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| 18:01 Uhr

Schimpfende Kraftfahrer auf der B 169
Splitt: Kleine Steine – großer Ärger

 Seit Wochen liegt der Splitt auf der B 169 zwischen Elsterwerda und Lauchhammer an der Straßenseite, trotzdem gilt noch immer die Temporeduzierung.
Seit Wochen liegt der Splitt auf der B 169 zwischen Elsterwerda und Lauchhammer an der Straßenseite, trotzdem gilt noch immer die Temporeduzierung. FOTO: LR / Frank Claus
Weil das Geld für neue Straßen fehlt, wird in Elbe-Elster Splitt gestreut. Autofahrer auf der B 169 sind wegen den wochenlangen Einschränkungen gefrustet. Für die lange Dauer der Aktion gibt es einen erstaunlichen Grund. Von Frank Claus

Wären in den vergangenen drei Wochen alle Schimpfwörter aufgeschrieben worden, die in Autos auf der B 169 zwischen Elsterwerda und Lauchhammer geflucht wurden, das Ding hätte Potenzial für eine dicke Schwarte.

Und nicht nur von dort. Die Straßenmeisterei Elsterwerda hatte wieder einmal Straßen mit Steinchen in einer Körnung zwischen fünf bis acht Millimeter splitten lassen.

Wie viele Tonnen da auf die Straßen „gekippt“ wurden, das weiß Andrea Arndt, die Leiterin der Straßenmeisterei, nicht, aber, dass 16 regional bedeutsame Straßen den rieselnden Steinbelag auf 44 Kilometer Länge erhalten haben. Der Auftrag sei an Fremdfirmen vergeben worden.

Wie wird in Elbe-Elster gesplittet?

Die Technologie ist schnell erklärt. Unter dem Lkw ist ein Sprühbalken angebracht, aus dem zuerst Haftemulsion auf die Straße gesprüht wird. Entweder von der Ladefläche oder von einem Anhänger wird dann der Splitt auf die Straße mittels Streuteller oder Düse gestreut.

     Wieder einer, der die Nerven verloren hat und vor Kahla bei vorgeschriebenem Tempo 40 an der Fahrzeugkolonne „vorbeischießt“.
Wieder einer, der die Nerven verloren hat und vor Kahla bei vorgeschriebenem Tempo 40 an der Fahrzeugkolonne „vorbeischießt“. FOTO: LR / Frank Claus

Der nachfolgende Verkehr soll dafür sorgen, dass sich das Steingut in den Straßenbelag einfährt. Nur kleinere Flächen werden noch von Hand bearbeitet.

Dann geht ein Mitarbeiter mit einem Sprühkopf vor oder hinter dem Auto und trägt das Haftmittel auf. Mit Schippe oder mittels Streuteller wird dann der Splitt aufgetragen.

Warum wird in Elbe-Elster gesplittet?

Andrea Arndt: „Auf diese Weise werden Risse in der Straße geschlossen. Es stehen nicht genügend Mittel zur Verfügung, um die Deckschichten in kurzen Abschnitten abzufräsen und neu aufzutragen.“ 

„Wir haben gute Erfahrungen mit dem Splitt und die Lebensdauer der Straßendecken erheblich verlängert“, sagt ihr Stellvertreter Siegbert Heide. „Hatten wir sonst viele Frostaufbrüche, treten die nun kaum noch auf. Weil Wasser eben nicht mehr in die Straße eindringen kann. Man muss wissen, tritt Wasser erst mal ein und erreicht auch noch die Bindeschicht in der Mitte, bricht meist die ganze Straße auf.“

Autofahrer in Elbe-Elster wegen Splitt auf der B 169 frustriert

Antworten, die vermutlich sogar Mike Nothing aus Lauchhammer, der täglich nach Elsterwerda zur Arbeit pendelt, akzeptiert. Aber: „Drei Wochen ging das diesmal. Drei Wochen jeden Tag mit Tempo 40 auf Arbeit. Der Splitt war längst runtergefahren“, schimpft er und berichtet von weiteren 15 Kollegen, die aus dem Raum Hoyerswerda und Senftenberg über die B 169 Elsterwerda ansteuern und so wie er frustriert sind.

„Einer hat sich gerade ein neues Auto gekauft. Und jetzt der Splitt. Am schlimmsten sind die Idioten, die mit Tempo 80 vorbeischroten.“ Am Donnerstag, so berichtet er, wäre endlich die Kehrmaschine ab Lauchhammer losgefahren. „Das dauert ja nochmal drei Wochen“, meint er ironisch.

Krankheiten ziehen Streuung von Splitt auf der B 169 in die Länge

Und warum dauert nun alles so ewig? Weshalb muss deshalb die Geschwindigkeit so lange reduziert werden? Die Antwort, die Andrea Arndt parat hat, lässt den Mund offen stehen: „Krankheit von Mitarbeitern hat alles durcheinander gebracht.“

 Der Blitzer in Kahla war nur an einem Tag auf 30 km/h eingestellt.
Der Blitzer in Kahla war nur an einem Tag auf 30 km/h eingestellt. FOTO: LR / Frank Claus

Wie? Auf Nachfrage erklärt sie, dass bei der auftragnehmenden Splittfirma und bei der Firma, die die Verkehrszeichen aufstellt und abbaut, Leute krank geworden seien.

Ersatz habe es nicht gegeben. „Die Firmen suchen doch alle händeringend Leute“, sagt sie. Normalerweise seien zehn Tage für den Splittgang vorgesehen.

Auch noch Blitzer-Abzocke in Elbe-Elster?

Vorm Blitzer in Kahla ist auf Tempo 30 reduziert. Stimmt es, dass viele aus Gewohnheit 50 gefahren und deshalb geblitzt wurden? Aus dem Straßenverkehrsamt heißt es: Die Messanlage war nur an einem Tag auf Tempo 30 eingestellt.