsere nächsten beiden Gegner Brieske/Senftenberg und Wacker Ströbitz heißen, brauchen wir dafür schon zwei sehr gute Tage. Brieske und Wacker sind ausgemachte Spitzenmannschaften der Landesliga und das nicht nur letzte Saison, sondern seit Jahren. Um also Ihre Frage zu beantworten: Unter normalen Umständen sind wir in zwei Wochen nicht mehr Tabellenführer.

Gegen Brieske hat Ihre Mannschaft vergangene Saison mächtig Prügel bezogen, einmal 0:8 und einmal 0:6 verloren. Liegt Ihnen Brieske nicht?
Handrick Die 0:8-Niederlage am 1. Spieltag der Vorsaison kam für uns alle überraschend. Wir hatten eine tolle Vorbereitung gespielt und teilweise sogar ranghöhere Mannschaften wie Krieschow und Guben Nord geschlagen. Wir waren überheblich, wollten selbst das Spiel machen und sind von Konter in Konter gerannt. Die Spieler waren wie gelähmt. So hatten wir uns das erste Landesliga-Spiel in Vetschau seit zehn Jahren natürlich nicht vorgestellt.

Und das 0:6 in der Rückrunde?
Handrick Das kam unter anderen Voraussetzungen zustande. Wir konnten damals nur mit einer absoluten Notelf nach Senftenberg fahren. Aber natürlich haben wir nun den Ansporn, uns ergebnistechnisch zu verbessern.

Was erwarten Sie nun für ein Spiel? Sehen Sie sich nach Ihrem guten Saisonstart als Außenseiter?
Handrick Brieske war in der vergangenen Saison die meiner Meinung nach spielstärkste Mannschaft der Liga und ich bin davon überzeugt, dass sie aufgestiegen wären, hätten sie nicht solch ein Verletzungspech gehabt. Insofern sehe ich uns schon als Außenseiter, aber wir sind gewarnt und nicht chancenlos. Wir stehen am Anfang der Saison und können aus dem Vollen schöpfen. Aber für uns wäre es schon ein Erfolg, nicht zu verlieren.

Die Saison ist noch jung und die Meisterschaft wird noch nicht entschieden. Kann eine solche Partie trotzdem schon zeigen, wo die Reise dieses Jahr hingeht?
Handrick Sollte man die Erkenntnis erlangen, mit einem Spitzenteam mithalten zu können, kann das schon Kräfte freisetzen. Allerdings halte ich es nicht für clever, nach einem guten Spiel gleich die Ziele für eine gesamte Saison zu korrigieren.

Und was sind Ihre Ziele? Spielt Vetschau nach einem Übergangsjahr und Platz neun als Aufsteiger nun wieder weiter oben mit?
Handrick Das zweite Jahr ist bekanntlich immer das schwierigere. Unser Saisonziel besteht von daher erstmal darin, so schnell wie möglich 35 Punkte zu holen. Dann sehen wir weiter. Es kann schnell gehen, dass man auch mit einer guten Mannschaft mal in einen Strudel gerät. Das zeigt sich auch in der Bundesliga Jahr für Jahr. Ganz oben mitzuspielen, wäre zu hochgegriffen, zumal wir mit Sven Konzack kurz vor der Saison unseren besten Spieler abgeben mussten und mit Nico Lehmann ein weiterer wichtiger Spieler gegangen ist.

Beim 8:2 gegen Briesen/Mark und dem 4:0 in Wildau scheinen Sie ihr Fehlen gut kompensiert zu haben.
Handrick Wir tun gut daran, die beiden Ergebnisse nicht überzubewerten. Die Spielverläufe kamen uns entgegen. Gegen Briesen haben wir einen Blitzstart erwischt und nach zehn Minuten 3:0 geführt. Da spielt es sich natürlich einfacher. Und auch das 4:0 in Wildau war am Ende deutlicher als der Verlauf. Wie sehr wir vor allem Konzack vermissen werden, wird sich in anderen Spielen zeigen. Zum Beispiel gegen Brieske und Wacker.

Sie haben mit dem Brasilianer Caio Rodrigues aber auch einen Spieler dazu bekommen, der nach zwei Partien sieben Tore auf dem Konto hat. Was haben Sie mit ihm angestellt, dass er so explodiert?
Handrick Caio hatte lange mit der Ungewissheit zu kämpfen, ob er überhaupt in Deutschland bleiben kann. Wir haben enormen Aufwand betrieben, damit er die Ausbildung bekommen konnte, die er wollte. Es braucht aber weniger finanziellen Aufwand als vielmehr ehrenamtliches Engagement und Leidenschaft. Damit haben wir ihm nun Sicherheit und eine Perspektive bieten können. Und mit dieser Gewissheit ist er befreit im Kopf und zahlt es mit Toren zurück.

Sie waren früher selbst ein Torjäger, der viele Tore erzielt hat. Ist Caio ein besserer Stürmer als Sie es waren?
Handrick Technisch ist er besser, da macht man einem Brasilianer wenig vor. (lacht) Ich behaupte aber, dass es früher schwieriger war, so viele Tore zu schießen. Richtige Wadenbeißer, die dir bis in die eigene Hälfte folgen und weh tun, gibt es eigentlich nicht mehr. Das war schon problematisch für Stürmer damals. Manchmal habe ich unter der Woche nicht trainieren können, sondern wurde von der Physiotherapie nur wieder für das nächste Spiel fit gemacht. Wir haben aber beide einen Torinstinkt - und den kann man nicht trainieren.

Mit Jörg Handrick

sprach Steven Wiesner

Zum Thema:
Vor drei Jahren hat sich Jörg Handrick der SpVgg Blau-Weiß Vetschau angeschlossen. Er führte den Verein zurück in die Landesliga, in der Vetschau zuletzt in der Saison 2005/06 gespielt hatte. In den ersten beiden Jahren unter Handrick gewannen die Vetschauer je das Double aus Meisterschaft (erst Kreisoberliga, dann Landesklasse) und Kreispokal. In der Landesliga wurde die Euphorie aber erstmal gestoppt. Man wollte sich unter den ersten Sieben platzieren und wurde am Ende Neunter, was für einen Aufsteiger aber immer noch mehr als respektabel ist. In die aktuelle Runde ist Vetschau nun sehr ambitioniert gestartet. So viele Tore wie Blau-Weiß (12) hat nach nur zwei Partien keine andere Mannschaft im Landesspielbetrieb erzielt. Die Highlights der Partie gegen Senftenberg gibt es im Anschluss auf FuPa.tv zu sehen. (swr)